Wo der Starfighter abstürzte

Meiningsen – Die Idee spukte Ortsheimatpflegerin Anja Heymann schon lange im Kopf herum. Aber erst jetzt, als durch die Corona-Krise ihre Gästeführungen in der Stadt Soest ausfielen, hatte die engagierte Hobbyhistorikerin und -forscherin unfreiwillig Zeit, ihren Plan in die Tat umzusetzen.

Info-Tafeln zu interessanten und geschichtsträchtigen Stätten in Meiningsen aufstellen und damit einen informativen Spazierweg schaffen, der neugierig macht – das war ihr Plan.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Arbeit ist“, seufzt die Heimatpflegerin im Rückblick. Aber jetzt zu Pfingsten sollen alle 30 Stationen fertig sein. Derart viele Infotafeln sind es auch nur geworden, weil Anja Heymann einfach nicht genug bekommen konnte von den spannenden und interessanten Geschichten und lustigen Anekdoten, von den Bildern und Aufnahmen aus „ihrem“ Dorf. 

Mal fand sie hier noch ein vergilbtes Foto, mal schnappte sie dort noch ein Döneken auf. Vor allem aber konnte Anja Heymann auf dem großen Fundus von Informationen zurückgreifen, die sie und ihr Mann Axel auf ihrer Website verarbeitet haben. Seit mehr als 20 Jahren arbeiten die beiden an www.meiningsen.de. Anja Heymann forschte zusätzlich im Stadtarchiv nach Daten und kramte in Sonderangeboten nach brauchbaren Rahmen, Hüllen und Stützen für ihr Projekt. Beim Bauhof fand sie ein paar Mitstreiter.

Auf diese Weise entstand mit wenig Geld, aber viel Einsatz ein Informationsnetz, das wichtige Meiningser Punkte miteinander verbindet. Absichtlich hat die Ortsheimatpflegerin keinen Rundweg wie den Kulturlandschaftsweg daraus gemacht: „Jeder soll selber auf Entdeckungsreise durchs Dorf gehen. Mit etwas Spürsinn finden sich wichtige Stätten.“ Glücklicherweise stehen die Info-Tafeln so nah beieinander, dass man an den meisten bereits die nächste sehen kann. Spaziergänger lernen das Bördeörtchen, das von je her ein wichtiger Soester Vorposten war, von seinen schönsten und interessantesten Seiten kennen.

Ob Kirche oder Kühlhaus, ehemalige Gaststätte oder alte Backhäuser – Anja Heymanns Info-Tafeln haben zu fast jedem Bauwerk etwas zu erzählen. Dazu gibt es mehr oder weniger betagte Bilder von kindlichen Konfirmanden mit Hüten, jugendlichen Mädchen in Schlussballkleidern oder verwunschenem Gemäuer hinter Blumen und Bäumen. Und man muss nicht mal 100 Jahre zurückgehen. Sogar die Stelle, wo in den 70er-Jahren ein Starfighter abgestürzt ist, wurde markiert. Jeder, der sie nahe Meiningserbauer sieht, sagt heute noch: „Haben die Leute damals Glück gehabt!“ Anja Heymann hofft, dass jetzt zu Pfingsten viele Leute nach Meiningsen kommen, die Info-Tafeln anschauen und sich dann selber auf den Spazierweg durchs Dörfchen machen – wenn schon das Schützenfest ausfällt.

Rubriklistenbild: © Boronowsky

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