Soester Verkehrswende: Die einen setzen auf Gründlichkeit, die anderen auf Tempo

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Im Kern einig: Die Soester Politik will mehr Verkehrsteilnehmern das Fahrradfahren schmackhaft machen.

Soest – Mehr Tempo-30-Straßen, günstige Bustickets, höhere Parkgebühren, eine neue Aufteilung der Straßen zugunsten der Radfahrer – die Liste der Vorschläge von Soester Ratsmitgliedern für eine „Verkehrswende“ ist lang. Doch trotz der gerade laufenden Haushalts-Beratungen: Entschieden ist nichts.

Im neuen Jahr soll erst einmal eine Machbarkeitsstudie her. Das hat jetzt der Stadtentwicklungsausschuss festgelegt.

Einmal mehr streiten die Parteien in Soest, ob Gründlichkeit vor Schnelligkeit oder umgekehrt gelten soll. Dabei sitzt ihnen womöglich noch der heiße Atem der 250 Demonstranten aus der Vorwoche im Nacken. „So geht’s nicht weiter!“, skandierten die Teilnehmer des „Klima-Streiks“. Was bislang national oder lokal in Sachen Klimaschutz veranstaltet werde, sei „zu wenig, zu langsam, zu unsozial“. 

Die unterschiedlichen Positionen spiegeln sich im Stimm-Ergebnis. Elf Mitglieder im Stadtentwicklungsausschuss wollen, dass die von SPD, Grünen und SO-Partei verfassten Vorschläge für die „Verkehrswende“ in Soestbei einem internen Workshop und mit Beratung externer Experten Anfang 2020 in ein Gesamtkonzept münden. Vier Politiker – vornehmlich die Antragsteller – drängen auf zügige Beratung und schnelle Resultate. 

„Wir wollen das nicht länger auf die lange Bank schieben“, sagt Benno Wollny (SPD). Die Forderung etwa nach einem Vorziehen der CO2-Neutralität für Soest um fünf Jahre dulde keinen Aufschub. „Es muss etwas Effektives herauskommen, also kein Schaulaufen oder Aktionismus“, hält CDU-Fraktionschef Rolf Meiberg dagegen. Er würde sich gern von Dritten beraten lassen, was eine Kommune wie Soest überhaupt konkret leisten kann, um den Bus- und Radverkehr zu stärken. Es sei keineswegs so, dass etwas aufgeschoben werde, vieles laufe jetzt schon „im Hintergrund“. 

Damit der Gesprächsfaden zwischen den unterschiedlichsten Playern – von den Fridays-for-Future-Schülern über die Politik bis hin zu den Akteuren in der Verwaltung und den Nahverkehrsanbietern nicht abreißt oder womöglich sich die Demonstranten aus Sorge vor „Verarschung“ (der Begriff fiel tatsächlich auf der Demo am Freitag) radikalisieren, hat die Stadt ihr Klimanetz Soest geknüpft. In ihm sollen sich nach Möglichkeit alle wiederfinden, denen an einer „Verkehrswende“ gelegen ist. 

Noch halten die Maschen dieses Netzes. Zu Beginn des neuen Jahres konkrete Veränderungen zu liefern, wäre noch aus einem weiteren Grund nötig: Spätestens im Frühsommer beginnt der Wahlkampf für die Rathauswahl. Erfahrungsgemäß werden dann die Argumente nicht besser.

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