Stille Innenstadt

Soest im Corona-Lockdown: In der Fußgängerzone bedienen viele Geschäfte ihre Kunden weiter

Fußgängerzone Soest im Lockdown
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Trostloser Anblick: Wo sich sonst viele Passanten tummeln, herrscht im Lockdown gähnende Leere.

Es ist kalt in der Soester Innenstadt. Und leer. Während Blicke unbeschäftigter Verkäufer durch die Glasscheiben aufs weitgehend leere Pflaster gehen, ist eben dort die Sache mit dem Mindestabstand kein Problem. Ein Bummel durch die Stadt:

Soest - Mittags in der Soester Fußgängerzone. Wer sich in die Stadt wagt, bekommt es mit reichlich Telefonnummern und Online-Angeboten zu tun. Im „Juwelier und Trauringstudio Lehmenkühler“ steht das Angebot, bei Bedarf anzurufen oder dienstags den Service- und Reparaturdienst vor Ort anzutreffen.

Bei „Werning“ soll ein Online-Angebot ganz ohne Versandkosten Kunden anlocken. Aber niemand bleibt vor diesen Schaufenstern stehen. Viele Menschen haben es eilig, gehen zielstrebig ihrer Wege. Ein paar Meter weiter meint Sandra Buretschek aus dem Unverpackt-Laden, dass es derzeit „deutlich ruhiger“ zugehe. „Die Stammkunden kommen zwar, aber es fehlen die vielen anderen.“

Soest im Lockdown: Hinweise im Schaufenster

Weiter geht es an den Schaufenstern von Modehäusern und Handyläden vorbei: Mal fehlt jeder Hinweis, mal gibt es trotz der Schließung noch die schriftliche Aufforderung höchstens zu sechst in den Laden zu kommen, manchmal gibt es Angebote, telefonisch oder digital ins Geschäft zu kommen.

Die Optiker haben geöffnet, einen Andrang an Kunden verzeichnen sie aber nicht. „Viel ruhiger als sonst“ gehe es im Laden zu, meint ein Mitarbeiter bei „Apollo“. Es gebe zwar einige Termine, doch die Laufkundschaft fehle.

Soest im Lockdown: Schlange am Lotto-Laden

Endlich sind Menschen zu sehen. Vor dem Lotto- und Zeitschriften-Geschäft stehen sie Schlange: Zwei sind drinnen, vier draußen. „Zum ersten Mal seit Oktober bin ich in der Innenstadt“, meint eine ältere Dame. Alleinstehend sei sie. Und zu Hause sei es eben sicherer. Kontakt zur Außenwelt hält sie im Wesentlichen über das Telefon. Sie trägt Brille und Maske. Beim Sprechen beschlagen die Gläser. „Das nervt“, sagt sie.

Von der Laufkundschaft lebt auch „Blumen Risse“. Kira-Marie Hagemann ist aber froh, dass der Laden überhaupt aufhaben darf. „Viel weniger Kunden“ gebe es in diesen Tagen, zu tun habe sie aber trotzdem immer etwas. Die Stadtparfümerie Pieper bietet einen Lieferdienst nach Hause inklusive Telefonnummer, sodass Kunden ihren liebsten Duft auf jeden Fall bekommen können.

Schaufensterbummel: wer den richtigen Schuh findet, greift einfach zum Telefon.

Im Schuhhaus Schreiber werden Telefon-Beratung und die Möglichkeit, bestellte Waren zu einem bestimmten Zeitpunkt abzuholen, angeboten. Ein kleines Schild weist zudem darauf hin: „Wir sind da, bitte klingeln“. Wer das tut, wird kurz darauf an der Nebentür mit ausreichend Sicherheitsabstand darüber aufgeklärt, dass auch spontanes Auftauchen willkommen ist. „Wir holen dann das, was der Kunde wünscht, und übergeben es hier an der Tür“, sagt eine Mitarbeiterin.

Eine „Abholstation“ für höchstens einen Kunden gibt es bei „Thalia“. Rot-weiße Markierungen legen den kleinen Kassenbereich unmissverständlich fest. Hinter der Kasse gibt Filialleiter Michael Lebar Bestelltes heraus und verweist auf den Mail-, Telefon- und Online-Service. „Das wird gut angenommen und beschert uns wenigstens ein bisschen Umsatz“, so Lebar.

Haustürgeschäft: Wilhelm Schimmel-Geveler nimmt von Enneke Siedler an der Ritterschen Buchhandlung ein Buch entgegen.

Ein kleines Tischchen sowie ein QR-Code für die Buchbestellung zieren den Eingangsbereich der Ritterschen Buchhandlung ebenso wie der Hinweis, dass Kunden bitte klopfen mögen. Es herrscht ein Kommen und Gehen – drinnen wie draußen. „Wir sind sehr dankbar, dass wir so verkaufen dürfen. Es wird super angenommen“, sagt Enneke Siedler.

In der Buchhandlung gebe es reichlich Anrufe und Bestellungen. Warum? „Weil die Schulen Lektüren brauchen, die Leute Zeit zum Lesen haben und wir hier sehr treue Stammkunden haben.“ Das kann Wilhelm Schimmel-Geveler nur unterstreichen. Seit 40 Jahren kaufe er hier ein, erinnere sich gerne an die schönen Lesungen und schätze den persönlichen Kontakt. Bei großen Anbietern im Internet kaufen? „Das kommt für mich nicht infrage“, sagt er.

Soest im Lockdown: Wenig Umsatz mit Pommes und Würstchen

Auf dem Weg zurück durch die Fußgängerzone bleibt es leer. Und still. Einen „ziemlich traurigen Umsatz“ habe er in den letzten Tagen gemacht, sagt Karl-Friedrich Gickeleiter. Er verkauft Pommes und Würstchen, „allerdings in einem sehr bescheidenen Umfang“. Das aber sei klar, weil ja kaum Menschen unterwegs seien.

Überall ist es aber nicht menschenleer. Bei „Kamps“ stehen die Leute Schlange. „Ich komme jeden Mittag hierher“, sagt Jochen Mersmeyer. „Und das nicht, weil ich muss, sondern weil ich es wichtig finde, die Geschäfte hier zu unterstützen.“

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