Beschwerden mehren sich

Soester Wettbüros haben auch im Lockdown geöffnet

sportwetten stiefernberg soest
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Während die Nachbarn im Lockdown sind, geht es im Wettbüro am Stiefernberg einfach weiter.

Im Soester Ordnungsamt häufen sich die Beschwerden über den fortlaufenden Betrieb in den Wettbüros. Der Gesetzgeber hat sie tatsächlich vom Lockdown ausgenommen und ihnen die weitere Öffnung mit Einschränkungen gestattet.

Soest – Detlef Märte, der Chef des Soester Ordnungsamts, hat hörbar Mühe, den Weiterbetrieb in den Wettbüros zu erklären. Seine erste spontane Antwort dazu möchte er dann doch lieber nicht in der Zeitung lesen. Nur so viel: „Ich frage mich auch, was das soll?“

Mit dieser Unwissenheit befindet sich Märte in großer Gesellschaft. „Keiner versteht das“, schildert ein Anzeiger-Leser am Telefon, „ich habe im ganzen Bekanntenkreis niemanden gefunden, der dafür Verständnis oder auch nur eine Erklärung hat.“ Ihm falle es schon schwer nachzuvollziehen, warum Handyläden nicht vom Lockdown betroffen sind. Bei den Wettbüros aber fehlen ihm die Worte.

Wenig nachvollziehbar

Im Kern drehen sich sämtliche Corona-Auflagen darum, Kontakte zu vermeiden und deshalb nur Supermärkte, Tankstellen, Getränkemärkte, Sparkassen und Kioske zu gestatten, den „täglichen Bedarf“ zu decken. Auf ein Pferd oder eine Fußball-Mannschaft zu setzen in der Hoffnung, damit ein paar Euro zu gewinnen, dürften die meisten eher nicht zu einem solchen „täglichen Bedarf“ zählen.

Die Sache mag zwar wenig nachvollziehbar sein, aber sie geht rechtlich in Ordnung, heißt es aus der Stadtverwaltung. Dort verweist man auf Paragraf 10 der Corona-Schutzverordnung für Nordrhein-Westfalen. In dem Abschnitt geht es um Freizeit- und Vergnügungsstätten. Zunächst wird aufgelistet, was alles nicht geht und verboten ist: Schwimm- und Spaßbäder, Saunen, Sonnenstudios, Freizeitparks, Indoor-Spielplätze, Spielhallen, Spielbanken, Clubs, Diskos. Und dann: „In Wettannahmestellen, Wettbüros und so weiter ist nur die Entgegennahme der Spielscheine, Wetten und so weiter gestattet.“

Allerdings dürfen die Besucher und Spieler nur ihren Wettschein dort abgeben und müssen danach sofort wieder gehen. Sollten an den Wänden Spielautomaten hängen oder Flippertische stehen, müssten die Kunden den Auflagen zufolge einen Bogen drum schlagen.

Einer auf 10 Quadratmeter

Erst einmal auf das Thema gestoßen, so schildert unser Leser, habe er inzwischen mehrfach an den Wettbüros in der Innenstadt vorbeigeschaut und stets vier, fünf Leute dort in den Lokalen gesehen.

Das wäre noch so eben in Ordnung, sagt Ordnungsamt-Leiter Märte. Pro zehn Quadratmeter dürfe sich eine Person in den Wettstuben aufhalten. Bei 60 Quadratmetern, die das eine Lokal misst, wären fünf Zocker also gerade noch zulässig.

Märte hat jedes Mal, wenn eine neue Beschwerde gekommen ist, seine Außendienstler zu Kontrollen in den Soester Wettbüros losgeschickt. Kein einziges Mal seien Verstöße festgestellt worden. „Es lief immer regelkonform ab.“

Doch auch nach den vielen Beschwerden und Kontrollen ist der Ordnungsamt-Chef noch immer nicht dahintergekommen, warum den Wettbüros dieses Privileg gewährt wird. „Vieles ist logisch zu erklären, manches auch zwischen Himmel und Hölle, doch den Ansatzpunkt für diesen Paragrafen habe ich für mich noch nicht ganz gefunden.“ 

Vorbild Lotto

Der Anzeiger hat deshalb bei Heinrich Frieling nachgehakt. Der Jurist ist für den Kreis Soest Landtagsabgeordneter der CDU in Düsseldorf und hat sich im zuständigen Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales erkundigt. Dort erfuhr er: Der Betrieb in den Wettbüros sei auf ein „absolutes Minimum reduziert“. Man stütze sich bei dieser Ausnahme auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts NRW. Die Schließung der Wettbüros beim ersten Shutdown im vergangenen Jahr sei den Richtern „zu weit“ gegangen. Schließlich dürften ja auch Lottoannahmestellen geöffnet bleiben, letztlich passiere mit dem Annehmen der Wettscheine in den Wettbüros nichts anderes als beim Annehmen der Lottoscheine.

So ganz schlüssig ist der Vergleich freilich nicht: Die Lotto-Toto-Annahmestellen bleiben von einer Schließung auch deshalb verschont, weil sie Zeitungen und Zeitschriften verkaufen, also Artikel des täglichen Bedarfs.

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