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Soester Firma BOGA kämpft mit Nebelmaschinen gegen Coronaviren

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Von: Achim Kienbaum

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Männer mit Durchblick: Lars Vorneder, Uwe Karmrodt und die beiden Geschäftsführer Joscha und Gregor Dahlhoff haben mit dem „raX“ ein Gerät im Angebot, dass Oberflächen mit Hilfe einer Wasserstoffperoxid-Lösung so desinfizieren kann, dass sie anschließend keimfrei sind.
Männer mit Durchblick: Lars Vorneder, Uwe Karmrodt und die beiden Geschäftsführer Joscha und Gregor Dahlhoff haben mit dem „raX“ ein Gerät im Angebot, dass Oberflächen mit Hilfe einer Wasserstoffperoxid-Lösung so desinfizieren kann, dass sie anschließend keimfrei sind. © Peter Dahm

Hellsehen kann Gregor Dahlhoff nicht: Als der Chef der BOGA GmbH im Soester Norden vor rund drei Jahren eine Maschine entwickelte, die große Räume desinfizieren kann, ohne dass eine Menge helfende Hände tätig werden müssen, war von Corona noch keine Rede. Jetzt bestimmt die Pandemie weite Teile des Lebens – und das Gerät aus Soest ist plötzlich eine mögliche Lösung für ein ganz neues Problem.

Soest - Wenn der Durchblick so langsam verloren geht, dann sehen Dahlhoff und Uwe Karmrodt, staatlich geprüfter Desinfektor bei BOGA, immer klarer: Die beiden sind Spezialisten für Vernebelungstechnik. Dahlhoff gründete bereits in den 90er Jahren sein eigenes Unternehmen an der Werkstraße und baute und verkaufte von dort aus Geräte, die, einfach gesagt, mit Hilfe von „kaltem“ Ultraschall Luft und in der Folge Oberflächen befeuchten.

Damit werden, zum Beispiel in Supermärkten Frischewaren wie Obst und Gemüse frisch und appetitlich gehalten. Aber BOGA-Technik steckt auch im Motorenprüfstand eines namhaften deutschen Automobilherstellers, in der australischen Nationalgalerie, in Klimakammern in der Pharmaindustrie und an vielen anderen Stellen, wo „konditionierte Luftfeuchte“ benötigt wird.

Wasser plus Desinfektionsmittel

Vor rund drei Jahren aber wurde dieses ohnehin schon breite Einsatzspektrum erweitert: Statt reinen Wassers, so die Idee, könnte der Nebel ja auch aus einer Lösung von Wasser und einem Desinfektionsmittel bestehen. Mit dieser Lösung könnten große Flächen desinfiziert werden – und zwar so, dass ihre Keimfreiheit anschließend höchsten Anforderungen genügt, nachweislich und immer.

Und anschließend, wenn die Luft wieder klar ist, muss nicht einmal hinterher gewischt werden, weil das verwendete Mittel, Wasserstoffperoxid, zwar während der Vernebelung nicht unschädlich für Menschen ist, anschließend aber wieder in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerfällt.

Im Staatstheater Augsburg wurde die Wirkung des „raX“ „unter Realbedingungen getestet.
Im Staatstheater Augsburg wurde die Wirkung des „raX“ „unter Realbedingungen getestet. © Burde

Und so wurde „raX“ geboren, kompakt, mobil einsetzbar und das erste „aerogene Desinfektionssystem“, das die EU-weite Norm EN17272 in seinem Einsatzbereich erfüllt – Made in Soest. Im Klartext heißt das: Das Desinfektionsprodukt verteilt sich absolut gleichmäßig im Raum und auf den Oberflächen in diesem Raum und sorgt so für eine gründliche und nachweisbare Entfernung aller relevanten Krankheitskeime.

Mit Joscha Dahlhoff war an der Entwicklung des „raX“ bereits die nächste Dahlhoff-Generation federführend beteiligt. Der Sohn des Firmengründers stieg vor fünf Jahren nach dem Abschluss seines Studiums an der RWTH Aachen in die Geschäftsführung von BOGA ein.

Neue Kunden werden hellhörig

Was zunächst vor allem für Anwender wie Sanitätshäuser und Kliniken interessant war, die medizinische Hilfsmittel, Patientenbetten, ganze Operationssäle oder gar Stationen nach der Benutzung wieder garantiert keimfrei bekommen müssen, ließ mit der Verbreitung von Corona noch ganz andere potenzielle Kunden hellhörig werden.

Mit staatlich verordneten Hygienekonzepten, überall dort, wo Menschen sich im öffentlichen Raum treffen, machen sich nämlich auch Einrichtungen wie Kinos, Theater oder Museen intensiv Gedanken darüber, wie sie ihren Besuchern Räume garantieren können, in denen sie sich nicht an verunreinigten Oberflächen mit dem Coronavirus anstecken können. Dazu zählt unter anderem das Staatstheater Augsburg: „Im vergangenen Juli haben wir dort einen Test durchgeführt, ob unsere Geräte auch derart große Säle desinfizieren können“, erklärt Karmrodt. Das Ergebnis: Sie können – mit vereinten Kräften.

Komponenten aus der Region

Für die Geschäftsführung der BOGA ist damit klar, dass ihr System Anforderungen erfüllt, die nicht mehr nur von medizinischen Einrichtungen, sondern auch weit darüber hinaus erfüllt werden müssen – entsprechend groß dürfte die Nachfrage danach werden.

Auch darauf ist man in dem Unternehmen im Soester Norden vorbereitet: Dort wird der „raX“ bereits in großen Stückzahlen zusammengebaut – mit Komponenten, die in der Region hergestellt und dann an der Werkstraße montiert werden.

So funktioniert die „aerogene Desinfektion“

Dass ein „raX“ Räume von bis zu 150 Kubikmeter sicher, also wie es die EU-Norm EN17272 verlangt, desinfizieren kann, wussten die Entwickler bei BOGA bereits. Im Juli testeten sie das System auch unter Realbedingungen in einem deutlich größeren Raum im Staatstheater Augsburg. Dort wurden mehrere Geräte zur „aerogenen Desinfektion“ eingesetzt – mit durchschlagendem Erfolg: Nach einer zweistündigen Vernebelung waren keine medizinisch relevanten Keime mehr nachweisbar. „Die Ergebnisse des Tests und die Prüfung nach EN17272 beweisen, dass man mit diesem Verfahren nachweislich auch Corona- und sogar Noroviren beseitigen kann“, urteilte Matthias Klar anschließend. Er ist Hygieniker und Mitglied eines unabhängigen Kompetenzteams, das BOGA unterstützt und zu dem auch ein Toxikologe und ein Mikrobiologe gehören.

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