Soester planen

Egal wie der neue Markt wird: Die Kirmes muss drauf

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Der Markt: Die Soester und ihre Besucher sitzen gern in ihrer „guten Stube“

Die Stimmen aus den Soester Ratsfraktionen sind eindeutig: Der Markt soll auch nach seiner Neugestaltung das lebhafte Zentrum in der City bleiben, die Bühne für Kirmes und Bördetag und „den Rest des Jahres“ viel Platz für Cafés und Lokale bieten. Aus dem Markt einen kleinen Park zu machen, komme nicht infrage.

Soest – Kein einziger Politiker hat jetzt im Stadtentwicklungsausschuss für eine grüne und ruhige Oase plädiert, so wie sie sich manche Bürger bei der großen Online-Umfrage vor wenigen Wochen durchaus vorstellen konnten. Doch die Botschaft und die Forderung nach mehr Grün auf dem Markt wollen auch die Soester Parteien beherzigen --  und sind nun gespannt, wie die drei von der Stadt beauftragten Planungsbüros diese „Quadratur des Kreises“ hinkriegen.

Denn so bezeichnet Stadtbaurat Matthias Abel das Unterfangen, Klima und Kirmes unter einen Hut bekommen zu wollen. Die Bedeutung der Gastronomie in der Altstadt werde eher zu- denn abnehmen. Wenn dem Einzelhandel wie von vielen befürchtet schwere Zeiten bevorstehen und das ein oder andere Geschäft von der Bildfläche verschwindet, sei es ums wichtiger, durch noch mehr Gastronomie das Leben in der Innenstadt zu erhalten, so Abel.

Kirmes und Klimawandel

„Kirmes an dieser Stelle – das geht gar nicht anders“, sagt Andreas Kappelhoff von der Bürgergemeinschaft. Selbst Werner Liedmann von den Grünen kann sich den Soester Markt ohne Kultur und Feste nicht vorstellen, der Platz sei „für die Menschen“ da. Doch hier müssten mehr als ein paar Kübelbäume (bei Bedarf zum Wegräumen) her. „Sonst haben wir etwas falsch gemacht.“

Noch das eindeutigste Klima-Bekenntnis liefert Walter Raubaum von der SO-Partei ab: „Der Klimawandel nimmt doch nicht auf unsere Kirmes Rücksicht.“ Es sei falsch, alles in Soest diesem Volksfest unterzuordnen. Die SO-Partei stimmte am Ende auch gegen das weitere Verfahren.

Zu den drei Planungsbüros, die in den kommenden Wochen die Aufgabe haben, all die 182 Bürgeranregungen und jetzt auch noch die Sichtweisen der Politik in brauchbare und überzeugende Skizzen und Gestaltungspläne zu gießen, zählt auch das Soester Büro BSL um Klaus Schulze. Der hat sich bereits einen Namen mit dem Umbau des Theodor-Heuss-Parks gemacht. Neben ihm stellen externe Fachleute aus Köln und Bochum Gedanken an.

Behinderte warten sehnlichst

Ihr Auftrag ist gewaltig. Da soll nicht nur ein neuer Markt her, der als Spiel- und Aufenthaltsfläche künftig viel Grün und Wasser bieten soll. Vielmehr soll die Marktstraße gleich mit entworfen werden – und das als Blaupause für weitere noch in der Altstadt zu sanierende Wege und Plätze. Drei Landschaftsarchitektur-Büros damit zu konfrontieren, komme nicht von ungefähr, so Abel. Die drei könnten und sollten sich durchaus in Konkurrenz sehen und so das Ringen um die beste Lösung für Soest befeuern.

Lob gibt es schon jetzt von Benedikt Ungerland. Der Sprecher der Behindertengemeinschaft sitzt selber im Rollstuhl und sehnt den Tag herbei, sich nicht mehr über das heutige Rumpelpflaster quälen zu müssen. Dass Soest es auch anders kann, habe es in der Rathausstraße bewiesen. Der „neue“ Straßenzug sei nicht nur optisch gut gelungen, er biete auch mit einem ebenen Mittelstreifen den nötigen Komfort für all die, die nicht so gut zu Fuß sind.

Wie geht es jetzt weiter?

Ab sofort können die drei Landschaftsarchitektur-Büros loslegen: Mit den Vorgaben, den Platz kirmes- und gastronomie-tauglich zu halten, und mit den 182 Ideen aus der Bürgerschaft. Ende Juni sollen die ersten Profi-Ideen auf den Tisch kommen. Sie sollen auf zwei öffentlichen „Ideenabenden“ ausführlich vorgestellt und diskutiert werden. Ende August sollen die Ergebnisse in Vorentwürfe münden. Eine Jury wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit Ende September die Pläne bewerten. Externe Fachleute – darunter auch Prof. Rolf Westerheide, der viele Jahre den Soester Gestaltungs-Beirat moderiert und geführt hat – sowie drei Vertreter der Stadt sind stimmberechtigt. Sie werden von Vertretern aus Gastronomie, Umweltschutz und dem Stadtrat beratend unterstützt. Im Herbst werden die Ergebnisse präsentiert; die Politik wird über das weitere Verfahren entscheiden.

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