Eintöniges Bühnenprogramm nach hoher Gema-Forderung

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Leer muss die Bühne auf dem Weihnachtsmarkt nicht bleiben, beim Musikprogramm allerdings gibt es Einschränkungen

Soest - Das Musikprogramm auf der Weihnachtsmarkt-Bühne wird ab sofort gehörig an Abwechslung einbüßen. Seit Mittwoch dürfen die Akteure nicht mehr alles aus ihrem vorbereiteten Repertoire spielen, sondern müssen sich streng an eine Liste mit exakt 93 gema-freien Weihnachtsliedern halten.

Hintergrund dieser Entwicklung ist eine Forderung der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema), die in diesen Tagen bei „Wirtschaft und Marketing Soest“ als Veranstalter des Weihnachtsmarkts im Briefkasten landete. Darin fordert die Gema satte 90 000 Euro an Gebühren für die gesamte Dauer des Weihnachtsmarkts anstatt der bisher vereinbarten 240 Euro pro Tag. 

Eine Forderung, die Prof. Dr. Monika Dobberstein, Geschäftsführerin von Wirtschaft und Marketing, nicht nachvollziehen kann und schon gar nicht begleichen will. Bereits vor Jahren habe es eine ähnliche Forderung der Gema gegeben, in deren Folge man sich mit der Gesellschaft darauf geeinigt habe, die allgemeine musikalische Untermalung auf dem gesamten Weihnachtsmarkt einzustellen. 

Stattdessen gab es öffentliche Musik-Beschallung seitdem nur noch auf der Vreithof-Bühne. Gebührengrundlage war von da an auch nur die Fläche des Vreithofs und nicht die ungleich größere Gesamtfläche des Weihnachtsmarkts. An diese Vereinbarung wolle sich nun aber bei der Gema niemand mehr erinnern, so Dobberstein. 

Stattdessen hat die Gesellschaft ihre alte Maximalforderung erneuert und argumentiert, dass die Bühne potenziell Zuhörer aus dem gesamtem Bereich des Weihnachtsmarkts anziehe. Wirklich verstehen könne man diese Argumentation nicht, meint Dobberstein, schließlich sei der Weihnachtsmarkt nicht in erster Linie eine Musik-Veranstaltung, die Musik vielmehr nur Beiwerk. 

Aktuell ist die Diskussion mit der Gema noch nicht beendet, man warte noch auf Antwort, so Dobberstein weiter. Um aber einstweilen keine Nachforderungen zu riskieren, bleibe jetzt nichts anders übrig, als sicherheitshalber auf die gema-freien Lieder umzusteigen. Dobberstein schlägt vor, dass sich in naher Zukunft der Städte- und Gemeindebund mit dem Thema befasse, schließlich sei Soest kein Einzelfall. 

Auch in anderen Städten stelle die Gema ähnliche Forderungen. Im Nachbarort Bad Sassendorf hat man ebenfalls reagiert. Im dortigen Weihnachtsdorf, das an den fünf erweiterten Wochenenden vor dem Christfest geöffnet ist, ertönen donnerstags und sonntags jeweils Musikwerke, die frei sind. 

Die Regelung mit der bespielten Fläche gilt auch im Kurort, aus diesem Grund sind die Hütten des Weihnachtsdorfes in den vergangenen Jahren enger zusammengerückt, so dass sich der Weihnachtsmarkt nunmehr ausschließlich auf den Sälzerplatz konzentriert.

Stille Nacht

Die Gema nimmt als so genannte Verwertungsgesellschaft die Nutzungsrechte aus dem Urheberrecht von Musikern, Textern und Musikverlegern wahr, die in ihr organisiert sind. Das Urheberrecht erlischt allerdings in der Regel nach 70 Jahren. Von da an gelten Werke als „gemeinfrei“, können also auch gebührenfrei aufgeführt werden. In diese Kategorie fallen die 93 Weihnachtslieder aus der gema-freien Liste. Dort finden sich beliebte Klassiker wie „Stille Nacht“, „Kling Glöckchen kling“, „Tochter Zion“, „Es ist ein Ros entsprungen“ oder „Alle Jahre wieder“. Zeitgenössische Hits wie „Last Christmas“ oder „Driving Home for Christmas“ bleiben aber außen vor.

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