Soester Hausärzte

Freude und Verdruss beim Impfen

Hausärzte impfen Dirk Friedrich, Ute Friedrich-Pagels, Markus Adler
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Er hat mit seinen 78 Jahren den Arztkittel noch einmal angezogen und hilft beim Impfen: Dirk Friedrich (rechts) unterstützt seine Tochter Ute Friedrich-Pagels und ihren Kollegen Markus Adler. Patientin Georgia Baltazi (2. Von rechts) freut sich gerade über den Corona-Schutz.

Viele Soester Hausärzte haben in dieser Woche mehr Impfstoff erhalten. Doch manche mussten sich auch mit schmalen Kontingenten zufriedengeben und ihre Patienten um weitere Geduld bitten. So oder so: Das Impfen beschert reichlich Mehrarbeit – und bisweilen auch Verdruss.

Soest – Am meisten belastet die Praxen, wenn sie alles fein geplant und die Spritzen aufgezogen haben und dann im letzten Moment die Impf-Kandidaten absagen. Oder – noch schlimmer: Den Termin einfach sausen lassen, ohne sich zu melden.

„Das ist wirklich nervig“, schildert Dr. Michael Hense, der seine Hausarztpraxis am Isenacker betreibt. Er hat sich selber mal für eine Stunde ans Telefon gesetzt, um nachempfinden zu können, welchen Faden seine Arzthelferinnen da gerade mitmachen. Um den viel zu wertvollen Impfstoff nicht wegschütten zu müssen, wird kurzerhand die Liste (noch stehen 1000 Patienten darauf) abtelefoniert, wer mal eben auf die Schnelle kommen könne. Da wähle man sich die Finger wund und könne sich freuen, wenn man binnen einer Stunde wenigstens drei oder vier Ersatzkandidaten gefunden hat, schildert der Arzt.

„Das wird richtig stressig“

Hinzu kommt die kurze Vorwarnzeit bei der Lieferung des Impfstoffs. Meistens erst Donnerstag oder Freitag, so dass dann am Wochenende die Scharen der Impfkandidaten rekrutiert werden müssen.  Dr. Ute Friedrich-Pagels hat vergangene Woche 150 Dosen Astrazeneca angekündigt bekommen, da war ihr klar: „Das wird richtig stressig.“ Denn bei dem eigentlich zu Unrecht ins Gerede gekommenen Stoff fangen die Diskussionen und Vorbehalte sofort an. „Ich träume schon nachts davon.“

Die Ärztin, die mit ihrem Kollegen Dr. Markus Adler die Praxis am Westenhellweg führt, stellt fest: „Wir arbeiten wirklich sehr viel.“ Beinahe rund um die Uhr und an den Wochenenden. Schließlich kommen noch die Bürgertests hinzu und vor allem das ganz alltägliche Praxisgeschäft. „Denn sonst bleiben die Kranken auf der Strecke.“

Um das alles zu schaffen, hilft jetzt sogar der Vater der Ärztin. Mit seinen 78 Jahren kommt Dr. Dirk Friedrich mehrmals die Woche zurück in seine „alte“ Praxis, um möglichst viel zu impfen. Sein großes Plus dabei: „Die Wiedersehensfreude“ und auch der rasch akzeptierte Rat des erfahrenen Mediziners: Eine Dosis Astrazeneca sei das Beste, was man kriegen könne, angesichts der Gefahr, fürchterlich krank zu werden.

„Mal zeigen, was wir können“

„Wir haben sogar extra Personal eingestellt“, schildert Dr. Tobias Samusch, der mit zwei Kollegen eine Praxis im Ärztehaus des Klinikums betreibt. Natürlich sei das alles gerade „aufwendig“, doch „was bleibt uns denn anderes übrig?!“ Der Arzt spricht von „positiver Haltung“ und sogar von „Ehrensache“: Jetzt könnten die Hausärzte sich behaupten und zeigen, was sie können. Zuvor waren ihnen die Verantwortlichen ja eher skeptisch begegnet und hatten lange gezögert, die Hausärzte beim Impfen miteinzusetzen. So viel Zuversicht spiegelt sich auch in den Zahlen: Die Praxis sei gerüstet, bis zu 200 Patienten pro Woche zu impfen.

„Ja, es ist deutlich mehr angekommen als vergangene Woche“, bestätigt schließlich auch Dr. Heinz Ebbinghaus, der Sprecher der örtlichen Hausärzte. Nachdem vergangene Woche gerade bei dem eher beliebteren Stoff von Biontech nichts geliefert worden war, haben er und seine Kollege Jens Fischer diesmal 12 Fläschchen erhalten, die für mehr als 70 Spritzen reichen. Um das logistisch zu bewältigen, bleiben ihnen „die Abendstunden und der Mittwochnachmittag“.

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