Soester in Sado-Maso-Keller gefangen

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Das Amtsgericht Dortmund verhandelte einen Fall 

Dortmund/Soest - Ein Frührentner aus Soest hat möglicherweise einen großen Betrugsfall in der Sado-Maso- und Fetisch-Szene aufgedeckt.

In dieser Woche musste der 58-Jährige vor dem Amtsgericht Dortmund gegen ein Ehepaar aus Dortmund aussagen – gegen die Menschen, die ihn immer wieder wie ein Tier in einen Käfig gesperrt haben.

Die 46-jährige Angeklagte und ihr ein Jahr älterer Ehemann leben offiziell von Sozialleistungen im eher bescheidenen Dortmunder Stadtteil Brackel. Auf Handyfotos posiert das Paar aber offenbar schon mal gerne mit bündelweise 200-Euro-Scheinen. Wie das kommt? Die beiden Dortmunder sind als „Herrin“ und „Meistersklave“ in der Fetisch-Szene aktiv. Und zahlungswillige Kunden gab es wohl zuhauf.

Unter anderem den Frührentner aus Soest. Der hatte sich in einem einschlägigen Internetforum um eine Stelle als „Sklave“ bei dem Paar beworben. Er wurde eingeladen und fuhr tatsächlich rund zehnmal nach Dortmund. „Er sah die Frau als seine ‚Herrin’ und sich als ihren Sklaven an“, sagt die Staatsanwaltschaft.

So fuhr der Soester auch am 4. August 2016 ins Ruhrgebiet. Wieder einmal rechnete er damit, in einem Käfig angekettet zu werden und seiner Herrin dienen zu dürfen. Diesmal hatte sich das Paar aber offensichtlich noch etwas anderes überlegt. Kaum war der Sklave gefesselt und mit vollen Futternäpfen versorgt, setzten sich die Beiden in das Auto des Soesters und fuhren in den Urlaub nach Holland.

„Das hat mir alles natürlich nicht so gepasst“, sagte der Zeuge vor Gericht. Befreit wurde der herzkranke Frührentner von einer Nachbarin. Die Frau war in das bizarre Fetisch-Spiel eingeweiht, hatte aber schließlich doch Mitleid mit dem Sklaven. Als sie den Käfig-Keller betreten habe, habe sich der Mann sofort vor ihr auf die Knie geworfen. Nach kurzer Diskussion befreite die Frau den Mann mit einem Bolzenschneider von seinen Ketten.

Das Gericht sah das Verhalten der Angeklagten zwar als moralisch verwerflich, nicht aber als strafbar an. Weil der Soester offenbar sogar einen förmlichen „Sklavenvertrag“ unterzeichnet habe, sei von seinem Einverständnis auszugehen, hieß es in der Begründung der Freisprüche.

Die Freude könnte dem Paar allerdings schon bald vergehen. Die Ermittlungen wegen Betruges und Steuerhinterziehung laufen ungeachtet dieses Urteils weiter. Wie es heißt, sollen die Dortmunder ihren Sklaven Tausende Euros abgenommen haben. - wvb

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