Warum das Awo-Bewohnerzentrum überlastet ist

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Maik Glormann, Leiter des Awo-Bewohnerzentrums, und Mitarbeietrin Jennifer Alteköster.

Soest - Das Awo-Bewohnerzentrum steht mitten im Quartier. Und an diesem günstigen Platz liegt es auch genau richtig. Davon ist der Leiter des Treffpunkts, Maik Glormann, überzeugt. Er sieht das Haus als ein Kernstück der sozialen Arbeit in Soest, als einen Ort, der essenziell für ein gutes Zusammenleben in der Stadt und daher nicht wegzudenken sei. 

Das Haus in der „Englischen Siedlung“ ist beliebt und mehr als gut frequentiert: Schon morgens kommen die ersten Gruppen, erst spätabends schließen sich die Türen. Menschenleer ist das Gebäude nur selten, weder die Woche über noch samstags oder sonntags. Es ist Anziehungspunkt für Menschen in der Nachbarschaft aus vielen unterschiedlichen Herkunftsländern, die hier etwa den Sprachkurses besuchen, die tanzen, singen, ihre Kultur vermitteln, Kontakte knüpfen und interkulturelle Kompetenzen stärken. 

„Es herrscht kontinuierlich Betrieb“, schildert Maik Glormann. Besucher mit allen möglichen Problemlagen oder Fragen schauen vorbei. Das Programm richtet sich bevorzugt an Kinder- und Jugendliche, darüber hinaus nehmen auch alle anderen Altersgruppen die Räume gern an. Eigentlich war der einst von den Briten genutzte einfache Flachdachkasten nach deren Abzug zunächst nur als Provisorium gedacht. Das Objekt mit 300 Quadratmetern Nutzfläche sollte als Übergangslösung für die pädagogische Arbeit im Viertel reichen. 

Provisorium währt schon viele Jahre 

Nach kleinen Anfängen und durch den stetig steigenden Zuspruch zeichnete sich aber sehr schnell ab: Die Grenzen sind erreicht, mehr geht nicht, wäre aber wünschenswert. Das Bewohnerzentrum ist überlastet. 

Maik Glormann, seit 19 Jahren im Soester Süden tätig, sagt es deutlich: Ihm sei von Anfang an klar gewesen, dass ein Neubau sinnvoll und notwendig ist, dafür habe er auch von Anfang an gekämpft, und zwar nicht nur wegen des schlechten Zustandes der Immobilie, sondern vor allem auch wegen des hohen Bedarfes. Nun gibt es einen weiteren Vorstoß, dieses Stadtteilhaus doch noch zu bauen. Der Rat sprach sich in seiner jüngsten Sitzung dafür aus, sich um Geld aus dem Investitionspaket Soziale Integration im Quartier NRW 2018 zu bemühen. Der Topf steht unter anderem für Projekte zur Verfügung, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern.

 „Es fehlt an allem“, lautete im März 2016 ein Titel im Soester Anzeiger. Wir berichteten damals, dass in der Anlaufstelle am Britischen Weg mit über hundert Besuchern pro Abend längst das Limit erreicht sei. Damals gehörten auch viele junge Flüchtlinge zu den Besuchern, die in der früheren Kanaal-van-Wessem-Kaserne eine Bleibe auf Zeit gefunden hatten. Allerdings gab es auf dem Gelände kaum Beschäftigungsmöglichkeiten. So waren vor allem die jungen Bewohner froh über ein Angebot in der Nähe. Derzeit werden die Blöcke am Stadtrand nach mehr als 20 Jahren Leerstand zur großen Zentralen Unterkunftseinrichtung umgebaut. Ein Großteil des Aufenthaltes der Neuankömmlinge besteht aus Warten. Sie suchen Abwechslung, zum Awo-Bewohnerzentrum führt nur ein kurzer Fußweg. 

Maik Glormann weist auf die gute Vernetzung der Einrichtung hin, auf die enge Zusammenarbeit mit der Stadtteilkonferenz Soester Süden und die gute Unterstützung durch die Stadt. Das Haus genieße hohe Akzeptanz. „Wir könnten noch viel mehr machen“, ergänzt Mitarbeiterin Jennifer Alteköster, „aber es geht nicht, weder räumlich noch personell.“ 

Leute wissen: Hier bekommen sie Hilfe 

Als großen Pluspunkt betrachtet sie die familiäre Atmosphäre. „Die Leute wissen, hier wird ihnen zugehört und geholfen. Sie können sich auf uns verlassen“, schildert sie. Maik Glormann erfährt immer wieder, wie wichtig dieser Ort gerade für Kinder und Jugendliche ist. Er erinnert sich an die Startphase und an die Besucher, die gerade in Soest angekommen waren und sich einleben wollten. „Die Integration ist gelungen“, sagt er, „alle sind ihren Weg gegangen.“ Heute kommen schon die Kinder der ersten Generation, um ihre Freunde zu treffen und gemeinsam etwas zu unternehmen. Der Awo-Unterbezirk unterstützt die Arbeit und nimmt Geld in die Hand, um den Fortbestand zu sichern. Das liegt auch dem ehrenamtlichen Vorstand am Herzen, der sich ebenfalls für den Treff starkmacht. 

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