Am Danziger Ring in Soest

Der Tag nach der Detonation: Trafo bei Bombensprengung schwer beschädigt

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Der Trafo ist vermutlich nicht mehr zu retten. Die Detonation der Fliegerbombe hat ihn funktionsunfähig gemacht.

Soest - Um Leben und Tod ging es am Montagabend am Danziger Ring. Davon ist zwölf Stunden später nichts mehr zu spüren. Die 500-Kilo-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist vernichtet. Seit dem frühen Dienstag prüfen Mitarbeiter der Stadtwerke die Einrichtungen in der Elektrostation.

Das steht schon fest: Der Trafo wurde bei der Bombensprengung so schwer beschädigt, dass er vermutlich „nicht mehr in Betrieb genommen werden kann“, bedauert Stadtwerke-Pressesprecher Feine. Da nützt es auch nichts, dass es ein hoher Kran den Kasten wieder an Ort und Stelle gehoben hat.

Wie lange es dauert, bis alles überprüft und ob tatsächlich ein neuer Trafo nötig wird, weiß Feine noch nicht genau. Auch nicht, was die Aktion kosten und wer sie bezahlen wird – ob Stadt, Land, Bund oder gar eine Versicherung: „So einen Fall hatten wir noch nicht.“ 

Gemunkelt wird von einer siebenstelligen Summe für den Trafo. Sicher aber weiß Feine, dass alle Funktionen der still-gelegten Station von anderen Stationen erfüllt werden. Anwohner brauchen sich keine Sorgen zu machen: Sie hatten ja am Montagabend schon wieder Strom.

Kaum "Krater-Tourismus" an der Fundstelle

Der „Krater-Tourismus“ zur Fundstelle der Bombe hält sich übrigens in Grenzen: Ab und an kommt ein Radfahrer, hält vorm Zaun und zückt sein Handy. „Wenn‘s uns zu viel wird, machen wir das Tor zu“, kündigen die Stadtwerke-Mitarbeiter an.

500-Kilo-Bombe in Soest wird gesprengt

In der rund 50 Kilometer entfernten Seismologischen Station nahe der Ruhr-Uni Bochum wurde zurzeit der Sprengung im Soester Raum ein kleiner Ausschlag gemessen. Die Wissenschaftler halten sich jedoch bedeckt, was die Zuordnung angeht: „Der Ausschlag könnte von der Bombendetonation kommen“, sagt Nicolai Gestermann von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Deutschlands Norden sei wegen seiner Bodenbeschaffenheit für Messungen ohnehin schlecht geeignet. In der Soester Börde seien keine Messgeräte aufgestellt, weil sie nicht als erdbebengefährdet gilt – anders als beispielsweise die Eifel.

Kaum Evakuierte in der Stadthalle

Während sich mehr als 400 Einsatzkräfte von Kampfmittelräumdienst, Feuerwehr und Rettungsdienst, Notfallseelsorge, Ordnungsamt und Stadtverwaltung im Soester Norden um die Bombe kümmerten, harrte ein Dutzend Menschen in der Stadthalle aus. 12 von mehr als 1000 Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten – alle anderen hatten bei Freunden, Verwandten oder anderswo einen Unterschlupf gefunden.

 „Die Leute wussten seit Donnerstag, dass ihre Häuser evakuiert würden“, meint Brigitte Sliwa von der Stadt Soest. Die Zahl der Behinderten und Pflegebedürftigen, die ausgeflogen werden mussten, sei verschwindend klein gewesen. Das Dutzend in der Stadthalle sei nicht „betreuungspflichtig“ gewesen, sagt Sliwa aber notfalls hätte man ihnen aber Übernachtungsmöglichkeiten bieten können.

Immer mehr Bombenfunde

Im Regierungsbezirk Arnsberg sind zuletzt immer mehr Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Lag ihre Zahl im Jahr 2018 noch bei 64, so stieg sie im Jahr 2019 schon auf 96. Darunter waren sieben 500-Kilo-Bomben wie diejenige, die jetzt im Soester Norden zerstört wurde. „Es mag sein, dass die vermehrten Funde auf vermehrte Bautätigkeit zurückgeht“, vermutet Pressesprecherin Ursula Kissel. Gesetzmäßig werden alle neuen Bauplätze zunächst auf Bomben untersucht.

Die Soester US-Bombe war besonders gefährlich, weil sie mit einem Langzeitzünder aufgestattet war, der jederzeit hätte explodieren können. Es handelte sich um eine SAP 1000 – das bedeutet eine Semi-Armor-Piercing Bombe von 1000 Pfund, also 500 Kilo. Sie  gelten als halbpanzerzerstörend. Bomben dieses Typs schlagen tief ein – in Soest wurde sie in acht Metern Tiefe gefunden – und müssen immer vernichtet werden.

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