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Zocken auf Distanz: Wie die Corona-Hygieneregeln in einer Soester Spielhalle umgesetzt werden

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Von: Daniel Schröder

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Spielhallen und Casinos in Corona-Zeiten
Stephan Göbel und Nadine Rechau sind froh, dass ihre Spielhalle in Soest nach der Corona-Pause wieder öffnen durfte. © Daniel Schröder

„Rien ne va plus“ – nichts geht mehr, hieß es wegen des Coronavirus' über Wochen für Spielotheken in ganz Deutschland. Am 11. Mai durften sie in Nordrhein-Westfalen unter strengen Auflagen wieder öffnen. In einer Soester Spielhalle haben wir uns erkundigt, wie sich das Hygienekonzept in der Praxis umsetzen lässt und wie die Kunden auf die Wiedereröffnung reagiert haben.

Soest - Eine rote Karte auf einem der Automaten signalisiert dem Spieler nicht etwa, dass er sein Budget verzockt hat und nun besser aufhören sollte – nein: Die Karte offenbart, dass dieser Spiel-Automat vor seiner nächsten Nutzung zunächst desinfiziert werden muss. 

Das ist eine der Vorgaben des Hygienekonzeptes, das die Merkur Casino GmbH als Betreiber erarbeitet hat. „Sobald der Gast das Geldspielgerät verlässt, wird das komplette Gerät inklusive Monitor, Bedienfelder, Handauflage, Geldeinwurf und Geldausgabe gereinigt. Der komplette Stuhl und die Zwischenablage müssen ebenfalls gereinigt werden“, heißt es in dem Papier.

Spielhallen in Corona-Zeiten: Kontaktdaten müssen erhoben werden

Die Mundschutz-Pflicht ist selbstverständlich, Getränke müssen Kunden von der Theke abholen. Beim Betreten müssen sie das „Formular Kontaktdatenerhebung“ ausfüllen. Dieses wird vier Wochen lang aufbewahrt, um im Falle einer Infektions-Ausbreitung schnell zu wissen, wer betroffen sein könnte.

Spielhallen in Soest: Kunststoff-Vorhang trennt Automaten

Bei Automaten, die auf kurzer Distanz nebeneinander stehen, gibt es zwei Lösungen: Entweder werden sie durch einen Kunststoff-Vorhang voneinander getrennt (Foto oben), oder einer der Stühle wird entfernt, damit der Mindestabstand von anderthalb Metern gewährleistet ist. „Die Besucherkapazität ist geschrumpft. Aber damit kommen wir gut zurecht. Man muss eben Kompromisse eingehen“, sagt Filialleiterin Nadine Rechau. 

Stephan Göbel, der sich als Regionalmanager um die Merkur-Casinos in NRW und Niedersachsen kümmert, ergänzt: „Das Wichtigste ist, dass Mitarbeiter und Gäste gesund bleiben.“ In die Hygiene-Vorsorge sei deutschlandweit ein siebenstelliger Euro-Betrag investiert worden, sagt er. In Soest sei die Umsetzung der Hygienevorgaben bislang einmal durch das Ordnungsamt kontrolliert worden. Ohne Beanstandungen.

Spielhallen und Casinos in Corona-Zeiten
„Man hat es schon vermisst“, sagt ein Gast. © Daniel Schröder

Dass die Spielhallen wieder öffnen durften, sei auf der einen Seite eine gute Nachricht für die 13 500 Merkur-Mitarbeiter gewesen, die rund zwei Monate lang in Kurzarbeit waren.

"Wiedereröffnung eine gute Nachricht für Spieler- und Verbraucherschutz"

Doch auch für die Kundschaft schwinge ein wichtiger Aspekt mit, wie Unternehmensgründer Paul Gauselmann betont: „Die Wiedereröffnung ist eine gute Nachricht für den Spieler- und Verbraucherschutz. In den vergangenen Wochen konnten wir eine bedenkliche Abwanderung der Spielgäste in illegale Online-Casinos beobachten. Erschwerend hinzu kamen gesteigerte Werbeaktivitäten dieser illegalen Angebote im Fernsehen und im Internet. Mit den staatlich konzessionierten Spielhallen stehen nun wieder legale Angebote mit einem wirksamen Jugend- und Spielerschutz zur Verfügung.“

Als der Anzeiger an diesem Donnerstagmorgen zu Besuch in der Soester Spielhalle ist, ist ein Mann mittleren Alters der einzige Gast. „Man hat es schon vermisst“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, über die Zeit der Spielhallen-Schließung. Für ihn habe es nicht viele Beschäftigungs-Alternativen gegeben, weshalb er froh sei, wieder an die Automaten zu können.

Alle aktuellen Informationen zur Entwicklung des Coronavirus im Kreis Soest finden Sie in unserem News-Ticker.

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