30 Sehbehinderte und Blinde vom Soester Berufsbildungswerk (BBW)

Soester Schüler lassen sich durch Terrorangst nicht von England-Reise abbringen

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Auf nach Birmingham! Die Blinden und Sehbehinderten des Soester Berufsbildungswerks haben keine Angst vor Terror und Gewalt. Unser Foto entstand an der Fähre in Dover.

Soest - 30 junge Sehbehinderte und Blinde vom Soester Berufsbildungswerk (BBW) haben sich am Montagmorgen auf den Weg nach England gemacht – einen Tag Swinging London inklusive. Nach den Anschlägen in Großbritannien die Tour abzusagen, sei für sie nicht einen Moment Thema gewesen.

„Ein halbes Jahr lang haben sie sich intensiv auf die Fahrt vorbereitet – und sich riesig gefreut“, sagt Erwin Denninghaus, der Leiter des Blinden-Kollegs. 

Vergangene Woche hatte unsere Zeitung von Schülern, Lehrern und Eltern berichtet, die Schulausflüge nach Paris, London oder in andere Metropolen nach den Terroranschlägen in jüngster Zeit eher skeptisch betrachten oder sogar gleich storniert haben. 

Die 30 Soester Schüler im Alter von 18 bis 25 Jahren des BBW haben nun keinen Grund gesehen, ihre Reise zu canceln. „Das eigentliche Risiko ist die Busfahrt“, sagt Denninghaus. „Denn es sterben viel mehr Menschen bei Verkehrsunfällen als durch Terroranschläge.“ 

Doch nach den unzähligen Berichten über Attentate gehe kaum noch einer unbefangen mit dem Thema um. „Die Schüler sind hoch motiviert, nicht nur England zu erleben, sondern auch noch an ihren Sprachkenntnissen zu feilen“, sagt Denninghaus. 

Viele blicken auf das Ende ihrer Schullaufbahn, deshalb seien profunde Englisch-Kenntnisse vorteilhaft beim anstehenden Wechsel in den Beruf. Und hätte er als Schulleiter von sich aus die Fahrt verboten, „hätten die mir den Kopf abgerissen“. 

In London habe man nach der tödlichen Lkw-Attacke auf der Themse-Brücke am House of Parlaments längst reagiert und zum Schutz für Passanten dicke Betonbarrikaden zwischen Fahrbahn und Gehweg platziert, so Denninghaus.

„Erst letzte Woche habe ich mir überlegt, wie sieht das eigentlich hier in Soest aus – zum Beispiel auf der Allerheiligenkirmes?!“ Die Zufahrten zum Rummel seien geöffnet, schon damit die Rettungswege frei gehalten werden. 

Wer es drauf anlege, könne mit schweren Fahrzeugen in die Menschenmengen steuern. Ihr Quartier beziehen die Soester Blinden-Schüler übrigens in Birmingham, knapp 200 Kilometer von der britischen Metropole entfernt. 

Hier lernen sie zwei örtliche Bildungseinrichtungen für Blinde kennen und nehmen auch am Unterricht teil. Am morgigen Mittwoch steht die Tagesfahrt nach London auf dem Stundenplan.

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