Soester Schüler nach Alkohol-Exzess auf Klassenfahrt von Abi-Feier ausgeschlossen - und jetzt doch dabei

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Auf Klassenfahrt strikt verboten: Bier, Wein und Schnaps.

Soest – Wenn in ein paar Tagen die feierliche Zeugnisausgabe am Archigymnasium ansteht, sind die Oberprimaner dann doch komplett. Mit dabei sind auch die beiden jungen Männer, die zwischenzeitlich aussortiert worden waren und der Feier hätten fernbleiben müssen. Sie hatten auf einer Klassenfahrt restlos über die Stränge geschlagen.

Über das Widerspruchsverfahren haben sie jetzt aber doch noch das Ticket für die Feier bekommen.

„Wir haben die Entscheidung ganz bewusst getroffen“, sagt Schulleiter Winfried Papenheim. Die beiden Schüler hatten sich im vergangenen September auf der Abschlussfahrt so stark betrunken, dass sie nicht einmal den Weg zum Quartier zurückgefunden haben, schildert der Direktor.

"Grenzen weit überschritten"

Alkohol zu trinken, ist schon seit Jahren grundsätzlich bei Schulveranstaltungen verboten. Für Ausnahmen – wie etwa dem Gläschen Sekt zur Abifeier – müsse extra eine Sondergenehmigung her. Und selbst wenn gegen den Ukas nur mit ein oder zwei Glas Bier verstoßen worden wäre, hätte man am Archi vermutlich nicht so ein Aufhebens gemacht. Hier aber, so Papenheim, „sind die Grenzen weit überschritten worden“.

Und das in aller Öffentlichkeit, wo am Ende Dritte etwas mitbekommen und der ungebührliche Auftritt auf die Schule hätte zurückfallen können.

Formale Gründe

Doch die zwei Abiturienten und ihre Eltern haben die Entscheidung nicht auf sich beruhen lassen. Sie legten Widerspruch ein. „Wir haben uns von der Bezirksregierung (Schulaufsicht) beraten lassen“, schildert Papenheim das weitere Verfahren. Die Aufseher empfahlen, dem Widerspruch stattzugeben und die beiden Jungen zur Abi-Feier einzuladen. Allein aus formalen Gründen: Zwischen der Klassenfahrt im September und der Zeugnisübergabe liege ein Dreivierteljahr. Diese große zeitliche Distanz spreche gegen den Ausschluss; eine Sanktion hätte unmittelbar erfolgen müssen.

Das Archi folgte den Bedenken der Schulaufsicht. Hätte es das nicht getan, wäre ohnehin im nächsten Verfahrensschritt die Schulaufsicht an der Reihe gewesen; spätestens dann wäre der Ausschluss storniert worden.

"Einmal im Jahr tagt die Ordnungsmaßnahmen-Konferenz"

Solche Disziplinargeschichten, berichtet der Schulleiter, kommen zum Glück selten im Schulalltag vor. Nur einmal im Jahr tage die „Ordungsmaßnahmen-Konferenz“. Mit am Tisch: die Schulleitung, der Klassen- oder Stufenlehrer, drei weitere Lehrer, je ein Eltern- und ein Schülervertreter. Und natürlich der oder die Beschuldigten, die ihrerseits noch einen Bekannten ihres Vertrauens (keinen Anwalt) mitbringen dürfen.

Für Papenheim ist die Sache damit endgültig erledigt. Es werde bei der Feier keinen bösen Blick oder sonstiges Nachkarten geben. „Ich bin überzeugt, dass die beiden ohnehin aus dem Verfahren gelernt haben.“ Sie hatten schon im Herbst eine erste kleine Strafarbeit erledigt, als sie Mitschülern der Ganztagsklasse Nachhilfe erteilen mussten.

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