Die Zukunft beginnt

Im Sommer geht in Soest der erste Bus ohne Fahrer am Lenkrad auf Tour

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Futuristisch sehen die fahrerlosen E-Busse aus. Demnächst geht so ein Mobil in Soest auf Tour.

Soest – Die Zukunft klingt verheißungsvoll: Busse, die per Aufforderung übers Smartphone kommen, sogar in die entlegensten Winkel der Soester Dörfer. Natürlich klein und umweltfreundlich mit E-Motor. Und ohne Lenkrad und Fahrer, damit es nicht zu teuer wird.

Noch in diesem Jahr soll diese Zukunft in Soest beginnen: Auf einer ausgewählten Teststrecke rollt der Bus tatsächlich ohne Chauffeur und wie von Geisterhand gesteuert.

Gerade weil hier der Kreis Soest jede Menge Vorarbeit in Sachen digitaler Mobilität geleistet und bereits funktionstüchtige Apps fürs Smartphone ins Netz gestellt hat und parallel dazu die Stadt Soest sich gerade als digitale Modell-Kommune neuen Herausforderungen und Anwendungen stellt, hat jetzt der Bundesverkehrsminister einen Förderbescheid über 2,3 Millionen Euro hierher geschickt. Mit dem Geld sollen das Projekt „Ride 4 All“ (Reisen für Alle) vorangetrieben und eine Modellstrecke für autonomes Fahren eingerichtet werden.

Projektleiter Jörn Peters von der Kreisverwaltung, der in den vergangenen Jahren federführend die Digi-Angebote betreut hat, kann sogar schon den Routenverlauf benennen: Auf der Linie vom Bahnhof über Hansaplatz, Nöttenstraße, Hattroper Weg rollt der Testbus Richtung Ardey-Siedlung und von dort weiter stadtauswärts gen Westen bis nach Paradiese. 

Auf zwei Abschnitten – an der Blindenschule und vor dem Hansaplatz – fährt, lenkt, stoppt der Bus vollautomatisch, öffnet die Türen, lässt Fahrgäste ein- und aussteigen und setzt seine Tour fort. „Derzeit laufen die Gespräche mit den Aufsichtsbehörden und dem Ministerium für die Genehmigung“, erläutert Peters. Denn einen Bus oder ein Auto ohne Fahrer darf verständlicherweise hierzulande niemand so ohne weiteres auf die Straße bringen. 

Parallel dazu läuft gerade die Auswahl und Ausschreibung für den mit Elektronik, zig Sensoren und Kameras vollgestopften Elektro-Kleinbus, in den bis zu 15 Passagiere Platz finden. Wird der bis zum Sommer in Soest geliefert sein, bekommt er noch all die Software aufgespielt, die Peters und seine Leute hier in Sachen digitale Mobilität bereits entwickelt haben. Danach wird der Bus „angelernt“, im Spätsommer soll er tatsächlich auf Tour gehen. 

Ein Fahrer wird schon deshalb mit an Bord sein, weil die nicht-autonomen Teilstrecken natürlich per Hand gelenkt werden müssen. Auch wenn das alles erst einmal ein großer Test ist und noch viele Erfahrungen gesammelt werden müssen – Landrätin Eva Irrgang hat schon eine Vorstellung davon, wohin das mal führen soll: „Das autonome Fahren mit Kleinbussen ist eine große Chance für uns, städtische und ländliche Räume besser zu erschließen und für jedermann einfacher und zugänglich zu gestalten.“ 

Soests Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer ergänzt: „Gerade Menschen mit Mobilitäts- oder Sinneseinschränkungen, ältere Menschen und unsere jüngere Generation im ländlichen Bereich profitieren von dem Projekt. Es kann uns auch darüber hinaus dabei helfen, dass Nahverkehr klimaschonender funktioniert.“

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