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Soester Vorgärten sollen blühen

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Von: Jürgen Vogt

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Keine Lust zurück zu blicken: Umweltberaterin Maria Kroll-Fiedler, Stadtentwickler Olaf Steinbicker und Peter Bettenbrock vom Bauamt wünschen sich blühende Vorgärten anstatt schön drapierter Steinwüsten
Keine Lust zurück zu blicken: Umweltberaterin Maria Kroll-Fiedler, Stadtentwickler Olaf Steinbicker und Peter Bettenbrock vom Bauamt wünschen sich blühende Vorgärten anstatt schön drapierter Steinwüsten © Dahm

Wer in Soester Vorgärten sieht, der hat es vielerorts mit ganz vielen Steinen zu tun. Neben den klassischen Gärten mit Hecken, Rasen, Bäumen und Blühpflanzen erfreuen sich die Steingärten nämlich nach wie vor großer Beliebtheit. Das soll sich nun ändern: Die Stadt appelliert an alle Hausbesitzer – und will eine Welle der Begeisterung für blühende Vorgärten entfachen.

Soest - „Wenn wir die Themen Starkregen und Überhitzung ansehen, dann spielen die Steingärten in Soest eine wichtige Rolle“, sagt Olaf Steinbicker als Abteilungsleiter Stadtentwicklung und Bauordnung der Stadt Soest. Denn wo bei Starkregen das Wasser nicht versickern könne, drohten Überschwemmungen; und wo kein grüner Bewuchs der Wärme Einhalt gebiete, drohe Überhitzung. Maria Kroll-Fiedler als Umweltberaterin der Stadt hat noch mehr Argumente für blühende Vorgärten: „Wo es viele heimische Blühpflanzen gibt, können wir dem dramatischen Insektensterben entgegen wirken. Was die Stadt bereits mit Blühstreifen und der Aussaat von Wildblumen umgesetzt hat, das können die Hausbesitzer auch in ihren Gärten.“

Tipps und Tricks

Im Internet gibt es unter dem Stichwort „Insektenparadies“ auf der Seite www.soest.de ganz unten Links, die zu Informationen und Tipps zur Gartengestaltung führen. Den Flyer und weitere Infos zum Thema gibt es bei Maria Kroll-Fiedler unter Tel. 02921/1033333 oder per Mail an m.kroll@soest.de.

Zwar gibt es in der auch in Soest gültigen Landesbauverordnung die Vorgabe, Vorgärten wasseraufnahmefähig zu belassen und zu bepflanzen. Weil die Grenzen zwischen Stein, Schotter, Gittersteinen und tatsächlicher Bepflanzung aber fließend sind, will die Stadt lieber „beraten und begeistern“ als „die Rolle einer Vorgartenpolizei“ einzunehmen.

„Wir drängeln jetzt ein bisschen, aber ganz behutsam“, gibt Olaf Steinbicker die Richtung vor. Dieses Drängeln hat einen guten Grund: Weil der Bestand an Insekten in den vergangenen Jahren um bis zu 75 Prozent eingebrochen ist, drohen fatale Folgen fürs ökologische Gleichgewicht. „Die Bedrohung der Lebensvielfalt auf dem Planeten ist neben dem globalen Kimawandel eine der größten Umweltkrisen, der sich die Menschheit stellen muss. Dem Artensterben entschlossen entgegen zu treten erfordert Zusammenarbeit und gemeinsame Anstrengung von uns allen“, so der Stadtentwickler.

Broschüre „Grün statt Grau“

Ganz offensiv geht die Stadt nun auf die Bauherren in Neubaugebieten zu, will beraten und bei der Gestaltung helfen. So gibt es bei Maria Kroll-Fiedler die Broschüre „Grün statt Grau“, in der es Tipps zur Gestaltung ebenso gibt wie die Argumente für ein verbesserter Mikroklima. Zudem räumt Kroll-Fiedler auf mit der Einschätzung, dass Steingärten pflegeleichter seien: „Das stimmt nur in den ersten Jahren. Danach siedeln sich Unkraut, Algen, Flechten und Moose auf den Steinen an. Dann wird die Pflege deutlich aufwendiger als ein mit Stauden besetztes Beet zu säubern.“

Im kommenden Jahr soll es neben dem Flyer im neuen Baugebiet im Soester Norden zudem gleich neben dem Kindergarten einen Mustergarten geben. „Da zeigen wir, wie man mit wenig Aufwand einen Garten gestalten kann.“

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