Benno Wollny im Interview:

Vorsitzender will mehr Kompetenzen beim Klima

Benno Wollny, Vorsitzender des Soester Umweltausschusses.

Soest - Benno Wollny ist Vorsitzender der Soester SPD-Ratsfraktion und Vorsitzender des Umweltausschusses. Ein mächtiger Mann also? Angesichts der eingeübten Oppositionsrolle seiner Partei und der nur beratenden Funktion des Ausschusses kann diese Frage nicht mit einem uneingeschränkten „Ja“ beantwortet werden. 

Anzeiger-Redakteur Jürgen Vogt sprach mit ihm über die neu entbrannte Klimadebatte – und Benno Wollny äußerte klare Vorstellungen: Der Mann wünscht sich für seinen Umweltausschuss mehr Einfluss, mehr Dialog und für den Klimaschutz einschneidende Maßnahmen.

In vielen Städten NRWs fordern „Friday for future“-Gruppen die Verwaltungen auf, den Klimanotstand auszurufen. Wäre das nicht auch ein Szenario für Soest? 

Vielleicht. Wenn wir einen anderen Begriff finden als Klimanotstand. Etwas, dass umgangssprachlicher ist. Ich würde mich zum Beispiel freuen, wenn Soest eine Stadt mit „intensivem Klimabewusstsein“ würde. 

Steingärten in Soest? Die müssten nach den Vorstellungen von Benno Wollny künftig tabu sein.

Sie sind Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Klimaschutz. Der hat eine beratende Funktion. Ist das angesichts weltweiter Klimaproteste noch zeitgemäß? 

Das ist natürlich nicht zeitgemäß. Aber es ist auch richtig zu erwähnen, dass es hier überhaupt noch einen Umweltausschuss gibt während viele anderen Städte und Gemeinden ihn längst abgeschafft haben. Er ist eine Einrichtung, die unbedingt reaktiviert werden muss. In Soest sind wir für „Umwelt, Natur und Klima“ zuständig, da bin ich dankbar, dass der Begriff „Klima“ auftaucht. Das Problem ist, dass wir als beratendes Gremium nur sehr geringe Entscheidungskompetenzen haben, daran mangelt es. 

Was wäre Ihr Wunsch?

Eine klare, deutliche Zuständigkeit in allen Umweltfragen, die dann eben nicht im Bauausschuss landen oder sonstwo. Mein Wunsch: Kein Beratungs-, sondern ein klares Entscheidungsrecht in allen Umwelt-, Natur- und eben auch Klimafragen. 

Können Sie ein Beispiel nennen? 

Ich hätte mir ein Vetorecht vorstellen können beim weiteren Zubau der Frischluftschneise am Wiesengraben. Da hätten wir die ansatzweise Bebauung, die in diese Schneise hineinragt, verhindern können. 

Ihr Ausschuss kümmert sich ums Klima in Soest. Was heißt das konkret? 

Wir achten zum Beispiel darauf, dass das von der Stadt in Auftrag gegebene Klimaanpassungskonzept umgesetzt wird. Das bezieht sich auf Starkregen und Hitze. Da gibt es viel zu tun. Bei der Hitze etwa müssen die Auswirkungen der Erwärmung durch viel mehr Grün gemildert werden: Durch grüne Wände an Fassaden, Grüninseln im Stadtbild und auch Wasserinseln, die das Klima erträglicher machen. 

Zur nächsten Sitzung haben Sie die Teilnehmer des Soester Klimatreffs und die Schüler der „Fridays for future“-Bewegung eingeladen. Warum? 

Weil ich es für verantwortungsvoll halte, dass die örtliche Politik mit weit offenen Armen zugeht auf solche Aktivisten, sie empfängt und ihnen ein Forum bietet, um ihre Positionen darzustellen. Mir ist es aber auch wichtig, die Aktivitäten zu zeigen, die die Stadt bereits eingeleitet hat. Schließlich sollten wir ausloten, wie solche Gruppen die Arbeiten in der Stadt beschleunigen können – oder uns ganz neue Ansätze für unsere Arbeit liefern. Im Übrigen wünsche ich mir, dass viele Menschen, die sich für die Klimaproblematik interessieren, zu dieser öffentlichen Sitzung kommen. 

Welche Anstrengungen sind aus Ihrer Sicht unerlässlich, um ein erträgliches Klima in Soest beizubehalten? 

Wir brauchen massiv mehr Grün und mehr Wasser. Dazu gehört das große Baumpflanzprogramm. Das darf ruhig das doppelte Volumen haben, um zu zeigen, wie intensiv wir handeln müssen. Wir brauchen eine Vergrößerung des Stadtparks und des Bürgerwaldes, Baum- und Obstbaumalleen und insbesondere in allen privaten Gärten Grün statt Stein. 

Was ist aus Ihrer Sicht zu tun, um das weltweite Klima erträglich zu gestalten? 

Da ist mindestens eine massive Besteuerung von CO2 sofort fällig.

Nächste Sitzung 

Donnerstag, 16. Mai, 17 Uhr, Rathaus 2: öffentliche Sitzung des Umweltausschusses der Stadt Soest; Eingeladen zum Meinungsaustausch sind die heimische „Fridays for future“-Gruppe, der Meeresbiologe Engelhardt, Mitglieder des Klimatreffs Soest und alle Interessierten.

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