Für 300.000 Euro

Mehr Platz: Soests größte Kita setzt ganz auf Holz

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Jede Menge Holz. Kita-Leiterin Diana Gißel und Trägervereins-Vorsitzende Inga Schubert-Hartmann freuen sich über die ökologische Ausrichtung bei Talitha Kumi. Die Naturbänke hat der Künstler und Tischler Matthias Buchhardt gebaut, die kreisweit tätige Stiftung „Kinder der Gemeinde Möhnesee“ hat sie bezahlt, links im Bild ihr Vorsitzender Klaus Schubert.

Soest – Nicht nur die Stadt nimmt wegen steigender Kinderzahlen viel Geld in die Hand, um neue Tagesstätten zu bauen. Soests größte und obendrein vereinsgeführte Kita, Talitha Kumi an der Hamburger Straße, hat gerade für 300 000 Euro angebaut. 

Besonderheit hier: Nur noch Holz und andere Naturstoffe kommen zum Einsatz. 98 Mädchen und Jungen gehen täglich in die Talitha-Kumi-Kita neben der Johanneskirche. 

„Seit Jahren benötigen wir mehr Platz“, sagt Inga Schubert-Hartmann, die Vorsitzende des Trägervereins Evangelischer Kindergarten Soester Süden. Denn die Zahl der ganz jungen Besucher unter drei Jahren steigt. Und für die allerkleinsten Steppkes müssen einfach ein paar Schlafräume her, damit sie sich mittags aufs Ohr legen können. 

Komplett aus Holz – von der Trägerkonstruktion bis zu den Böden, Wänden und Decken – ist der vor ein paar Wochen fertiggestellte Anbau geschaffen worden. Gleichsam zur Belohnung und als I-Tüpfelchen hat die Kita jetzt von der Stiftung „Kinder der Gemeinde Möhnesee“ vier knorrige Holzbänke für Eingang und Garten geschenkt bekommen. Die hat der Künstler und Tischler Matthias Buchhardt eigens für Talitha Kumi gesägt und geschnitzt.

Aber auch im 22 Jahre alten „Alt“bau, der damals schon entgegen sonstigen Trends mit viel Holz hochgezogen worden ist, verschwindet nach und nach der letzte Kunststoff und wird durch Naturmaterial ersetzt. Etwa die alten Bodenbeläge. „Heute“, so Schubert-Hartmann, „ist Linoleum nachwachsenden Materialien der Standard.“ 

Blieben noch die heißen Sommer der vergangenen Jahre und die Suche nach schattigen Plätzchen im Freien. Statt wegen des abschüssigen Grundstücks den Raum unter dem Anbau einfach mit Steinen oder Erde zu verfüllen, hat der Verein hier offene Räume zum Spielen angelegt: Sommertags halbwegs kühl im Schatten, wintertags halbwegs warm wegen der zugebauten Umgebung. 

Aus seinen Rücklagen hat der Verein den finanziellen Kraftakt gestemmt, so die Vorsitzende. Als „armer Träger“ sei man deshalb dazu in der Lage gewesen, weil man keine Kosten etwa für die Verwaltung und das Backoffice-Geschäfte aufbringen müsse; Ehrenamtler erledigen dies. 

So außergewöhnlich das Engagement des Vereins für die Kita und die ökologische Bauweise ist, auch bei den jüngst von der Stadt gebauten Tagesstätten gewinnt die Ökologie zunehmend an Bedeutung, sagt Ingo Dietscheidt. Der Vorsitzende des Jugendausschusses verweist darauf, dass in den neuen Kitas am Schwarzen Weg und am Klinikum viel Holz zum Einsatz komme, auch wenn sich die Politik „nicht bis ins Kleinste“ mit Baustandards und Materialien befasse. 

Die beiden kommunalen Tagesstätten haben allerdings keine Holzkonstruktion, sondern sind auch Beton-Fertigteilen zusammengesetzt worden. „Darüber lässt sich streiten, ob das sinnvoll ist oder nicht“, sagt Tobias Trompeter, der Leiter der Zentralen Gebäudewirtschaft in Soest. Aber selbst Kalksandsteine erforderten ein hohes Maß an Energie, um sie zu brennen. „Das Ökologischste wäre, wenn wir gar nicht bauen.“ Das freilich sei nicht die Lösung.

Bei der Entscheidung für die Beton-Fertig-Konstruktion für die neuen Soester Kitas haben verschiedene Gründe eine Rolle gespielt, sagt  Trompeter: präzise Baukosten, verlässliche Planung und die Chance, mit einem einmal entwickelten Baukasten weitere Kitas bauen zu können, ohne erneut das Rad erfinden zu müssen. 

Beide Bauten sind nach neuesten Energie-Standards geplant worden. Hinter der massiven Schale freilich finden sich auch in diesen Kitas viel Holz und Naturmaterialien. Zum Beispiel Holzwolleplatten unter der Decke, die Wärme und Geräusche dämmen. Beide neuen Kitas erhalten Solaranlagen. Die entsprechenden Verträge mit den Stadtwerken sind geschlossen.

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