Streit um Rasenplätze eskaliert: Sportfreunde Soest-Müllingsen drohen mit Vereins-Auflösung

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Der Sportplatz im Soester Süden hat schwer unter dem heißen Sommer gelitten. Der aktuelle Regen kommt für weite Rasenflächen zu spät.

Soest – Sportlich fair fühlt sich der Umgang miteinander für alle Beteiligten offensichtlich nicht an – und deshalb geriet die Führung der Sportfreunde Soest-Müllingsen in den vergangenen Wochen heftig aneinander mit der Stadtverwaltung und der Politik, namentlich mit dem Vorsitzenden des Sportausschusses, Walter Raubaum. Der trat sogar zurück, nur um wenig später aber vom Rücktritt zurückzutreten. Im Zentrum des Streits: viel verbrannter Rasen.

Für die Sportfreunde ist klar: Es geht hier um „existenzielle Fragen zur Zukunft des Vereins und der sportlichen Jugendförderung im Soester Süden“ – beides ist eng verbunden mit den beiden Rasenplätzen des Vereins in Müllingsen und an der Lippstädter Straße im Soester Süden. Streit gibt es wegen beider: In Müllingsen hätte der Verein gerne eine Multifunktionsanlage, kriegt sie aber nicht – und der Platz in Soest ist in einem denkbar schlechten Zustand. Die Verantwortung dafür schieben sich Verein und Verwaltung gegenseitig zu. 

Der Verein 

2018 übernahm der Platzwart der Sportfreunde Soest-Müllingsen die Bewässerung des Rasens. Der Verein wollte anschließend die dadurch aufgelaufenen Kosten in Höhe von 2 500 Euro von der Stadt erstattet bekommen – auch mit dem Hinweis auf das Jahnstadion, in dem die Stadt genau diese Kosten übernehme. Der zuständige Abteilungsleiter Thomas Nübel und der Sportausschuss lehnten das ab, die Bewässerung wurde im vergangenen Jahr daraufhin komplett eingestellt und erst mit Ende der Sommerpause wieder aufgenommen. Aber da war es schon zu spät, der Rasen war großflächig verbrannt, eine „ausreichende Erholung nicht mehr möglich“. 

Für den Verein ist klar: Um dem Platz die nötige „Robustheit“ zu verleihen und erhalten, muss die Stadt ausreichend bewässern und auch die Kosten dafür tragen – so wie sie das im Jahnstadion tut. Dieser Verantwortung komme die Stadt, so der Vorwurf, aber nicht nach. 

Als Alternative habe Nübel den Bau einer Zisterne auf dem Gelände an der Lippstädter Straße ins Spiel gebracht, angeblich für rund 20 000 Euro, zu tragen von der Stadt. Der Leiter des städtischen Grünflächenamtes habe allerdings eine ganz andere Rechnung aufgemacht, danach würden zwischen 60 000 und 100 000 Euro fällig. 

Für die Sportfreunde ist klar: Ändert sich nichts, werden sie nach der Saison 2021/2021 alle Jugendmannschaften abmelden. Und das ist nicht alles: Der nächste logische Schritt wäre die „sukzessive Reduzierung der Seniorenmannschaften bis zur endgültigen Auflösung des Vereins in den folgenden Jahren“, heißt es in einem Schreiben an den Sportausschuss. 

Die Stadt 

Um den Rasen zu schonen, ist der Sportplatz im Soester Süden einigen Jugendmannschaften der Sportfreunde vorbehalten – dort spielen und trainieren nach Vereinsangaben aktuell rund 180 Kinder und Jugendliche. Die Stadt betont, dass A- und B-Junioren nach Müllingsen ausweichen müssten und auch (unerlaubte) Seniorenspiele für den schlechten Zustand der Rasenfläche verantwortlich seien. Der Verein besteht darauf, dass alle Juniorenteams auf dem Platz spielen dürfen und Senioren, bis auf ein einziges Nachholspiel im Sommer, dort nicht aktiv gewesen seien.

Rücktritt vom Rücktritt

Aufgabe des Platzes in Müllingsen schon im Sommer oder Ausbau zu einer Multifunktionsanlage – diese Alternativen sehen die Sportfreunde. Um Letzteres zu finanzieren, stellten sie einen Antrag auf Mittel aus dem Leader-Programm. Der wurde vom Sportausschuss abgelehnt. Dessen Vorsitzender: Walter Raubaum (SO-Partei). Dann stellte der Verein einen neuen Antrag mit einer Ein-Drittel-Beteiligung an den Kosten durch die Reinhard-Adolph-Stiftung und den Verein selber. Der aber wurde im Ausschuss nicht diskutiert: Raubaum erklärte das unter anderem damit, dass er den Antrag „bei einer Aufräumaktion“ vernichtet habe. Weil darin die Führung der Sportfreunde eine „bewusste Torpedierung der sportlichen Entwicklung unseres Vereins“ sahen, erklärte Raubaum am 31. Dezember seinen sofortigen Rücktritt – nur um drei Wochen später von diesem Rücktritt zurückzutreten. In der Zwischenzeit, so Raubaum, hätte ihm die Sportfreunde-Führung versichert, dass sein Rücktritt „von ihnen nie beabsichtigt gewesen sei“.

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