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Diamanten rocken den "Schlachthof"

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Von: Bettina Boronowsky

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405 Jahre rocken die „Schlachthof“-Bühne, wenn Donny and the Diamonds und John Holmes zusammen loslegen (von links): Meinolf Gösmann am Keyboard, Ralf Junker an der Gitarre, John Holmes am Saxofon, Willy Grundhöfer an den Drums (verdeckt), Sänger Donny Cromwell und Klaus Fischer am Bass. © Neuhaus

Soest - Donny and the Diamonds sind Soests Antwort auf die Rolling Stones – nicht mit der selben Musik und der selben Reichweite, aber im ähnlichen Durchschnittsalter, ähnlich aktiv und in ihren Kreisen mindestens genauso beliebt und gefeiert wie die Briten. Und um Steine geht’s ja auch bei beiden.

Voll war’s im „Schlachthof“, als die „Diamanten“ am Freitag zum Konzert eingeladen hatten. Gut 300 Leute hörten zu. Es wurde ein grandioser Abend, an den sich „Diamanten“ wie Fans noch lange erinnern werden. Die Bestuhlung im Saal fiel etwas großzügiger aus als bei früheren Auftritten von Donnys Mannen; aber das Publikum wird schließlich auch nicht jünger.

 Aber wie immer, wenn das Quintett spielt, war die Stimmung von Anfang an gut und wurde immer besser. Zumal sich nach einer guten Stunde John Holmes mit seinem Saxofon zu den fünf gesellte. Die Ankündigung des „special guest“ hatte skeptisch gemacht. Der „Jazzpapst“ und Rock, ob das gut geht? Es ging fantastisch. 

Als erstes Stück spielte John Holmes „Tequila“ mit – und überzeugte auf Anhieb. Kein Wunder, hat der heutige „Jazzpapst“ doch schon vor Jahrzehnten Rock’n’Roll gespielt – manchmal sogar zusammen mit Donny (Cromwell). „Wir kennen uns seit 1961, also fast 60 Jahre“, gestand Donny. Sieben neue Stücke hatten seine Diamanten eigens für den Gast eingeübt. Holmes aber spielte bei mindestens zehn mit, übernahm den Bläserpart, den üblicherweise Meinolf Gösmann mit dem Keyboard simuliert. Holmes habe die Sache gut gefallen, hieß es nachher: „Das können wir noch mal machen.“ 

Noch mal – das wünschte sich das Publikum und bekam ein bisschen Jugend zurück. Es war wie in alten Zeiten: Nebelschwaden umwaberten die Musiker, einige Unentwegte tanzten vorne, verrenkten sich bei „Twisting the night away“ und wankten in Trance bei „Whiter Shade of Pale“, und viele sangen Texte mit. Ein bisschen ruhiger ist es auf der Bühne geworden. 

„Soulman“ Donny springt nicht mehr wild vor dem Mikro hin und her, Willy Grundhöfer hinterm Schlagzeug übernimmt oft den Gesang. Doch auch als ältere Herren lassen die Jungs die Begeisterung und die Kraft spürbar werden, mit der sie ihre Musik machen. Und zum Späßchen sind sie auch jederzeit bereit: Kaum stand „Peter Gunn“ auf dem Programm, hatte Bassist Klaus Fischer auch schon Sonnenbrille und schwarzen Hut à la Blues Brother aufgesetzt und los ging’s mit den Diamonds und John Holmes. 

Den Höhepunkt erreichte der Abend beim Rocksong „Baker Street“ von Gerry Rafferty. Mit Saxofon klang das Stück fast fetziger und lebhafter als das Original und das Publikum tobte. „Wir hätten noch länger spielen können“, prahlten die Diamanten, beim Kneipen-Festival hatten sie sieben Stunden lang durchgehalten. Im „Schlachthof“ war aber um Mitternacht Schluss. Vier Stunden Musik – wo gibt’s das heute noch? Bei den Oldies kriegt man richtig was auf die Ohren fürs Geld.

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