Studenten trugen Physik zu Grabe

Studenten des Fachbereichs Maschinenbau beerdigten das Fach Physik auf dem Hochschulgelände.

SOEST ▪ Vor den Fenstern der Uni-Fachschaft Maschinenbau ist ein „Grab“ aufgeschüttet, komplett mit Kreuz, Kränzen und „ewigem Licht“. „Physik“ liegt hier laut Inschrift begraben – nach einem „Leben“ von 1964 bis 2011.

Wer vom Lübecker Ring auf den Campus der Fachhochschule fuhr, konnte diese Woche das Gefühl haben, falsch abgebogen zu sein: Gleich vor dem ersten Gebäude, genauer vor den Fenstern der Fachschaft Maschinenbau, ist ein „Grab“ aufgeschüttet, komplett mit Kreuz, Kränzen und „ewigem Licht“. „Physik“ liegt hier laut Inschrift begraben – nach einem „Leben“ von 1964 bis 2011.

Was auf den ersten Blick wie ein makabrer Scherz aussieht, hatte für die Initiatoren der Aktion, die Fachschaft Maschinenbau, einen ernsten Hintergrund: Weil die Physik in der künftigen Prüfungsordnung als eigenständiges Pflichtmodul gestrichen werden sollte, sahen sie die Qualität ihres Studiums gefährdet.

„Bislang hat die Soester Fachhochschule einen hervorragenden Ruf, wir wollen, dass das auch so bleibt“, erklärte die Fachschaft gegenüber dem Anzeiger ihr Motiv für die ins Auge fallende Aktion. Physik gehöre zu den wichtigen Grundlagen des Maschinenbau-Studiums, die von der Dekanin angebotene Verlagerung einzelner Inhalte in andere Module könne den „Verlust“ kaum ausgleichen. Als Grund für das „Ableben“ der Physik seien, so die Studenten, in erster Linie Kostengründe angeführt worden.

Das allerdings weist Dekanin Anne Suse Schulz-Beenken zurück. Bereits vor einem Jahr sei die Änderung der Prüfungsordnung „in großer Einmütigkeit“ beschlossen worden – auch um einem Wunsch vieler Studenten zu entsprechen, „Grundlagenwissen und Anwendung dieses Wissens“ näher zusammenzubringen. Um Kostenreduzierung sei es dagegen nicht gegangen.

Klar ist aber: Die studentischen „Totengräber“ haben mit ihrer Aktion Eindruck gemacht. „Weil ihnen offensichtlich so viel daran liegt, werden wir Physik nicht streichen“, kündigte Schulz-Beenken gegenüber dem Anzeiger an, der Forderung der Fachschaft nachzukommen. Die Studenten können also das Grab wieder wegräumen – und sich über die „Wiederauferstehung“ der Physik freuen.

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