Soester retten ihren aus den Fugen geratenen Wehrturm

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Die Arbeiten am Wehturm an der Ecke Jakobistraße-, Ulricherstraße und Wallstraße nehmen Fahrt auf. Hier wird ab sofort ausgebuddelt und stabilisiert.

Soest -  Dem Wehrturm nahe des Jakobitors geht es nicht besser als übergewichtigen Menschen. Er hat in der Mitte reichlich Speck angesetzt und droht zu kollabieren. Fürs Erste hat der Turmstumpf ein Korsett verpasst bekommen. Nun beginnt die eigentliche Therapie: Vier Monate brauchen die Experten, um den Wehrturm vorm Bersten zu bewahren.

Irgendwann vor vermutlich mehr als hundert Jahren haben die Soester ihre Wehrtürme – bis auf den Kattenturm – geschleift. Von der Gräfte aus sind die Rondelle besonders gut zu erkennen. Von oben genießt man die Aussicht auf die Soester Altstadt.

„Vermutlich ist es das Regenwasser, das sich hier im Innern des (mit Erde aufgefüllten) Wehrturm-Stumpfs über die Jahre gesammelt hat“, bietet Frank Schumacher von der Stadtverwaltung als Erklärung an, warum dieser Turm buchstäblich aus dem Leim gegangen ist. „Im Winter gefriert das Wasser, dehnt sich aus und drückt von Innen auf die Turmmauern.“

Bereits im November ging man auf Nummer Sicher und verpasste dem Turm von Außen eine Korsage, um weitere Ausdehnung, vor allem den Einsturz der historischen und denkmalgeschützten Mauer zu verhindern. Seit dieser Woche nun geht es ans Eingemachte. Ein kleiner Bagger ist auf die Wallkrone gerollt und löffelt all den Dreck und die Erde aus dem Turm heraus. „Zweieinhalb Meter tief wollen wir schachten“, erläutert Moritz Düchting von der auf die Sanierung historischer Bauten spezialisierten Firma Wibbeke aus Geseke. Vorsichtshalber kommt noch ein Statiker hinzu, der genau berechnen soll, was die Mauer überhaupt an Druck verkraftet.

Turmsanierung an der Ulrich-Jacobi-Wallstrasse

„Hoch spannend“ sei der Auftrag, sagt Tobias Trompeter, der sich im Rathaus um das Immobilienmanagement kümmert. „Es gibt keine Blaupause für diese Arbeit.“ Noch nie nach dem Krieg sei so ein Wehrturm-Stumpf ausgekoffert worden; letztlich gleiche er einer „Wundertüte“: „Wir wissen einfach nicht, wie es dort unten aussieht.“

80 000 Euro wird die Turmsanierung verschlingen; das meiste Geld (80 Prozent) schießt das Land hinzu. Die Landesdenkmalschützer wollen im Gegenzug nicht nur über alle Details informiert werden, sondern verlangen auch eine akribische Arbeit, die dem Schutz der Jahrhunderte alten Wallmauer gerecht wird.

Eine Vorgabe, die sie den auf ihr historisches Erbe so stolzen Soestern sicherlich gar nicht lang erklären müssen.

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