Der neue Soester Markt

Kontroverse zwischen Klima und Kirmes

Markt Soest
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Soests gute Stube: Der Markt.

Die erste Runde für den neuen Markt in Soest ist gelaufen. 182 Soester haben die Chance genutzt und sich in die Debatte eingebracht.

Soest – Zwei Trends zeichnen sich ab: Der große Platz inmitten der Altstadt soll weiterhin für die Kirmes und andere Großveranstaltungen freigehalten werden. Aber er soll auch - so fordern es die anderen – grüner und schattiger werden und (über die Lokale hinaus) mit Spiel- und Ruheecken zum Verweilen animieren.

Die Wunschliste umfasst außerdem: Brunnen und Wasserspiele, Barrierefreiheit, also ebene Wege ohne Ecken und Kanten, mehr Fahrradständer und mehr Licht. Am Ende soll der Umbau des Markts auch noch der baukulturellen Bedeutung gerecht werden.

Am Mittwoch kommender Woche will die Politik in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses aus der großen Fülle der Anregungen ein erstes Fazit ziehen. Keine leichte Aufgabe, zumal sich gewisse Strömungen geradezu ausschließen. Die Fläche dauerhaft frei zu halten für große Events wie den Allerheiligenmarkt und sie gleichzeitig in eine grüne Oase mit hohen Bäumen zu verwandeln, dürfte nur schwerlich unter einen Hut zu bekommen sein.

Entscheidung im Herbst

Drei Planungsbüros stehen danach vor der kniffligen Aufgabe, die Vielzahl der Wünsche aufzunehmen und sie in Entwürfe für die 2024 anstehende Neu-Gestaltung des Markts zu gießen. Neun Wochen Zeit sollen die Planer, Ingenieure und Architekten für ihre Arbeit erhalten. Noch vor der Sommerpause sollen die Pläne der Öffentlichkeit vorgestellt werden; die Soester hätten danach erneut die Gelegenheit, sich zu Wort zu melden und in die Diskussion einzuschalten. Das letzte Wort – vermutlich im Herbst – soll der Stadtrat haben.

Gemessen an der großen Kontroverse „Kirmes kontra Klima“ dürfte die Masse der „sonstigen“ Anregungen aus den vergangenen Wochen eher unspektakulär abgearbeitet werden können. Als da wären: eine Boule-Bahn, eine Ladestation für E-Bikes, ein Bücherschrank, Paketboxen und Schließfächer, ein Food-Sharing-Point (also eine Tausch- und Abgabestelle) für Lebensmittel), Pavillons für Kultur und Hintergrundmusik.

So äußern sich die Soester

Spielen, Ausruhen, Feiern

Die Meinungsbandbreite ist groß. Wie nicht anders zu erwarten war, haben Soester höchst unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft ihrer „guten Stube“. Wir haben uns mal durch die 182 Einsendungen geklickt und stellvertretend für das große Meinungsbild diese Statements herausgesucht:

Vor einigen Jahren gab es auf dem Markt noch ein oder zwei Spielgeräte für kleine Kinder. Hier sollte ein Ersatz mit nahegelegenen Sitzbänken für die Eltern geschaffen werden.

Man sollte die große Freifläche im Prinzip erhalten und nicht zu vollstellen. Ich finde das auch nicht langweilig. Einige zusätzliche Bäume am Rand wären aber schön und nützlich, früher war das ja auch mit der Kirmes vereinbar, warum sollte das jetzt nicht mehr gehen?

Kirmes ist nicht alles

Mit der Kirmes, die fünf Tage im Jahr stattfindet, wird der Gestaltungsspielraum für den Markt bereits mit dem Start der Neugestaltung von Offiziellen eingeschränkt. Ich halte das vor dem Hintergrund des Klimawandels für sehr bedenklich.

Der Marktplatz könnte mit schattenspendendem Bäumen umrandet und die vorhandene Gastronomie mit Hecken, Gräsern oder Sträuchern strukturiert werden.

Die Soester Allerheiligenkirmes ist nicht ein beliebiges Event oder ein austauschbarer Rummel. Es ist ein Lichtblick der Stadt.

Eine flache Wasserrinne, die sich längs über den Marktplatz schlängelt. Diese Wasserrinne könnte durch ein Wasserspiel (mit Fontänen) gespeist werden.

Bitte bei der Pflasterung und Gestaltung des Platzes sowohl an die Sehbehinderten mit Langstock als auch an die Gehbehinderten mit Gehstöcken, Rollatoren und Rollstühlen denken.

Aber ohne Kirmes ist alles nichts

Das Aushängeschild dieser Stadt, das uns überregional bekannt macht, war und ist die Allerheiligenkirmes. Die uneingeschränkte Durchführbarkeit dieser und anderer Veranstaltungen sollte daher bei allen Planungen tatsächlich im Mittelpunkt stehen.

Kirmes ist ja gut und schön. Aber an 360 Tagen ist nun mal keine Kirmes, aber reges Treiben auf dem Marktplatz gewünscht. Aufenthaltsqualität beschränkt sich jedoch nicht auf immer zunehmende Gastronomie, sondern wird durch schattenspendende Bäume, sprudelnde Wasserstelle und mehr Sitzgelegenheiten geschaffen

Die Erhaltung von Plätzen für die Allerheiligenkirmes, insbesondere der Markt als Herz und Mittelpunkt der Kirmes ist außerordentlich wichtig. Die Kirmes als größter Wirtschaftsfaktor unserer Stadt für ÖPNV, Taxi, Hotel, Gastronomie, Einzelhändler, Bäcker, Fleischer ist wesentlicher Bestandteil der Jahreseinnahmen für die genannten Branchen.

Großkronige Bäume und Sitzgelegenheiten darunter. Und nicht zum Wegschieben!

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