Gartenserie

Grüner Dünger für den Boden

Regenwolken über dem Taunus
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Was auf dem Feld funktioniert, kann auch eine Lösung für den heimischen Gemüsegarten sein: Gründünger. Wie es funktioniert, erklärt Gartenexperte Klaus Fischer.

Soest – Immer wieder kann man in der Börde Felder sehen, auf denen blau blühende Pflanzen wachsen. Diese werden nicht geerntet, bringen keine interessanten Früchte und wachsen bis zum Winter einfach so vor sich hin. Am Namen „Bienenfreund“ kann man immerhin erkennen, dass dieses Gewächs, das eigentlich Phacelia genannt wird, für die Insektenwelt und speziell die Bienen eine große Bedeutung hat.

Phacelia
auch bekannt alsBienenweide, Bienenfreund, Büschelschön oder Büschelblume
Familie Raublattgewächse

Allerdings bauen die Bauern Phacelia nicht deswegen an. Es handelt sich bei dieser Pflanze um einen Gründünger. Damit sind Gewächse gemeint, die nach der Ernte der Hauptfrucht eingesät werden, meistens bis zum Winter stehen, dann erfrieren, und deren Reste dann später untergepflügt werden. Es gibt aber auch Gründünger, der winterhart ist und deshalb gemulcht werden muss.

Gründünger: Blanker Boden schnell mit Pflanzendecke bedeckt

Gründüngung hat verschiedene Wirkungen. Da wird zum einen der blanke Boden sehr schnell mit einer Pflanzendecke bedeckt. Roher Boden kommt in der Natur für gewöhnlich nicht vor. In Windeseile werden solche Stellen von den unterschiedlichsten Pflanzen besetzt, die meistens nicht im Sinne des Bauern oder Gärtner sind: Wildkräuter, Beikräuter, Unkräuter, wie auch immer man sie bezeichnen mag.

Zum anderen verbessern diese Gründünger den Boden, fördern die Humusbildung, lockern ihn mit ihren Wurzeln auf, reichern ihn je nach Pflanzenart noch mit Stickstoff an oder sorgen auch dafür, dass Schädlinge unterdrückt werden wie Nematoden im Boden. Nicht zuletzt verbessert sich die Nährstoffbilanz im Boden durch das Einarbeiten oder Mulchen der Reste der Gründüngung.

Gründünger für freie Flächen im Gemüsegarten

Was auf dem Feld gut ist, klappt auch im Garten. Durch die Ernte sind inzwischen einige Flächen im Gemüsegarten frei geworden. Erbsen und Bohnen sind längst verarbeitet, die Kartoffeln räumen je nach Sorte ihren Standort, Salate, Rettich und Radieschen sind abgeerntet. Für die meisten Nutzpflanzen ist es jetzt für einen erneuten Anbau zu spät im Jahr. Deshalb sollten wir die freien Flächen zügig mit einer Gründüngung einsäen. Allerdings muss man dabei einiges beachten. Denn Hauptfrucht und Gründüngung müssen zueinander passen nach dem Motto, dass der Gründünger nicht aus der gleichen Pflanzenfamilie sein soll.

Nach Bohnen und Erbsen, die zu den Leguminosen gehören, sollten weder Düngelupinen, Alexandrinerklee noch Inkarnatklee angebaut werden, auch wenn diese drei Arten zu den wertvollen Stickstoffsammlern an ihren Wurzeln zählen. Wicken stammen ebenfalls aus dieser Familie.

Kreuzblütler bekämpfen Nematoden im Boden

Kohl, Rettich und Radieschen gehören zu den Kreuzblütlern. Ebenfalls aus dieser großen Familie stammen die Gründünger Ölrettich und Gelbsenf, die nach obiger Regel nicht folgen dürfen, aber beispielsweise gut auf Möhren und Rote Bete wachsen können. Sie bekämpfen auch Nematoden im Boden. Gegen Nematoden wirken ebenfalls Tagetes und Phacelia. Lupinen und Sonnenblumen hingegen haben sehr tief reichende Wurzeln und lockern deshalb verdichteten Boden auf. Wicken und Phacelia bilden eine sehr dichte Pflanzendecke und unterdrücken damit Unkrautwachstum. Beide frieren im Winter ab und werden im Frühjahr bei der neuen Einsaat in den Boden eingearbeitet.

Am unproblematischsten von allen Gründüngern ist der Bienenfreund. Denn er gehört keiner Pflanzenfamilie an, aus denen die vorher angebauten Nutzpflanzen stammen, kann also nach jeder Vorfrucht als Gründüngung folgen.

Der Sinn der Regel, dass man keinen Gründünger aus der gleichen Pflanzenfamilie wie die Vorfrucht anbauen soll, besteht darin, die Ausbreitung von Krankheiten zu unterbinden. Eine solche gefährliche Krankheit ist beispielsweise die Kohlhernie. Sie wird durch einen Schleimpilz im Boden ausgelöst, der die Wurzeln vieler Kreuzblütler befällt. Es entstehen dicke Wucherungen an den Wurzeln, die die Versorgung der Pflanze mit Wasser und Nährsalzen erheblich stört bis hin zum Absterben der Pflanze. Der Erreger dieser Krankheit kann viele Jahre im Boden überdauern. Haben wir in unserem Beet Kohlhernie festgestellt, dürfen dort über mindestens sieben Jahre keine Kreuzblütler mehr wachsen. Dazu zählen auch Hederich und Hirtentäschelkraut, zwei Unkräuter, die oft in unseren Gärten wachsen und deshalb bei Kohlherniebefall gezielt und konsequent bekämpft werden müssen.

Weitere Folgen der Gartenserie mit Klaus Fischer können Sie hier nachlesen.

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