Gut formen und gut zielen: Soester werfen Schneebälle

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Formen, zielen, werfen: Die Soester Schneehasen wollen in Gelsenkirchen ihre Gegner abwerfen.

Soest - Sie sind bereit, die Widersacher mit Bällen aus Schnee vom Platz zu fegen. Die Handschuhe sitzen, die Hasenohren ragen von den Helmen in den Himmel. Die Soester Schneehasen wollen bei der Schneeballschlacht-Weltmeisterschaft in Gelsenkirchen am Mittwoch den ein oder anderen Sieg davon tragen.

Seit einigen Jahren findet im Umfeld des Biathlon-Events auf Schalke auch diese selbsternannte Schneeballschlacht-WM statt. Für die Schneehasen wird es ihr dritter Wettbewerb: Sie sind Schneeballschlacht-Veteranen und wissen, worauf es ankommt. „Präzision ist das wichtigste“, verrät Sven Hamers. Er ist der Gründer und Captain der Schneehasen. 

Mit im Team sind sein Bruder Jan, seine Freundin Anna und seine Kumpel Peter und Sebastian. Sie sind Studenten, Azubis und Berufstätige, die sich einmal im Jahr zusammenfinden, um andere mit Bällen aus Schnee zu beschmeißen. Die Regeln einer Schneeballschlacht sind einfach: Ähnlich wie beim Völkerball stehen sich zwei Teams auf einem Spielfeld gegenüber. 

Die Grenze zwischen den Teams wird durch eine kleine Reihe Tannenbäume begrenzt, die ein wenig Deckung spenden. Drei Spieler pro Seite versuchen dann drei Minuten lang sich gegenseitig mit so vielen Schneebällen abzuwerfen wie möglich. Jeder Treffer gibt einen Punkt. Dabei ist es nicht erlaubt, schon vorher einen Vorrat anzulegen. Jeder Ball muss auf dem Feld erst geformt werden. Nach drei Minuten ist Halbzeit und es darf zwei mal gewechselt werden. 

Dann wird wieder drei Minuten geworfen. Schiedrichter am Spielfeldrand zählen jeden Treffer. „Das Ducken, Werfen und Ausweichen schlaucht ganz schön“, lacht Peter, der am Mittwoch sein zweites Turnier spielen wird. Eine Woche vor Turnierstart fand sich das Team zu einem Abschlusstraining zusammen. 

Da es in der Soester Börde in diesem Jahr schneemäßig eher mau aussieht, trafen sich die Schneeball-Schlachtler in der Soccerhalle. Mit Tennisbällen warfen sie auf Ziele, die sie aus Kisten und Kartons zusammensetzten. Alles erinnert ein wenig an das Büchsenwerfen auf der Kirmes. „Tennisbälle ähneln den Schneebällen im Umfang sehr, auch wenn sie etwas schwerer sind“, verrät Jan. 

Er war früher Tennisspieler. Sein damals entwickeltes Ballgefühl hilft ihm dabei präzise zu werfen. Doch viele der anderen Teams haben einen großen Vorteil. „Die meisten unserer Konkurrenten sind Handball- oder Rugbyteams und uns an reiner Wurfkraft überlegen“, sagt Sven. „Wenn die richtig treffen, kann man schonmal einen blauen Fleck davon tragen.“ Außerdem seien die Konkurrenten auch in Sachen Kondition häufig überlegen. Das Konkurrenzteam aus Soest, die „Soester Schnee Schlümpfe“, sind ebenfalls die meiste Zeit des Jahres ein Handballteam. 

„Wenn wir auf sie treffen, sind sie unsere sportlichen Rivalen“, sagt Sven. „Aber davor trinken wir gerne noch ein Bierchen auf die Freundschaft.“ Deswegen verlassen sich die Schneehasen auf ihre Schnelligkeit und gute Taktiken. „Ich habe mal Fußball als Torwart gespielt, bin also recht wendig. Jetzt muss ich mir nur noch angewöhnen, den Bällen auszuweichen, statt sie zu fangen“, lacht Peter. Denn auch Handtreffer geben Punkte für das gegnerische Team. 

„Am besten ist es, den größten und schwerfälligsten Mitspieler des Gegners auszumachen und das Feuer auf ihn zu konzentrieren“, sagt Teamcaptain Sven. „So macht man Punkte und nimmt einen Konkurrenten aus dem Spiel.“ Zur Ausrüstung der Sportler gehören Brille, Helm und Handschuhe. Letztere sind vorgeschrieben, damit durch die Körperwärme aus den Schneebällen keine Eisbälle werden können. Doch auch hier kann getrickst werden. 

„Ich werde in diesem Jahr versuchen, mit dünnen OP-Handschuhen aufzulaufen. Das verbessert die Wurffähigkeit“, sagt Peter. Auf Fäustlinge sollte man lieber verzichten... Bislang konnten die Schneehasen bereits ein Spiel gewinnen. In diesem Jahr träumen die Sportler auch von dem Einzug in die Endrunde. Die Gruppenphase wird in acht Gruppen zu je vier Mannschaften gespielt. Danach folgen Achtel-, Viertel-, Halbfinale und schließlich das Finale. 

Halbfinale und Finale werden vor großem Publikum in der Veltins-Arena ausgetragen – für die bekennenden Schalke-Fans Sven und Jan ein Traum. Doch allzu ernst nehmen die Hasen das ganze Spektakel dann doch nicht. Trotz aller sportlichen Anstrengung steht der Spaß am Ende immer noch im Vordergrund. Deswegen gibt es zum Abschluss eine große Feier und man gibt sich die Hand – ohne Handschuhe... 

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