„Fridays for future“-Ortsgruppe singt sich den Frust von der Seele:

Streikende Schüler feiern Geburtstag

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Eindeutige Botschaft: Die gut 100 Teilnehmer des „Fridays for future“-Streiks gingen mit Politik und Großkonzernen hart ins Gericht.

Soest – Es war eine Geburtstagsfeier mit Gesang, Tanz und viel Optimismus. Es war aber auch ein nachdenklicher Jahrestag mit schwacher Beteiligung, als die Soester „Fridays for future“-Ortsgruppe am Freitagvormittag zum Klimastreik aufgerufen hatte.

„Nur“ gut 100 Menschen fanden sich auf dem Soester Marktplatz ein. Wie schon bei den letzten Aktionen mischten sich unter die Schüler auch Ältere, denen die drohenden Klimakatastrophe nach eigenen Angaben alles andere als egal ist.

Zuerst gab es von Helen Osinski einen Rückblick auf „ein Jahr voller toller Aktionen“, wie etwa der Fahrraddemo rund um die Stadt oder der Tauschbörse an der Waldorfschule. Anschließend feierten die heimischen Klima-Aktivisten sich selbst: Lautstark sangen sie ein „Happy Birthday Fridays for future“ angesichts der Tatsache, dass am 25. Januar 2019 erstmals in Soest von Schülern fürs Klima gestreikt worden war.

„Etwas schade“ fand Sid Bullik die magere Beteiligung an diesem eiskalten Freitagmorgen. Doch angesichts der schlimmen Bilder aus Australien sei klar, dass auch die Soester Aktivisten weiter kämpften. „Der Klimastreik wird weitergehen. Wir werden hier stehen bleiben, bis der letzte hier in Soest für den Planeten einsteht“, so der 21-Jährige.

Klar: Dafür gab es reichlich Applaus aus der Runde. Eben die machte sich anschließend wieder auf den Weg: Mit Trillerpfeifen und Megafon, mit Plakaten und Gesang zogen die Demonstranten vom Marktplatz aus durch die Brüderstraße zum Bahnhof. „Hoch mit den Bäumen, runter mit der Kohle“ skandierten sie ebenso wie „Von der blauen Erde kommen wir, unser Klima stirbt genauso schnell wie wir“ oder „Leute, Ihr könnt mutig sein, reiht Euch in die Demo ein“. Letzteres allerdings tat kaum jemand. Stattdessen gab es viele stille Beobachter der Szenerie und manche abfällige Kommentare. „Die sollen lieber arbeiten gehen“, meinte ein Rentner, der nach eigenen Angaben mit 13 schon vor Schulbeginn stundenlang malocht habe.

Von solchen Zwischenrufen ließen sich die Demonstranten nicht beirren. Stattdessen sangen sie sich ihren Frust und ihre Wünsche von der Seele. „Das ,K’ in Soest steht für Klimaschutz“ stand auf einem großen Transparent. Dazu skandierten die Schüler: „Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut.“

Wenig wertschätzend gingen die Singenden mit den SUV oder mit RWE um: Die bekamen verbale Schläge unterhalb der Gürtelline. Ein Vorfall, der sicher nicht zum Dialog einlädt, vielmehr als Zeichen hilfloser Wut verstanden werden darf. Am Ende erreichte der Zug wieder den Marktplatz – und Madee Pande rechnete verbal mit der Bundesregierung und mit Siemens ab: Das Groko-Klimapäckchen sei wie eine Bremse beim Fahrradfahren, das Verhalten von Siemens beim Australien-Geschäft wie ein Unfall. Viel zu langsam reagierten Regierung und Großkonzerne auf die globalen Klimaherausforderungen, so die Kritik von Pande. 

Am Ende gab es dann aber doch noch so etwas wie Geburtstagsstimmung: ein selbst gebackener Kuchen bildete die Kulisse für einen selbst einstudierten Tanz, der Pate für einen wichtigen Wunsch der heimischen Bewegung steht. Dafür nämlich, dass alle Soester im gleichen Takt fürs Klima tanzen.

Globaler Klimastreik

Deutlich weniger Teilnehmer beim Geburtstags-Streik in Soest – das mag auch an der gleichzeitigen Demo vor dem geplanten Kohlekraftwerk „Datteln 4“ liegen, zu deren Teilnahme der BUND aufgerufen hatte. Der nächste globale Klimastreik wird am 24. April stattfinden. Nach Angaben der Soester „Fridays for future“-Gruppe wieder mit einem großen Event in Soest.

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