Soester sparen auch bei Mini-Zinsen fleißig weiter

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Für die wichtigsten Kennziffern haben sich die Sparkassen-Chefs (von links) Ulrich Kleinetigges, Michael Supe und Herbert Köhler eine Grafik fertigen lassen. Auch wenn das Jahr 2014 wirtschaftlich schwierig war, wurden die Ergebnisse verbessert.

SOEST   - Die Zinsen sind mickrig und tendieren gegen Null, und doch haben die Kunden ihr Geld – weitaus mehr als anderswo – zur Sparkasse Soest getragen. Die Sparquote legte um erstaunliche 3,7 Prozent zu, im Bundesschnitt ist es nicht einmal halb so viel.

Mit dieser Überraschung haben gestern Sparkassen-Chef Herbert Köhler und seine beiden Kollegen Michael Supe und Ulrich Kleinetigges bei der Präsentation ihrer Bilanz für 2014 aufgewartet.

Die letzte Erklärung für den ausgeprägten Sparsinn gegen den Trend hat Köhler auch nicht. Doch er ist überzeugt: Die bodenständige Art der Menschen in der Börde, ihre Vorsorge und solide Art sind die wesentlichen Gründe. So läpperten sich die Kundeneinlagen auf das historische Hoch von 1,27 Milliarden Euro. Weil auch die Sparer nicht wissen, was morgen wird und ob die Zinsen womöglich doch wieder steigen, bunkerten sie ihr Erspartes vor allem in kurzfristige Anlagen. Bei diesen sogenannten Sichteinlagen gab es ein Plus von über 13 Prozent.

Demgegenüber hielt sich die Risikobereitschaft der Sparkassen-Kunden weiter in Grenzen, ja nahm sogar noch einmal ab. Das Wertpapiergeschäft (Aktien, Investments, Renten) ging um 8 Prozent auf 64,5 Millionen Euro zurück. Im Boomjahr 2007 lag es um das Zweieinhalbfache höher.

Aber nicht nur beim Geben, sondern auch beim Nehmen haben die Sparkassen-Kunden aus Soest und den umliegenden Gemeinden einen Rekord aufgestellt. Die Gesamtkreditsumme nahm um 3,6 Prozent zu und nähert sich mit aktuell 948 Millionen der Milliardengrenze. Bei der Wohnbau-Finanzierung moderat, bei Gewerbe-Finanzierungen sogar kräftig flossen die Neukredite (siehe Extra-Kasten). Die Geschäfte in der Soester Wirtschaft, so Köhler, laufen gut. Oder anders herum: „Wann haben Sie das letzte Mal von einer Insolvenz gehört?!“

Was die Sparkassen-Chefs bedenklich stimmt: Auch wenn die Menschen mehr als eine Milliarde auf den Sparkonten haben, bei der Vorsorge fürs Alter macht längst nicht jeder mit. „30 Prozent hat noch nichts getan“, bei den 14- bis 29-Jährigen liegt die „Verweigerungsquote“ sogar bei 59 Prozent. Das korrespondiert mit der gen Null tendieren Zahl von Riester-Sparplänen. In besseren Zeiten (2006) schlossen 1 200 Kunden einen solchen Kontrakt, vergangenes Jahr waren es gerade noch drei Dutzend.

Am guten Gesamtergebnis ändert das freilich wenig. Die 300 Mitarbeiter der Sparkasse (darunter 36 Auszubildende) steigerten ihr Jahresergebnis (vor Steuern und Bewertung) auf 17,7 Millionen Euro. Die Bilanzsumme wuchs um vier Prozent auf 1,49 Milliarden Euro. Was Köhler besonders freut: Dem Ertrag stehen „nur“ 58 Prozent Aufwand (Kosten für Personal, Verwaltung und Sachaufwand) gegenüber. Bereits die 60 Prozent würden als erstrebenswerter „Body-Mass-Index“ in der Branche gehandelt, nur die wenigsten kriegten eine solche hohe Produktivität hin. - hs

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