Stadtwerke: "Regionalstrom" ist Klimaschutz von nebenan

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Solarstrom aus der Börde für die Börde, das wollen die Soester Stadtwerke bald anbieten.

Soest - Ökostrom ist für die Soester Stadtwerke schon ein alter Hut: Seit der Jahrtausendwende bietet das Unternehmen den bereits an. Jetzt soll die Energieversorgung mit sauberem Strom auf eine neue Stufe gestellt werden – für Chef Andre Dreißen ein richtig großer Wurf.

„Ich bin ganz begeistert von diesem Produkt“, zeigt der Geschäftsführer des städtischen Tochterunternehmens große Gefühle. „Mehr Öko und mehr Region geht nicht!“ Was Dreißen so in positive Wallung bringt, wird wohl Mitte September unter dem Namen „Regionalstrom“ für Stadtwerke-Kunden zu haben sein – ein Name, der tatsächlich Programm sein soll. 

„Wir wollen damit größtmögliche Transparenz schaffen und den Brückenschlag zwischen den Erzeugern regenerativer Energie in der Region und Kunden, die genau wissen wollen, woher ihr Strom kommt“, beschreibt Dreißen die Motivation dafür, dass Mitarbeiter seines Unternehmens gemeinsam mit Kollegen des Großversorgers Rheinenergie das Produkt entwickelt haben. 

Und das funktioniert so: Betreiber von Photovoltaikanlagen oder Windrädern oder Produzenten von Biogas in einem Umkreis von 50 Kilometern schließen Verträge mit den Stadtwerken und beliefern sie mit dem von ihren Anlagen produzierten Strom. Die Stadtwerke wiederum bieten diesen Strom Kunden an mit der Garantie, dass die ihre Energie ausschließlich von diesen Anlagen bekommen werden – es sei denn, in Spitzenzeiten reicht die Produktion nicht aus und es muss aus anderen Quellen „zugeschossen“ werden. Das aber ist derzeit „überhaupt nicht absehbar“. 

„Wir sind fest davon überzeugt, dass wir damit eine Nachfrage befriedigen können von Kunden, die bereit sind, geringfügig mehr für ihren Strom zu bezahlen, wenn sie dafür das gute Gewissen haben können, genau zu wissen, wie ihr Strom produziert wird, von wem und wo – nämlich in der Region, in der sie leben“, hat Dreißen keinen Mangel an Argumenten für das neueste Pferd im Produkt-Stall. 

Für Jörg Kuhlmann, Vertriebsleiter der Soester Stadtwerke, kommen sogar noch weitere hinzu – sowohl für Erzeuger als auch für Stromkunden. Für Letztere sei es wichtig, alle Details einfach, transparent und jederzeit abrufen zu können. „Das ist mit einer App wirklich sehr komfortabel zu bekommen“, erklärt Kuhlmann. 

Andererseits sei das Produkt auch für Erzeuger interessant, nicht nur in der Börde, sondern bundesweit. „Wir sind sehr froh darüber, dass das Interesse auf der Seite schon jetzt groß ist“, ist Kuhlmann sicher, dass es an „Nachschub“ in den kommenden Jahren nicht fehlen wird. 

Für Erzeuger, so glaubt er, sei der „Regionalstrom“ nicht nur kurzfristig als Einnahmequelle interessant, sondern auch als Argument für neue Kapazitäten in der politischen Auseinandersetzung mit Kritikern, zum Beispiel von Windkraft. „Ein neues Windrad ist möglicherweise leichter und schneller zu bauen, wenn der Betreiber eindeutig nachweisen kann, dass die so produzierte Energie nicht ins große Netz eingespeist wird, sondern von Bürgern aus der Umgebung verbraucht wird“.

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