Soester wünscht sich die alten Türme an den Wällen wieder herbei

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So sah es mal aus, so könnte es wieder aussehen: Turm an Turm in der Gräfte.

Soest – „Wenn’s nach mir ginge, würden ale Türme wieder aufgebaut.“ Mit diesem steilen Wunsch meldet sich der Soester Heribert Hanisch zu Wort. Er wundert sich, dass für die Wälle  20 Millionen Euro ausgegeben werden sollen, aber niemand auf die Idee kommt, das ursprüngliche Wall-Bild zu rekonstruieren.

Tatsächlich gehörten bis ins 19. Jahrhundert hinein zehn Stadttore und 25 Wehrtürme zum Soester Wall. Übrig geblieben sind heute das Osthofentor, der Kattenturm sowie ein paar Stümpfe, auf denen mal Wehrtürme standen. Auf dem legendären Kupferstich von Braun & Hogenberg aus dem Jahr 1588 lässt sich erkennen, wie damals die Stadtbefestigung aussah. 

Es war eine prachtvolle Armada an Wehrtürmen, die Feinden schon von weitem signalisierte: Jegliche Aggression ist aussichtslos. 

Genau dieses Bild hat auch Heribert Hanisch, Jahrgang 1950, inspiriert. Zeit seines Berufslebens hat der gebürtige Soester in Hamburg verbracht. Jetzt, nach seiner Rückkehr nach Soest, schaute er sich im Osthofentormuseum und bei den Archäologen um und las so ziemlich alles an Dokumenten, was über die Soester Wälle damals wie heute zu bekommen ist. 

„Aus heutiger Sicht ist es ein Glück, dass (immerhin) zwei Drittel der Wallanlage erhalten blieb“, sagt Hanisch. Er ist Realist genug, den wegen der Eisenbahn weggerissenen Wall zwischen Brüder- und Osthofentor endgültig abzuschreiben. Doch an den sechs vorhandenen Wallabschnitten könnten die Türme wiederhergestellt werden. Sie hatten vor dem Abriss stark dem Kattenturm geähnelt. An sechs Stellen finden sich sogar noch die ursprünglichen Sockel, vier davon allein im Abschnitt zwischen dem Ulricher- und dem Jakobitor. 

An weiteren neun Standorten, so hat Hanisch ermittelt und in einer Studie festgehalten, wäre ebenfalls ausreichend Platz für den neuzeitlichen Turmbau. „Würde die Wallanlage heute noch stehen (oder in großen Teilen wieder errichtet), wäre sie eine Touristenattraktion ersten Ranges“, ist sich der Soester sicher. 

Er hat eindrucksvolle Fotomontagen entworfen, die einen Eindruck davon vermitteln, wie es mit den Türmen mal ausgesehen hat – oder eines Tages wieder aussehen könnte. „Eine schöne Idee, wir schreiben Ihren Namen auf!“, haben sie Hanisch gesagt, als er seine Idee und die Entwürfe im Touristenbüro vorstellte. Doch gehört hat er danach nie wieder etwas und auch keine Antwort auf seinen Brief bekommen. 

Im Soester Geschichtsverein blickt man skeptisch auf den Vorschlag. „Die Idee ist begrüßenswert, doch so etwas macht man heute eigentlich nicht mehr“, sagt Vorsitzender Günter Kükenshöner. 

„Der Maßstab ist das Original“, jeglicher Nachbau sei nur eine Verklärung und auch nur ein punktueller Ausschnitt. Den Wall gebe es seit dem 11. Jahrhundert, damals ohne Türme und ohne Bäume – alles danach habe eben nur eine gewisse Epoche Bestand gehabt. Deshalb wäre es „ein hilfloser Versuch, Vergangenheit zu rekonstruieren“. Hanisch’ Arbeit aber auf Tafeln etwa in den Gräften zu dokumentieren und dem Publikum zu zeigen, wie es hier mal ausgesehen hat, wäre ein guter Ansatz.

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