Alptraum-Urlaub

Soester Urlauber sitzen seit drei Monaten in Malaga fest - Schon drei Rückflugtermine geplatzt

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Solveig Grewe auf dem Balkon ihrer Ferienwohnung.

Endlich wieder Urlaub in Spanien machen zu können. Danach sehnen sich zurzeit viele. Genau das Gegenteil wünschen sich die beiden Soester Solveig und Thomas Grewe. Sie wollen „nichts wie weg“.

Seit knapp drei Monaten sitzen sie in ihrer Ferienwohnung in Malaga fest und durften das Haus wochenlang nur für den Weg zum nächsten Lebensmittelladen verlassen. Jetzt scheint ein Ende ihres überlangen Spanien-“Urlaubs“ in Sicht: Sie hoffen, nach etlichen Fehlschlägen Ende Mai demnächst über Madrid in die Heimat fliegen zu können. Bettina Boronowsky sprach mit Solveig Grewe über ihre Erfahrungen.

Wie geht es Ihnen jetzt? 
Eigentlich ganz gut. Wir dürfen uns seit gestern wieder frei in der Stadt bewegen, wie lange wir wollen, wohin und wie weit. Das war sechs Wochen untersagt und seit dem 3. Mai nur stundenweise und im Radius von einem Kilometer um den Wohnsitz erlaubt. Alles streng und durchgehend von der Polizei kontrolliert. 

Was haben Sie bloß die ganze Zeit über gemacht?
 Da ich meinen Laptop dabei habe, konnte ich von hier aus arbeiten. Jeden Tag habe ich die legale Möglichkeit des Einkaufens von Lebensmitteln genutzt, allerdings nicht ganz korrekt im weit entfernten Supermarkt, um mich möglichst viel zu bewegen. Aus den Zutaten haben wir in der Küche experimentiert und „Corona-Survival“-Gerichte gekocht. Zudem sind wir durch die Wohnung gewandert, um so und mit etwas Gymnastik nicht völlig einzurosten. Und ich habe wieder angefangen zu malen und endlich mal Bücher auch zu Ende gelesen. 

Wie kam es dazu, dass Sie unfreiwillig in Spanien bleiben mussten?
Wir sind am 1. März nach Malaga geflogen und wollten am 19. März zurück. Dann kam der spanische Lockdown dazwischen, der unter anderem bis heute den Flugverkehr zwischen Malaga und Deutschland zum Erliegen gebracht hat. Wir haben völlig unterschätzt, wie lange und rigoros diese Maßnahmen hier ausfallen würden. Unsere Vorstellung war, dass drei Wochen reichen würden, die Lage hier in den Griff zu bekommen. 

Was ist nach Ihrer Erfahrung das Wichtigste, was man während einer solchen Zeit braucht?
Den Elan nicht zu verlieren, der einen durch die Tage bringt, die sechs Wochen lang wie der davor und danach abliefen. Die räumliche Enge nicht zu einer Gefangenschaft im Kopf werden zu lassen. 

Haben Sie auch positive Erfahrung dank dieser zwei Monate gemacht? Und falls ja, welche?
Man lebt bewusster, versucht, gesund zu leben und lernt es, den Wert persönlicher Freiheit – konkret: einfache Bewegungsfreiheit in einer Stadt – neu zu entdecken. Aus deutscher Sicht haben wir bewundert, wie konsequent und einsichtig die Menschen hier sich in ihre „Gefangenschaft“, so die spanische Bezeichnung dieser totalen Quarantäne, gefügt haben. 

Was waren die schlimmsten Erfahrungen?
Nun, die Bilder, als das Militär in der ersten Phase auftauchte, um die Polizei zu verstärken und die zentralen Plätze und Gebäude wie den Bahnhof, das Passagierterminal im Hafen und den Flughafen zu sichern und zu desinfizieren, die lösten schon Beklemmung auf. Später waren es dann die Fluglinien. Wir haben drei bestätigte Rückflüge für unterschiedliche Tage im Mai gehabt, die alle nach der Buchung und Bezahlung dann doch wieder annulliert wurden. Da wurde schon ein übles Spiel getrieben und falsche Hoffnungen geweckt. 

Was werden Sie zuerst tun, wenn Sie nach Hause kommen?
Unsere Töchter in die Arme schließen und mit unserem Hund im grünen Stadtpark von Soest spazieren gehen. Den haben wir mit Knospen zurückgelassen.

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