Soester Wall gerade erst frisch saniert - schon kippt wieder ein Baum um 

+
"Sabine" hat diese Linde auf dem frisch sanierten Wall am Brunowall flach gelegt.

Soest – Die entwurzelte Linde liegt noch immer auf dem Wall. Und das ausgerechnet auf dem Teilstück zwischen Grandweger- und Ulrichertor, das erst 2019  mit Millionenaufwand saniert worden ist. War die Stadt womöglich doch aus Angst vor protestierenden Baumschützern zu zimperlich?

Sturm „Sabine“, der vor zwei Wochen über Soest fegte, war eher ein Stürmchen; die Schäden haben sich hierzulande in Grenzen gehalten. Und trotzdem hat der Luftzug gereicht, eine alte Linde aus der Verankerung zu reißen. 

Dabei hat es im Vorfeld der Wall-Sanierung reihenweise Debatten um die alten Bäume auf dem Wall gegeben: Welche sind selbst nach 20 Jahren Wuchs noch immer so mickrig, dass sich eigentlich ein Austausch anbietet? Und welche Bäume sind so ramponiert und vorgeschädigt, dass sie beim nächstbesten Orkan umgepustet werden? 

Die Politik entschied sich am Ende für die zurückhaltende Variante – obwohl selbst die Fachleute vom Wall-Beirat den Stadtrat zu mehr Mut aufforderten. Ihr Credo: Wenn schon mit beträchtlichem Aufwand der Wall auf Vordermann gebracht wird, sollte die Stadt die Gelegenheit nutzen, möglichst viele vitale Bäume neu zu pflanzen, damit auch die nächste und übernächste Generation viel Freude am Wall hat. 

Anzeiger-Leser wie Helga Wilmes, denen der umgestürzte Baum auf dem Wall den Weg versperrt, hätten es lieber gesehen, die Stadt wäre offensiver ans Werk gegangen und hätte mehr wackelige Bäume entfernt anstatt jetzt den neu hergerichteten Weg wieder aufreißen zu müssen. „Militante“ Baumschützer, so vermutet Wilmes, hätten sich offenbar durchgesetzt, um jeden Preis jeden alten Baum erhalten zu wollen. 

Rathaus-Sprecher Thorsten Bottin widerspricht der Einschätzung, die Stadt sei zu zimperlich ans Werk gegangen. Die Wuzeln des Baums, den „Sabine“ in die Knie gezwungen hat, seien von Pilzen befallen gewesen. Das sei bei den Untersuchungen vor der Wall-Sanierung nicht festgestellt worden, weil es äußerlich auch nicht zu erkennen gewesen sei. Deswegen habe diese Liste auch auf keiner Liste potenziell zu fällender Bäume gestanden. 

In den kommenden Tagen wollen die Stadtgärtner den Flachmann nun kleinsägen und wegschaffen. Und sie werden schnell eine neue Winterlinde pflanzen – aus dem Kontingent jener kräftiger, junger Bäume, die für den Umbau des nächsten Wallabschnitts Richtung Jakobitor bereits bestellt worden sind. Bottin: „Wir hatten ohnehin ein paar Bäume mehr bestellt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare