Stadtgeländewagen stehen trotz Kritik weiter hoch im Kurs:

Soester kaufen gerne SUV

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Eine SUVfreie Innenstadt? Über Vorschläge wie diesen erhitzen sich gerade die Gemüter.

Fahrer von Stadtgeländewagen haben es in diesen Tagen nicht leicht. Nachdem am Freitag in Berlin ein Sport Utility Vehicle (SUV) auf den Gehweg abkam und vier Menschen tötete, tobt eine heftige Debatte um mögliche Einschränkungen und Verbote der großen Autos.

Soest - Die Vorwürfe gegen SUV-Fahrer richten sich dabei nicht nur auf die Gefahr, die von den tonnenschweren Autos ausgeht, sondern darüber hinaus auch auf den hohen Ressourcenverbrauch bei der Herstellung in Verbindung mit den hohen Betriebskosten. So skandierten Soester „Fridays for future“-Demonstranten jüngst während einer Fahrraddemo: „Es gibt kein Recht, einen SUV zu fahren.“ 

Die Reaktionen kamen prompt: So warfen Facebook-Nutzer den Schülern vor, erst zu demonstrieren und dann selbst von Mama im SUV von der Schule abgeholt zu werden. Weniger polemisch argumentierte eine Anzeiger-Leserin, die wegen ihrer Gehbehinderung auf einen SUV angewiesen ist: Das Ein- und Aussteigen und der Transport des Rollstuhls seien im SUV einfacher, nur so könne sie überhaupt die Innenstadt erreichen.

"Die Leute kaufen ohne Ende

Viktor März, Inhaber des Mitsubishi Autohauses Behrendt, sieht den Trend zum SUV als ungebrochen. „Die Leute kaufen die SUVs ohne Ende“, meinte er. Zwar sei das „mit Sicherheit ein unwirtschaftliches Auto“, doch viele Käufer entschieden sich aus Prestigegründen in Verbindung mit der SUV-Bequemlichkeit für einen Kauf. 

"Diskussion hat keinen Gegenstand"

„Für mich hat die Diskussion keinen Gegenstand“, sagt Benjamin Göttgens. 70 Prozent mache der SUV-Anteil bei den Göttgens-Marken Volvo, Seat, Hyundai und Suzuki derzeit aus. Dabei gehe der Trend zu kleineren SUVs, die stadttauglicher seien. Und die Umweltverträglichkeit? „Diese Diskussion findet in der Regel nicht statt“, so der Geschäftsführer.

"Ich halte SUV für überflüssig"

Von einer „Nebenschauplatzdiskussion“ spricht Anne Richter. „Ich persönlich halte die SUV für überflüssig“, sagt die Grünen-Fraktionsvorsitzende. „Von Verboten halte ich aber gar nichts“, so Richter weiter. Stattdessen gelte es, die Menschen gerade in verwinkelten Innenstädten wie Soest von den Vorteilen kleinerer Autos zu überzeugen – und wenn überhaupt, dann über eine komplett autofreie Innenstadt nachzudenken. 

Vorne Blech, hinter Fachwerk: Über die Schönheit eines mittelalterlichen Stadtbildes vor einer Dachkulisse aus Metall lässt sich streiten.

Sorgen wegen der SUV hat Astrid Hartmann. Als Schulleiterin der Patrokli-Grundschule erlebt sie jeden Morgen, wie die Gehwege vor der Schule zugeparkt werden, weil Kinder bis vor die Schule gebracht werden. „Das geht zu Lasten der Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind“, meint sie. Zwar habe es in der Vergangenheit schon erfolgreiche Aktionen wie „Der Gehweg gehört uns“ gegeben. Doch gerade zu Beginn des Schuljahres gebe es immer wieder „Rückschritte hin zu mehr Autoverkehr“.

Lesen Sie auch: Genauer Ablauf von SUV-Unfall in Berlin weiter unklar

Dabei hat die Schule längst Alternativen zu bieten: Die „Walking Bus“-Linien sind längst etabliert. Vier, demnächst fünf Strecken gibt es, auf denen die Schüler zu Fuß unterwegs sind, Haltestellen ansteuern und – begleitet von Eltern – gemeinsam den Schulweg antreten. Das Beispiel darf Schule machen: Ungefährlicher und umweltschonender geht‘s garantiert nicht.

SUV oder nicht SUV, das ist hier die Frage

Ein SUV als tödliche Waffe, der Stadtgeländewagen als Umweltsünde: Fahrer von leicht überdimensionierten Autos haben es nicht leicht in diesen Tagen. Doch müssen SUVs aus den Innenstädten verschwindent? Und wie sieht es mit der Umweltverträglichkeit aus: Müssen Stadtgeländewagen in Zeiten einer bedrohlichen Klimakrise ganz verwinden, eingeschränkt werden oder über höhere Steuern zur Kasse gebeten werden? Oder ist die ganze Diskussion nonsens – und alles soll bleiben wie es ist? Der Anzeiger lädt zur Diskussion: Schreiben Sie uns Ihre Meinung an stadtredaktion@soester-anzeiger.de. Name und Adresse nicht vergessen. Sie können auch online oder auf unserer Facebook-Seite kommentieren. Die Ergebnisse werden in der kommenden Woche veröffentlicht.

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