Für einen Stadtbummel reicht eine OP-Maske:

Personal ist von der Maske genervt

Gute Aussichten: Im Café Fromme gibt es gewohnt Hochwertiges an den Tisch. Die Maske muss Theresia Hecker dabei durchgehend tragen. Auch, wenn es nervt.
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Gute Aussichten: Im Café Fromme gibt es gewohnt Hochwertiges an den Tisch. Die Maske muss Theresia Hecker dabei durchgehend tragen. Auch, wenn es nervt.

Die Corona-Zahlen rauschen in den Keller, die Sonne lacht vom blauen Himmel: Es ist Zeit für einen Stadtbummel. Aber welche Maske brauche ich eigentlich noch wofür? Ein überraschender Überblick.

Zuerst einmal geht es mit dem Bus in Richtung Soester Innenstadt. Seit Samstag benötige ich dafür keine FFP2-Maske mehr, sondern nur noch eine einfache OP-Maske. „Diese Maske muss während der gesamten Fahrt unabhängig von Mindestabständen getragen werden und die Maskenpflicht gilt auch an den Haltestellen“, sagt Annette Zurmühl als Sprecherin der RLG. Der Busfahrer selber darf im Übrigen frei atmen: Eine Schutzscheibe schützt ihn vor möglichen Viren.
In Soest angekommen, bleibt die Maske auf, denn laut Coronaschutzverordnung des Landes NRW muss ich sie ohnehin an der Haltestelle tragen. Weiter in Richtung Innenstadt unterwegs reich theoretisch im Abstand von zehn Metern zu jedem Geschäft eine Alltagsmaske.

Wir müssen die ganze Zeit Maske tragen. Das nervt extrem. Und ich merke, wie ich dadurch sehr an Energie und Kraft verliere.

Theresia Hecker, Café Fromme

Jetzt erst mal einen Kaffee. Im Café Fromme darf ich ganz ohne Maske draußen am Tisch sitzen. Durchatmen ist angesagt. „Wer rein will, muss bis zum Tisch noch eine einfache Maske tragen“, sagt Theresia Hecker vom Café-Team. Was für die Kunden angenehm sei, habe für die Mitarbeiter keine Bedeutung. „Wir müssen die ganze Zeit Maske tragen“, sagt Hecker. „Das nervt extrem. Und ich merke, wie ich dadurch sehr an Energie und Kraft verliere.“ Lieber würde sie sich jeden Tag testen lassen – obwohl sie schon geimpft sei – als eine Maske tragen zu müssen, wird sie ziemlich deutlich.

Feuer der Freiheit: Dieser Titel - empfohlen von Enneke Siedler aus der Ritterschen Buchhandlung - inspiriert zu phantastischen gedanklichen Ausflügen in die Nach-Corona-Zeit.

Ich mache mich auf den Weg zur Ritterschen Buchhandlung. Am Eingang steht Desinfektionsmittel, drinnen erwartet mich Inhaberin Enneke Siedler. „Das nervt bei den Temperaturen“, sagt sie unumwunden beim Thema Maske. Insbesondere fürs Personal. Mir empfiehlt sie ein Buch mit dem Weg weisenden Titel „Feuer der Freiheit“, das mich wegen des Titels inspiriert – und auf eine Zeit jenseits von Maskenpflichten vorbereiten könnte.

Welche Maske wird wo getragen?

Eine FFP2-Maske muss nach der NRW-Coronaschutzverordnung da getragen werden, wo Dienstleistungen ohne Mindestabstand bei Kunden ohne Masken erbracht werden, wenn der Kunde von der Maskenpflicht befreit ist, zum Beispiel beim Friseur. Ansonsten reicht überall die OP-Maske: Beim Arzt und in der Bank, im Bus und im Museum, im Tierpark und im Taxi. Zudem muss die OP-Maske in geschlossenen Räumen des öffentlichen Raums – also zum Beispiel im Rathaus – ebenso drauf bleiben wie im Gottesdienst. Auf Märkten und im Zehn-Meter-Radius um Geschäfte reicht das Tragen einer Alltagsmaske aus Stoff. Kinder müssen Masken erst vom Schuleintritt an tragen, zudem dürfen sie bei Anpassschwierigkeiten bis zur 8. Klasse die OP-Masken durch Alltagsmasken ersetzen. In Kitas muss das Personal nur Maske tragen, wenn es den Mindestabstand zueinander nicht einhält. Unter anderem besteht deshalb beim Bringen und Abholen nach wie vor die Maskenpflicht mit OP- oder FFP2-Maske für die Eltern.

Inspiriert vom Gedanken der Freiheit gehe ich zum Frisör. Bei „Bitter Next Generation“ in der Fußgängerzone weist mich Gina Groß auf die OP-Masken-Pflicht bei mir und den Mitarbeitern hin. „Die Kunden haben sich darüber noch nicht beschwert – und wir tragen die Masken ja gefühlt zehn Stunden“, zeigt sie ein Ungleichgewicht bei der Tragepflicht auf. Beim Schneiden am Ohr nimmt sie mein Bändchen ab und ich muss die Maske vorne festhalten. Klappt ohne Probleme.

Bei uns an der Schule herrscht nach wie vor auf dem ganzen Gelände und durchgehend für alle Maskenpflicht.

Kirsten Hoffmann, Astrid-Lindgren-Schule

Neue Frisur, neues Outfit. Ein paar Meter weiter mache ich bei „Endless & Evergreen“ Station. Im Laden herrscht OP-Maskenpflicht, auch Mitarbeiterin Marita Widrinna trägt eine. „Wenn kein Kunde da ist, dann setze ich die wieder ab“, sagt sie. Und überhaupt mache sie sich keinen Kopf um die Vorschriften.
Anstatt zu diskutieren und sich heiß zu reden, halte sie sich einfach an die jeweiligen Regeln. „Ich habe das einfach so akzeptiert“, sagt sie.

Lust auf Lernen: Trotz Maske läuft der Unterricht an der Astrid-Lindgren-Schule ziemlich normal ab.

Den ganzen Vormittag komme ich mit einer einzigen OP-Maske aus. Beim Bummel zurück zur Bushaltestelle kommen mir Scharen von Schülern entgegen. Kaum einer trägt außerhalb des Schulgeländes eine Maske. Während der Unterrichtszeit sieht das anders aus: „Bei uns an der Schule herrscht nach wie vor auf dem ganzen Gelände und durchgehend für alle Maskenpflicht“, sagt Kirsten Hoffmann als Leiterin der Soester Astrid-Lindgren-Grundschule.

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