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Hightech für den halben Liter: Soester Studenten entwickeln den „Beer Mate“

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Von: Achim Kienbaum

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Beim Videodreh in der „Zwiebel“ saßen die Test-Trinker mit dem „Beer Mate“ schon einmal nicht auf dem Trockenen.
Beim Videodreh in der „Zwiebel“ saßen die Test-Trinker mit dem „Beer Mate“ schon einmal nicht auf dem Trockenen. © Julian Franzen

Wie und wo genau die Idee zum „Beer Mate“ geboren wurde, darum mögen sich dereinst Legenden ranken. Klar ist aber, dass Professoren der Fachhochschule Südwestfalen in Soest irgendwann aus einem eher skurrilen Impuls ein hochoffizielles und seriöses interdisziplinäres Projekt für Studenten gleich mehrerer Studiengänge machten. Das Ergebnis sind zwei Prototypen des „Beer Mate“, ein „intelligenter Bierdeckel“, der viel mehr kann als die herkömmlichen Pappkameraden.

Soest – Wer fürs Leben lernen will, der kann natürlich um die weite Welt der Gastronomie keinen intellektuellen Bogen schlagen – da lag es also eigentlich nahe, dass die angehenden und bereits arrivierten Akademiker auf dem Campus am Lübecker Ring ihr Augenmerk irgendwann darauf richteten, wie besagtes Leben sowohl für durstige Gäste als auch hart arbeitendes Servicepersonal erleichtert werden könnte.

Der „Beer Mate“ könnte das – davon ist jedenfalls Lars Büker überzeugt. Er ist Mitglied des sechsköpfigen Entwicklungsteams und inzwischen nicht nur auf dem Weg zum Master, sondern seiner Alma Mater auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter weiterhin verbunden.

Darüber hinaus ist er in seinem Büro auf dem Soester Campus auch der Hüter der beiden Prototypen des „Beer Mate“, während sich dessen Entwicklerteam inzwischen weitgehend zu anderen akademischen Ufern irgendwo im Bundesgebiet aufgemacht hat.

Bestellung und Nachfüllen auf Knopfdruck, der „Beer Mate“ macht’s möglich.
Bestellung und Nachfüllen auf Knopfdruck, der „Beer Mate“ macht’s möglich. © Julian Franzen

Zurück geblieben sind besagte beide Prototypen, die in weit über 1000 Arbeitsstunden entwickelt wurden – inklusive einer Präsentation für potenzielle Marketingaktionen, die in den Räumen des Soester Restaurants „Zwiebel“ gedreht wurde (siehe Infokasten).

Und was hat und kann der „Beer Mate“ nun, was ein Bierdeckel nicht hat und kann? Beim Haben geht es vor allem um viel Technik auf kleinstem Raum, untergebracht in einem Gehäuse aus dem 3D-Drucker – und die macht wiederum möglich, wovon die Pappversion nur träumen kann. Unter anderem erfasst ein Sensor, auf dem das Glas abgestellt wird, dessen Gewicht und damit auch Informationen zu dessen Füllgrad.

„Das ist die Zukunft“

„Self Ordering wird in der Gastronomie die Zukunft sein“, ist „Zwiebel“-Inhaber Jens Wieners überzeugt. Dabei denkt er allerdings weniger an den „Beer Mate“, den er dennoch für eine kreative Idee hält, als an ein System, das mit QR-Codes an den Tischen funktioniert. Die werden von den Gästen eingescannt, und ermöglichen die Verbindung mit der Karte und dem Kassensystem. Gebracht werden die Getränke weiterhin vom Personal.

Fünf Bedienknöpfe an dem über WLAN mit dem Kassensystem des jeweiligen Lokals verbunden Gerätes machen dann den wirklichen Unterschied: Bequem vom Tisch geordert werden können so unterschiedliche Produkte, im Falle der „Zwiebel“, helles oder dunkles Bier oder ein Radler. Ein weiterer Knopf zeigt an der Theke an, dass ein Mitarbeiter an den Tisch kommen soll – und die ebenfalls vorhandene „Endlos-Funktion“ löst automatisch eine Nachbestellung aus, wenn das Glas geleert ist.

„Das erspart in Zeiten knappen Personals gerade in größeren Betrieben unnötige lange Wege“, nennt Lars Büker einen für ihn wesentlichen Vorteil. Er räumt aber auch ein: „Marktreif ist der Beer Mate noch nicht.“

Kann er aber noch werden, vielleicht setzen neue Studenten das Werk ihrer Vorgänger ja noch fort.

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