Junge Start-up-Gründer jagen mit Unterstützung der FH nach dem Einhorn

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Björn Mauersberger (Dritter von links) demonstriert seine Erfindung, mit der in Körperteilen eingesetzte Schrauben aufgespürt werden können. Auch Viktoria Frank (links) und Mike Olech (Vierter von links) gehören zu den Gründern, die von Kai Müller (Start-up-Innovationslabor Südwestfalen) und Hanna Middendorf (SWICE) betreut werden.

Soest -Ganz langsam wackelt auf dem Tisch eine kleine Einhorn-Figur mit dem Kopf – wie ein Symbol. Denn davon träumen hier alle im dritten Stock eines Gebäudes auf dem Campus der Fachhochschule: Das nächste „Einhorn“ zu erschaffen – ein Start-up-Unternehmen, dass finanziell durch die Decke geht und bei dem die Investoren Schlange stehen.

„Wir müssen nicht nach Hamburg, Berlin oder München schauen. Erfinder mit tollen Ideen gibt es auch hier bei uns in der Provinz“ – Professor Dr. Andreas Gerlach weiß, wovon er spricht. Er betreut das „SWICE“-Programm der Fachhochschule, mit dem junge Gründer bei der Realisierung ihrer Projekte unterstützt werden sollen. „Wir wollen für mehr Innovationskultur in der Region sorgen“, sagt Gerlach und blickt stolz in die Gesichter einige seiner Schützlinge, die er und sein Team betreuen. 

Björn Mauersberger weiß, wie wichtig diese Unterstützung ist. Zusammen mit Kollegen hat er ein kleines Gerät entwickelt, das die Arbeit von Ärzten im OP-Saal deutlich erleichtern soll. Das Gerät soll eingesetzte Schrauben in Körperteilen präzise aufspüren. Wie ein Detektor erkennt es Metallteile und piept und vibriert, wenn die richtige Stelle gefunden wurde. „Ein Freund von mir ist Arzt und klagte immer, dass man bei Operationen immer erst 30 bis 40 Minuten nach der richtigen Stelle suchen muss oder ein zusätzliches Röntgen nötig sei. Mit unserem Gerät wird das überflüssig“, erklärt Mauersberger. Die zündende Idee war schnell gefunden, das nötige Material in jedem Baumarkt zu finden – aber wie vermarktet man das Produkt, wie stellt man die Finanzierung auf die Beine? „Von diesen ganzen Business-Sachen hatte ich absolut keine Ahnung“, gibt Mauersberger zu. 

Genau hier setzt das „SWICE“-Team an. „Wir beraten die Gründer in Finanzierungsfragen und versuchen die Ideen zusammen weiterzuentwickeln“, sagt Mitarbeiterin Hanna Middendorf. Jeder Gründer komme mit individuellen Problemen, die zusammen gemeistert werden.

Künstliche Lunge und digitale Identität

Davon profitieren auch Viktoria Frank und Mike Olech. Frank forscht am Iserlohner Standort der Fachhochschule an einer künstlichen Lunge. An echten menschlichen Zellen in dieser Lunge lassen sich die Reaktionen auf Schadstoffe in der Luft oder auf Medikamente untersuchen. Olech hat ein Internet-Protokoll entwickelt, das die Festlegung von digitalen Identitäten ermöglichen soll. 

Für alle Internet-Seiten oder soziale Netzwerke soll es nach seinen Vorstellungen nur noch ein Anmeldesystem geben. Fake-Accounts würden der Vergangenheit angehören, Online-Wahlen und Abstimmungen sicherer vor Manipulationen werden. „Vor der Zusammenarbeit mit dem Gründerlabor hätte ich gar nicht gewusst, wie ich anderen Leuten meine Idee verständlich machen soll“, meint Olech. 

Wer nur mit technischen Begriffen und Fremdwörtern um sich wirft, schreckt mögliche Investoren ab. Für ihn und die anderen Gründer geht es demnächst nach Berlin. Dort wollen sie sich mit anderen Start-up-Gründern austauschen und das Interesse von Investoren wecken. Gerlach ist vom Erfolg seiner Schützlinge überzeugt: „Die Berliner schauen auf uns, weil wir hier ganz anders ticken und andere Ideen haben.“ Das nächste „Einhorn“ – es könnte aus Soest kommen.

Hilfe für Start-up-Gründer

„SWICE“ steht für „South Westphalia International Center for Entrepreneurship“. Mit diesem Programm will die Fachhochschule Südwestfalen in Soest Gründer unterstützen. Dafür muss man noch nicht einmal Student der Fachhochschule sein. Eng zusammengearbeitet wird dabei mit dem „Start-up Innovationslabor Südwestfalen“, das von allen Standorten der Fachhochschule und der Universität Siegen getragen und vom Land NRW gefördert wird. Zehn Gründerteams werden dabei ein Jahr lang begleitet. Mit Coachings und Mentorenprogrammen sollen sie ihre Ideen weiterentwickeln und wertvolle Kontakte knüpfen. Sieben dieser Teams kommen aus dem Kreis Soest. J awo

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