„Wichtig ist, dass wir helfen konnten“

Soester helfen mit Feuerwehr-Oldtimern in Katastrophen-Gebiet: Seelsorge nach schlimmen Eindrücken

Drei Oldtimer und sieben Mitglieder des Soester Feuerwehr-Museums rückten erst nach Blessem und dann nach Ahrweiler aus.
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Drei Oldtimer und sieben Mitglieder des Soester Feuerwehr-Museums rückten erst nach Blessem und dann nach Ahrweiler aus.

Die Bilder aus den Hochwasser-Katastrophengebieten ließen den Soester Stephan Scherwitzki und seine Kollegen vom Verein „Feuerwehrmuseum Soest“ nicht kalt – im Gegenteil: Sie machten sich mit ihren Feuerwehrfahrzeugen a.D. auf den Weg und packten mit an.

Soest/Ahrweiler – Bei ihrem Hilfseinsatz erlebten sie Dinge, die sie wohl nie wieder vergessen werden. Im positiven, wie im negativen Sinn. Zunächst fuhren sie ins völlig zerstörte Erftstadt-Blessem. „Wir hatten uns im Vorfeld angekündigt. Uns wurde gesagt, dass dort unter anderem dringend Boote benötigt werden“, berichtete Stephan Scherwitzki.

Sie hatten das Boot eines Vereinsmitgliedes aus Hamm dabei. Doch helfen konnten sie nicht mehr: „Es kam keiner mehr in den Ort – selbst für die Retter war es einfach zu gefährlich.“ Doch statt aufzugeben, fuhren die Oldtimer-Freunde weiter ins ebenso stark betroffene Ahrweiler.

Feuerwehr-Oldtimer aus Soest in Ahrweiler: Einsatzauftrag Personensuche

Dort agierten sie mit Einsatzkräften der Feuerwehr Pirmasens zusammen: „Unser Einsatzauftrag lautete: Personensuche“, berichtete der Soester. Dabei seien die schlimmsten Befürchtungen wahr geworden: „Im Rahmen der Personensuche haben wir Tiefgaragen leer gepumpt. In dem Bereich wohnen viele ältere Leute, die ihre Autos aus Angst vor dem Wasser noch schnell aus den Tiefgaragen fahren wollten, doch dann von den Fluten überrascht und gefangen wurden.“

Nach Leichenfund: „Daran habe ich zu knabbern“ - froh über Seelsorger

Der Fund der Toten sei ein harter Schlag gewesen: „Daran habe ich wirklich zu knabbern.“ Froh sei er jedoch über die seelsorgerische Unterstützung. „Mit dem THW war ich 2002 drei Wochen lang unter anderem in Dresden im Hochwasser-Einsatz. Seelsorger gab es damals nicht. Das ist heute zum Glück wesentlich anders.“

Feuerwehr-Oldtimer aus Soest in Ahrweiler: „Die Wagen lagen da wie Spielzeugautos“

Auch der Anblick der Zerstörung sei unvergesslich: „Die Menschen haben alles verloren. Die Wagen lagen da wie Spielzeugautos, die in eine Ecke geworfen wurden.“ Gleichzeitig hob Stephan Scherwitzski die Zusammenarbeit mit den Feuerwehrleuten aus Pirmasens positiv hervor: „Die war wirklich hervorragend. Wir wurden super aufgenommen.“

Und auch die Feuerwehrleute hätten ihre Freude zum Ausdruck gebracht – darüber, dass man helfen konnte und über den Anblick der drei Feuerwehr-Oldtimer, mit denen die sieben Vereinsmitglieder angerückt waren: „Die waren wirklich begeistert und freuten sich über die alte, zuverlässige Technik: Du legst nur einen Hebel um und die Pumpe läuft – ohne irgendwelchen Schnickschnack.“

Feuerwehr-Oldtimer aus Soest in Ahrweiler: „Wir waren völlig fertig“

Die Feuerwehrleute seien überrascht gewesen, dass „die alten Schätzchen“ von ihren Besitzern in den Einsatz geschickt wurden: „Wäre etwas kaputt gegangen, dann wäre es so gewesen und wir hätten es wieder repariert. Wichtig ist, dass wir helfen konnten“, unterstreicht der Soester Oldtimer-Enthusiast. Letztlich ist auch Stephan Scherwitzski froh und – so macht es zumindest den Anschein – ein kleines bisschen stolz: „Samstagabend waren wir wieder in Soest und hatten bis dahin keinen Schlaf. Es war körperlich und seelisch sehr anstregend. Wir waren völlig fertig.“

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