Die gute Stube in der Stadt

Soester sollen sagen, wie ihr Markt aussehen soll

Soester Markt damals Parkplatz
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Lang ist‘s her: Der Soester Markt -- ein einziger großer Parkplatz mitten in der Stadt.

Diesmal bekommen die Soester nur ein weißes Blatt Papier vorgelegt. Auf das sollen sie aufschreiben oder aufmalen, wie „ihr“ Soester Markt in Zukunft aussehen soll. Keine Skizze vorab, keine Vorgaben, keine fertigen Pläne.

Soest – Die Stadt hofft, mit dieser neuen Form der Bürgerbeteiligung den Nerv der Soester nach Mitsprache und womöglich Mitbestimmung zu treffen.

Der Markt und die sich anschließende Marktstraße haben es bitternötig. Die indischen Grauwacken, die hier vor einem Vierteljahrhundert verlegt worden waren, taugten von Anfang an nichts. Das Zeug zerbröselte unter den Rädern und Füßen. Immer wieder mussten neue Steine die Lücken schließen, immer wieder kamen neue Löcher und Krater ans Licht. Wer heute hier entlangkommt, könnte glatt vermuten, die letzten Kriegsschäden seien noch immer nicht beseitigt.

Nun aber nach langem Vorlauf soll das Rumpel-Pflaster verschwinden. Bereits vor drei Jahren schien es schon fast so weit: Zusammen mit den Behinderten-Vertretern überlegte die Stadt gemeinsam, wo vielleicht möglichst ebene Gehweg quer über den Markt gezogen werden könnten.

Feuer frei für jedermann

Doch all das, was schon überlegt wurde, ist gerade Makulatur. „Wir haben uns ein dialog-orientiertes Verfahren überlegt“, sagt Baurat Matthias Abel. Also: Keine Vorgaben, sondern Feuer frei für jedermann, seinen Ideen, Vorstellungen und Wünschen für den „neuen“ Soester Markt freien Lauf zu lassen. Am besten natürlich digital über die Seite www.mitdenken-soest.de. Auf der ist bereits ein Grundriss hinterlegt und ansonsten nur das unbeschriebene Blatt.

Ab sofort ist die Seite freigeschaltet. Bis zum 9. März haben die Soester für ihre Vorschläge Zeit. Danach sollen drei ausgewählte Planungsbüros einen ersten Zwischenentwurf schmieden, der in einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert wird. In Phase 2 folgen eine erneute Bürgerbeteiligung und die Jury-Sitzung; das letzte Wort haben der Stadtentwicklungsausschuss und der Stadtrat.

Nur die Kirmes ist gesetzt

Es gehe schließlich nicht um irgendeine Ecke in Soest, die aufgehübscht werden soll, sagt Abel, der zusammen mit seinen Kollegen Dirk Mackenroth (Abteilung Straßen und Grün) und Philipp Bunse (Stadtplanung) das Vorhaben vorstellt. Gleich zwei Bilder müssen herhalten, um der Bedeutung des Platzes gerecht zu werden: „Der Markt ist die Herzkammer und das Wohnzimmer der Stadt.“ Spätestens im Sommer, wenn hoffentlich auch Corona passé sei, fülle sich dieser Platz mit seinem reichen Angebot an Cafés und Lokalen zur größten „Meet-and-eat-Mile“ der Stadt, und erst recht zur Kirmes.

Der Allerheiligenmarkt, so Abel, „ist gesetzt“. Was immer sich die Soester in den nächsten Tagen einfallen ließen, könne nicht so weit gehen, dass kein Platz mehr für die Karussells bliebe.

Und was ist, wenn der Bevölkerung mit Blick auf zunehmend heiße Sommer und Wunsch nach Klimaschutz hier eine grüne Oase mit Wiesen, Wasser und schattigen Bäumen vorschwebt? Am Ende, sagt der Baurat, sei das natürlich eine politische Entscheidung, doch er schätze die Stimmung anders ein: Die Soester liebten ihre Kirmes, und sie mögen den Platz als lebhaften Treff zum Sehen und Gesehenwerden und als vielfältiges Open-Air-Restaurant, das vom Eis bis zum Eisbein, vom Kuchen bis zum Krautsalat und vom Kaffee bis zum Krefelder alles bereithält.

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