Partygänger sollen daran denken: Nachts um vier schläft so mancher

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Am Bustreff Hansaplatz kamen die Protagonisten der Kampagne zusammen.

Soest - Samstagnacht gibt es die Nagelprobe. Beim Soester Kneipen-Festival drehen die Bands voll auf, und in den Gaststätten geht lautstark die Post ab. Aber muss das später auf dem Nachhauseweg auch so sein mit reichlich Geschepper und Gegröl? „Nein!“ sagen Wirte, Polizei und Wirtschaftsförderer und starten an diesem Wochenende ihre Kampagne „Leiser Heimweg“.

Der Säugling auf dem Plakat schnarcht den Betrachter an. „Ich bin ein Baby“, heißt es im Schriftzug darunter; und im anglizistischen Szene-Jargon junger Internet-Surfer geht es weiter: „1 bisschen Sleep wär Fancy.“ Also: Etwas Schlaf wäre klasse.

Dieses und zwei andere Plakate hängen in den Soester Gaststätten, obendrein verteilen die Wirte die Botschaft auf Flyern. „Wir wollen den Partygängern einfach mitgeben: Wenn sie frühmorgens um fünf Uhr zur Sperrstunde kreischend und singend nach Hause ziehen, dass dann viele in ihren Betten liegen und (versuchen zu) schlafen“, erläutert Ordnungsamt-Leiter Detlef Märte.

Denn wer in der Altstadt wohnt, kriegt nicht erst durch die Scherben der zerschlagenen Gläser und Flaschen am nächsten Morgen mit, dass mal wieder in der Nacht die Party abgegangen ist. Er wird durch Lärm und Randale auch zuvor schon aus dem Schlaf gerissen – erst recht, wenn es jetzt wärmer wird und die Fenster nicht fest geschlossen sind.

„Vieles hat sich in der Soester Altstadt ja schon zum Besseren gewandelt“, sagt Polizei-Wachleiter Uwe Sommer. „Vor Jahren kam Soest wegen der Vielzahl der Schlägereien und Raubüberfälle gar nicht aus den Schlagzeilen heraus.“

Polizei und Ordnungsamt zogen daraufhin selber in den Nächten auf Samstag und Sonntag los. Inzwischen sind brutale Übergriffe die Ausnahme. „Heute“, so beobachtet es „Altstadt“-Wirt Wolfgang Heppner, „herrscht weniger Aggression drinnen und draußen.“ Geklappt, so ergänzt Märte, hat auch das Rauchverbot in den Kneipen. Dies allerdings mit einer kleinen Einschränkung: Die Zigaretten-Freunde ziehen nun zum Qualmen grüppchenweise vor die Tür und setzen auf der Straße ihre Debatten fort.

„Es gibt Leute, die stehen mit einem Glas Bier in der Hand dreieinhalb Meter voneinander entfernt und schreien sich an“, berichtet Märte, der sich oft selber einen Eindruck von den Zuständen verschafft. „Wir sind uns bewusst, dass eine solche Imagekampagne den Lärmpegel in der Altstadt nicht auf Null reduziert“, sagen Wirte und Ordnungskräfte. Doch der Versuch ist es ihnen wert, die Gäste und Partymacher auf die Kehrseite der feucht-fröhlichen Nächte aufmerksam zu machen.

Für die, die es partout nicht kapieren und restlos über die Stränge schlagen, werden heute Nacht zwei zusätzliche Security-Kräfte durch die Gassen ziehen und auch Polizeistreifen. Für die übelsten Störer, ergänzt Polizeibeamter Sommer, gilt: „Die schlafen sich bei uns aus!“ - hs

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