Soester Stadtoper muss ohne Zuschüsse auskommen

+
Michael Busch hat die Rolle des Don Giovanni an verschiedenen öffentlichen Häusern gesungen. Er weiß, dass keines ohne Zuschüsse auskommt.

SOEST - In einem Monat hat „Don Giovanni“ im Außenbereich vom Kulturhaus „Alter Schlachthof“ Premiere. Es ist die fünfte Stadtope, die das engagierte Team um den Initiator und musikalischen Leiter Michael Busch auf die Beine stellt. Gleichwohl heißt es beim Kartenverkauf immer wieder: „Das ist aber teuer. Geht das nicht billiger?“ „Geht es nicht,“, sagt Busch.

Die Preise zwischen 15 und 55 Euro für die Karten müssten sein, um eine wenigstens 80-prozentige Deckung für die Produktionskosten von 85 000 Euro zu erreichen.

Denn anders als jedes öffentliche Opernhaus muss die Off-Produktion der Stadtoper nahezu ohne Fördermittel auskommen. Aus dem Stadtetat gibt es zwar 2 500 Euro und von Sparkasse und Stadtwerken jeweils 5 000 Euro. Doch bleibt die Summe gering verglichen mit den Millionen-Zuschüssen für öffentliche Häuser.

Dabei wird die Soester Stadtoper nicht weniger professionell gemacht als Produktionen andernorts: Die acht Solisten und neun Orchesterinstrumentalisten sind allesamt studierte Berufsmusiker. Regisseur Friedrich von Mansberg ist Profi. Die Bühnentechnik bauen und bedienen Fachleuten aus dem „Schlachthof“.

Fakten kompakt

Stadtoper „Don Giovanni“ von W. A. Mozart, Premiere 10. Juni, 19.30 Uhr, weitere Aufführungen am 12., 14,, 17. , 19. und 21. Juni.

Karten: Anzeiger-Geschäftsstelle am Schloitweg und Hellweg Ticket.

Unter diesen Aspekt betrachtet, sind die Produktionskosten von 85 000 Euro für „Don Giovanni“ niedrig. Sie werden nur möglich, weil jede Menge ehrenamtliche Arbeit und bürgerschaftliches Engagement in dem Projekt steckt. „In den öffentlichen Häusern arbeitet ein großer Apparat hinter der Bühne“, sagt Michael Busch.

In Soest fällt der weg, dagegen wirken Erfindergeist, Ideenreichtum und freundschaftliche Verbindungen. Sie geben der Stadtoper nicht nur einen besonderen Charme, sondern verhelfen ihr diesmal auch zu Kostümen und Bühnenbild aus Lüneburg.

Die bislang vier Produktionen – Zauberflöte, Carmina burana, Fledermaus und Cosi fan tutte – haben so viele Freunde gefunden, dass für das neue Vorhaben an privaten Spenden rund 10 000 Euro flossen. Die Organisatoren haben zudem Sponsoren wie die Kipper-Stiftung, den Verein Soester Wirtschaft und Mercedes gewonnen.

Bei der Landesregierung und beim Regierungspräsidenten in Arnsberg sei dagegen nichts zu machen gewesen, sagt Busch. 

Gut zu wissen

Keines der rund 140 öffentlichen Opern- und Schauspielhäuser in Deutschland kommt ohne Förderung über die Runden.

Im Jahr 2010 Jahren stellte die Wirtschaftswoche eine amerikanische Studie vor, nach der die Häuser jährlich mit rund zwei Milliarden Euro subventioniert werden. Demnach unterstützt der Steuerzahler in der Bayrischen Staatsoper, die mit 97 Prozent am besten ausgelastet ist, jede Besucherkarte mit 94,24 Euro.

Auch in der Semperoper Dresden, die eine immerhin 91-prozentige Auslastung hat, kommen auf jede verkaufte Karten 116,25 Euro vom Staat. Schlusslicht in dieser Untersuchung ist das Volkstheater in Rostock, das mit 400 Euro an Steuergeldern pro Eintrittskarte so viel zuschießt wie keines der untersuchten Häuser.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare