Ladeninhaber haben nach wie vor in Soest keine einheitliche Linie

Dauer-Ärgernis - und keine Lösung in Sicht: Öffnungszeiten verwirren Kunden

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Sara Schupa von Nanu-Nana schiebt einen Ständer vor die Tür. Dieser Laden hat von 9.30 bis 18.30 Uhr geöffnet.

Soest – Wer in Soest – oder auch in einer anderen Stadt ähnlicher Größe – einkaufen oder auch nur durch die Geschäfte bummeln will, muss sich wohl oder übel damit abfinden, dass er morgens oder abends vor verschlossener Tür steht. Die Ladeninhaber richten sich nicht nach einer einheitlichen Öffnungszeit.

„Das ist seit ist seit 40 Jahren ein Dauerbrenner bei uns und kein neues Problem. Eine Lösung ist leider nicht in Sicht“, sagt Martin Jochem, Vorsitzender des Vereins Soester Wirtschaft. Noch abenteuerlicher seien die Öffnungszeiten von Geschäften in Randlagen.

„Grundsätzlich würden wir uns über einheitliche Öffnungszeiten, oder zumindest Öffnungskernzeiten, freuen. Das könnte für abends und für die Samstage gelten“, so Jochem. Dies müsse dann auch den Kunden kommuniziert werden, sonst bliebe es für sie unattraktiv. 

Anders stelle es sich im Alleecenter in Hamm dar: Dort würden die Öffnungszeiten vorgegeben. „Letztlich können wir vom Verein Soester Wirtschaft nur an die Geschäftsinhaber appellieren, einheitlich zu öffnen. Wir werben dafür, aber letztlich entscheidet jeder für sich selber. Denn die Inhaber sind selbstständige Unternehmer, die entscheiden, wann sie ihre Geschäfte öffnen“, stellt Jochem klar. 

Lange Öffnungszeiten für kleine Geschäfte schwieriger

Die Kehrseite der Medaille für viele inhabergeführte Geschäfte sei, dass sie oft sechs Tage in der Woche hinter der Ladentheke stehen. „Da schließt der Inhaber morgens auf und abends zu.“ Je kleiner das Geschäft sei, desto schwieriger sei es für den Inhaber, lange Öffnungszeiten anzubieten.

Dennoch müssten sich die Geschäftsleute Gedanken machen und attraktiver werden, um mit dem wachsenden Online-Handel konkurrieren zu können. Wenn jeder zweite Laden geschlossen ist, werde das Einkaufen unattraktiv – das Internet hat immer offen.

"Da sollten alle Akteure an einem Strang ziehen"

„Innenstadt funktioniert nur als Ganzes, da sollten alle Akteure an einem Strang ziehen: Filialisten, Inhaber geführte Geschäfte, sogar die Post, die Bücherei und Ärzte müssen anfangen, sich als Ganzes zu begreifen: Bringt jemand ein Paket zur Post, geht er vielleicht noch mal eben in die Buchhandlung. Kommt jemand vom Arzt, schaut er hinterher nach ein paar neuen Schuhen“, erklärt Jochem. 

Schließlich könne man nicht erwarten, dass die Leute alle Öffnungszeiten auswendig wissen, oder sich vorher im Internet über die Öffnungszeiten informiere. „Mit einheitlichen Kernöffnungszeiten könnte man viel erreichen, denn das Angebot in der Innenstadt hängt aneinander. Behördengänge und Arztbesuche könnten dazu genutzt werden, die Frequenz in der Innenstadt zu erhöhen. Der Verbraucher könnte sich mehrere Wünsche gleichzeitig erfüllen.“ 

Hier gibt es einige konkrete Beispiele aus Soest

Prinzipiell gelte: Je einheitlicher desto besser für den Kunden und die Innenstadt. 

Die Rittersche Buchhandlung zählt zu den Geschäften, die recht früh aufschließen: „Zu uns kommen schon ab 9 Uhr Schüler, die Lektüre abholen, aber auch Lehrer und andere Kunden nehmen es gerne wahr, dass wir schon so früh geöffnet haben“, sagt Gundula Rohe, Inhaberin der Ritterschen. 

Vor allem an Marktagen sei die Buchhandlung morgens gut besucht. „Bei uns im Karree rund um den Potsdamer Platz mit Feinkost Scholz, Sandra Kruse, Rewe und den Apotheken sind wir früh dran.“ Es habe sich gut eingespielt, schon um 9 Uhr zu öffnen, so Rohe. 

Kress am Schloitweg hat andere Öffnugszeiten als City-Haus

„Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht, auch samstags bis 19 Uhr zu öffnen, das ist eine umsatzstarke Zeit“, sagt Rainer Kress, Inhaber der Modehäuser Kress. Samstags brumme es ab 11 Uhr.

Die Öffnungszeiten der Modehäuser in der Stadt und im Gewerbegebiet Schloitweg variieren: Während das Geschäft in der Waisenhausstraße täglich von 10 bis 19 Uhr Mode verkauft, ist die Filiale am Schloitweg täglich von 10 bis 19.30 Uhr geöffnet. Rainer Kress: „Damit reagieren wir auf die Kunden-Nachfrage. Viele Kunden besuchen Kaufland, toom oder Aldi und schauen dann noch bei uns vorbei.“

Manche machen eine Mittagspause

Während Apotheken schon um 8 Uhr morgens ihre Pforten öffnen, lassen Schuhhaus Schreiber oder Thalia die Kunden um 9.30 Uhr ein, die großen Modehäuser H&M und Kress schließen um 10 Uhr ihre Geschäfte auf. 

Abends sieht es im Einzelhandel der Innenstadt ähnlich uneinheitlich aus: Die ersten Läden schließen um 18 Uhr, einige andere um 19 Uhr. Die Postfiliale in der Hospitalgasse macht von 13 bis 14 Uhr Mittagspause und hat jeden Montagnachmittag geschlossen. 

Auch die Stadtbücherei hat mittags von 13.30 bis 14.30 ihre Türen zu. Für viele Kunden sind die verschiedenen Öffnungszeiten verwirrend.

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