Vom Vater entführt

Soester Schülerin nach Libyen verschleppt

Diana Ben Salem mit einem Bild ihrer Tochter Nouara. Die zwölfjährige Schülerin der Gesamtschule wurde von ihrem Vater nach Libyen verschleppt. -  Foto: Brüggestraße

Soest -  Diana Ben Salem sitzt in Soest, die zwölfjährige Tochter irgendwo in Libyen – nach einem Türkei-Urlaub verschleppt vom eigenen Vater, einem Libyer.

„Mama, ich will wieder nach Hause!“ Das sagte Nouara beim letzten Gespräch übers Handy. Dann unterbrach der Vater das Gespräch. Diana Ben Salem schießen die Tränen in die Augen, wenn sie das erzählt.

Wenige Tage ist das her. In Soest organisieren Freunde und Bekannte eilig erste Hilfe übers Internet: „Hilfe für Noura“ findet auf Facebook immer mehr Unterstützer. Ob deutsche Behörden helfen können, ist ungewiss. „Die Hoffnung stirbt zuletzt, ich will kämpfen“, sagt die Mutter und sucht jetzt die Öffentlichkeit.

Nouara ist zwölf, wäre jetzt in der siebten Klasse der Gesamtschule. „Sie ist ein fröhliches Kind, malt und zeichnet gern, sie liebt Musik, sie tanzt, sie hat ihren Freundeskreis“, erzählt Diana Ben Salem dem Anzeiger. Vom Vater lebt sie seit Jahren getrennt, die Ehe hielt zwei Jahre. Nouara wollte in Soest bleiben, der Vater zog nach Herten, konnte Nouara besuchen oder auch abholen. Jetzt durfte er sogar mit Nouara in den Urlaub fliegen, nach Antalya in der Türkei. „Ich wollte das erst nicht erlauben, aber Nouara hat so gebettelt“, sagt die Mutter. „Dass ich sie nicht wiedersehen würde, hätte ich nicht geglaubt.“

Der Türkei-Urlaub war vom 13. bis zum 19. Juli gebucht. Am 18. Juli klingelte morgens das Telefon in Soest: „Hör zu, wir sind jetzt in Libyen“, so meldete sich der Vater. Nouara sei bei ihm und solle jetzt Arabisch und die Landessitten lernen. Sie werde nicht wieder nach Deutschland kommen – höchstens später einmal zum Studieren.

Was den Vater angetrieben hat, ist der Mutter ein Rätsel. „Er ist ein ewiger Student, macht auf Informatiker, ist aber nie mit dem Studium fertig geworden“, erzählt sie weiter: „In Herten hat er so einen Feinkoststand auf dem Markt aufgezogen, mit arabischen Spezialitäten.“ Nouara sei gegen ihren Willen in Libyen, bekräftigt die Mutter: „Das sagt sie immer wieder bei den kurzen Telefonaten.“

Polizei: Suche ist schwierig im Kriegsland

„Ich bin katholisch, er ist Moslem. Das war aber nie ein Thema. Als Nouara geboren war, fing er an, den Koran zu lesen, fünfmal am Tag zu beten. Irgendwann wollte er auch, dass ich Kopftuch trage, aber das habe ich nicht mitgemacht.“ Es gab Streit, böse Worte und mehr. Nouara habe sich bislang aus Religion nicht viel gemacht, sie sei einfach ein fröhliches Kind, das sich auf einen schönen Urlaub gefreut habe.

Schwester und Freunde haben auf Facebook eine Gemeinschaft gegründet: „Hilfe für Nouara“. Gleichzeitig wollen die Freunde Spenden sammeln, um die Suche nach Nouara bezahlen zu können.

Bei der Soester Polizei ist man eher skeptisch. Frank Meiske: „Eine Anzeige liegt vor, es besteht ein Verdacht auf Kindesentziehung. Wir haben das an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, mehr können wir nicht tun. Man wird jetzt wohl versuchen, über ein Auslieferungsersuchen Nouara die Heimreise zu ermöglichen.“ Dazu müsse man Nouara aber erst mal finden. Meiske: „In einem Land, in dem gekämpft wird, ist das sicher nicht ganz einfach.“

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