"Weniger Müll wagen" mit Sonja Hengsbach und Karsten Winkler aus Günne

Dieses Paar hat dem Plastikmüll den Kampf angesagt - und zwar so!

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Riecht gut und bringt Glanz in jeden Topf: Die Reinigung mit einer einfachen Zitrone hat sich Sonja Hengsbach von ihrer Oma abgeguckt.

Günne - Sonja Hengsbach ist hin- und hergerissen. Sie selbst versucht gemeinsam mit ihrem Partner Karsten Winkler, möglichst viel Müll zu vermeiden. Vor allem beim Verbannen von Plastik sind die beiden sehr aktiv. Und während es in einigen Geschäften inzwischen gute Lösungen für den täglichen Einkauf gebe, seien alternative Angebote in anderen Märkten nichts als Augenwischerei. „Darüber kann ich mich tierisch aufregen“, sagt die engagierte Günnerin.

Eigentlich will sie sich nicht nur aufregen, sondern viel mehr einmischen. So wie am vergangenen Freitag bei der Schüler-Demo „Fridays for future“. 

Da zog sie mit einem Plakat durch die Stadt, auf dem die klare Botschaft „Kein Plastik“ nicht zu übersehen war. „Ich habe ein fertiges Bild von mir mit Plastik beklebt und dann einfach als Plakat für die Demo genommen“, meint Sonja Hengsbach. 

Viele positive Rückmeldungen habe sie bei der Demo bekommen. Das hat ihre Überzeugung gefestigt. Die heißt: Wer etwas ändern will, muss sich einmischen.

Blumenkohl in Plastik

Doch es gibt auch Gebiete, auf denen Sonja Hengsbach schweigt. Noch. Im Supermarkt zum Beispiel. Da würde sie die Leute, die einen einzelnen Blumenkohl in Plastik verpacken, am liebsten fragen, was denn dieser Unsinn soll. Macht sie aber (noch) nicht. 

„Man will ja die Leute auch nicht in Verlegenheit bringen.“ Apropos Unsinn: „Wenn ich diese Hinweise ,Hallo Umwelt’ mit dem Verweis aufs Plastik-Mehrwegnetz sehe, dann bin ich einfach nur enttäuscht“, sagt Sonja Hengsbach. Weil sich eben viele Verbraucher von dem nur vermeintlichen Umweltschutz blenden ließen. 

Wer etwas ändern will, muss sich engagieren: Sonja Hengsbach nahm am Freitag mit einem selbst gestalteten Plakat an der Schüler-Demo in Soest teil.

„Als Kunde wird man da doch verschaukelt“, macht sie ihrem Unmut Luft. Jetzt purzeln die Argumente und Erlebnisse nur so heraus aus Sonja Hengsbach: 

  • Das Duschgel mit dem Hinweis „Pearl effect“ sei doch nichts als ein schönes Wort für das beigefügte Mikroplastik.
  • Beim Besuch im Bio-Laden werde man enttäuscht, weil die allermeisten Produkte eben auch nur im Plastikmantel zu haben seien.
  • Und wer beim Kleidungskauf auf Begriffe wie „klimaaktiv“ stoße, habe am Ende eben auch Plastik auf der Haut.

Mit Glasbehälter zum Metzger

Es gibt aber auch Positives zu berichten. So kam die Günnerin beim Metzger ins Gespräch mit einer Kundin, die ebenfalls Glasbehälter als Umverpackung nutze wie sie selbst. Und im Laden gab es sogar schon ein Mehrweg-System, das für die hygienischen Grundlagen garantiert. Sonja Hengbach strahlt: „Das geht doch in die richtige Richtung.“ 

Einkaufen – das bleibt ein Wechselbad der Gefühle, ein Hin- und Hergerissenwerden. Apropos Richtung: Die Blickrichtung geht bei den beiden Günnern in die Vergangenheit. In Zeiten, als es noch Weck-Gläser mit Eingemachtem gab (Sonja Hengsbach: „Ich freue mich tierisch auf unseren Garten und auf alles, was ich in diesem Jahr wieder einkoche“). 

Oder die guten Tipps von Oma: Die nutzte einfach eine Zitrone, um Schlierspuren an Töpfen und Pfannen zu entfernen und ganz nebenbei einen tollen Geruch zu verbreiten („Das kostet fast nichts und funktioniert prima“). 

Aus Omas Zeiten

Aus Omas Zeiten stammt auch das Natron, das im Hause Hengsbach-Winkler gerade eine Renaissance erfährt. „Meine Oma hat Natron früher gebraucht, um Suppenklößchen zu machen oder einen Kuchen zu backen. Aber man kann damit viel mehr machen: Gesicht waschen, Mund spülen, Zähne putzen oder es als Deo verwenden.“ 

Tatsächlich hat Sonja Hengsbach das Natron einfach auf die Hände verteilt und dann unter die Achseln gerieben; wirklich auf die feuchte Zahnbürste gestreut und sich damit die Zähne geputzt („Schmeckt ein bisschen salzig, aber die Zähne fühlen sich danach sauber an“). 

Sieht aus wie zu Omas Zeiten, kann aber auch heute noch wertvolle Dienste erweisen: Natron.

Größter Vorteil: Natron ist in Papier verpackt und garantiert frei von Mikroplastik. Und ein Päckchen kostet gerade einmal 59 Cent. 

Karsten Winkler steht hinter dem Engagement seiner Partnerin. Ihn nervt gerade der „Verpackungswahn in großen Firmen. Das ist eine echte Katastrophe“, meint er, „wenn Ersatzteile fünffach in Plastik verpackt werden.“ 

Es sei „überaus grenzwertig“, wenn angesichts kleiner Teile und großer Verpackungseinheiten der verbleibende Raum einfach mit Kunststoff aufgefüllt werde. Karsten Winkler: „Mülltrennung ist gut, aber es dürfte gar nicht erst so viel anfallen.“

Im eigenen Garten

Ideen und Alternativen brauche es, da sind sich Sonja Hengsbach und Karsten Winkler einig. Und Eigeninitiative. Die darf auch im eigenen Garten stattfinden. Da nämlich werden schon bald Kartoffeln blühen, dort wird Gemüse wachsen und sollen verschiedene Obstsorten reifen. 

Wer dann über den Gartenzaun lauscht, dürfte Sätze auffangen wie den von Sonja Hengsbach: „Jedes Plastik geht über die Haut ins Blut. Wenn das bewusster wäre, dann wären die Menschen aufmerksamer.“ Anschließend gibt‘s Köstliches aus eigener Herstellung. Garantiert ohne Plastik.

Wir wollen weniger Müll wagen 

Wo ärgern Sie sich über überflüssigen Müll, welche Tipps haben Sie für einen Alltag mit weniger Plastik? Schreiben Sie uns (gerne mit Foto) an stadtredaktion@soester-anzeiger.de.

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