Nachhaltigkeit im Becher

Soester Eismanufaktur sagt Plastik Kampf an

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Eis und Kaffee zum Mitnehmen gibt es in der Soester Eismanufaktur in biologisch abbaubaren Verpackungen. Anne-Marie Schwarze und Torsten Ritzki geben die Produkte guten Gewissens über die Theke.

Soest - Am Ende überhaupt kein Plastik mehr über die Theke geben: Diesem Ziel hat sich die Soester Eismanufaktur verschrieben. Die Umstellung ist angelaufen. Eine Bestandsaufnahme

Torsten Ritzki ist Realist. „Wir werden es nicht schaffen, ganz ohne Plastik auszukommen“, räumt er ein. Denn wer etwa Mangopüree oder Kokosraspeln für die Eisproduktion einkaufe, werde nun einmal mit Plastikverpackungen beliefert. „Daran können wir nichts ändern“, sagt Ritzki klipp und klar.

Doch der 49-jährige Inhaber der Soester Eismanufaktur will seine Produkte trotzdem „mit möglichst gutem Gewissen und möglichst nachhaltig“ anbieten. Deshalb hat er sich jetzt die Verpackungen vorgenommen, die er über die Theke reicht. Da nämlich gebe es längst Alternativen zum Plastikstrohhalm, zum mit Plastik beschichteten Eisbecher – oder zum Plastikdeckel auf dem „Coffee to go“.

„Das hat alles seinen Preis“, sagt Torsten Ritzki. Doch inzwischen könne es sich die Eismanufaktur leisten, Mehrkosten in Höhe von 10 bis 15 Prozent für die Alternativ-Behältnisse zu kompensieren.

Aus Zuckerrohr und Zellulose

Anstatt der üblichen Pappbecher mit dünner Plastikinnenschicht bei den Eisbechern stehen deshalb nun Pappbecher mit biologisch abbaubarem Material im Regal. Die Innenschicht, bestehend aus Zuckerrohr und einer Zellulose, leiste das gleiche wie Plastik, mache aber beim Wegwerfen kein schlechtes Gewissen, so der Eisexperte – der gerade auch zu einem Verpackungsexperten avanciert.

Ähnlich sieht es bei den großen Eisbechern zum Mitnehmen aus: die bestehen anstatt aus Plastik aus Zuckerrohr und Pflanzenfasern. Die Reste zerfallen so innerhalb von Monaten anstatt von Jahrhunderen. Auch mit Palmblättern hat der Mann hinter der Eistheke schon experimentiert: Die seien zwar optisch und von der Qualität her sehr schön, „aber für uns im Moment einfach unbezahlbar“. 

Falten, trinken, kompostieren: Die Kaffeebecher in der Soester Eismanufaktur kommen ohne Plastik aus.

Bezahlbar dagegen sind Strohhalme aus Plastikstrohhalme aus PLA, einer Mischung aus Mais, Stärke und Milchsäure. Die haben die Vorgänger aus Plastik längst verdrängt. Und die Kaffeebecher zum Mitnehmen gibt es ab sofort nur noch ohne Plastikdeckel. 

Holzlöffel ersetzen die Plastiklöffel

Stattdessen gibt es einen Pappbecher, der oben so geklappt wird, dass ähnlich wie in einer Schnabeltasse nur noch ein kleines Loch zum Trinken bleibt. „Geht wunderbar“, sagt Torsten Ritzki. Bleibt nur noch die Frage nach dem Löffel fürs Eis für unterwegs: Nach den Plastiklöffeln haben in der Soester Eismanufaktur inzwischen Holzlöffel Einzug gehalten. 

„Zusätzlich dazu bieten wir jetzt kompostierbare Löffel aus Bioplastik an“, erklärt Torsten Ritzki. Die seien zwar viel teurer als die Holzlöffel, „doch das machen wir jetzt einfach“.

"Irgendwer muss ja anfangen"

Wieso ausgerechnet ein kleines Eiscafé Vorreiter sein will in Sachen Umweltschutz? „Irgendwer muss ja anfangen“, meint Ritzki, „und ich weiß, dass ich die Umwelt damit nicht noch mehr schädige. Das ist ein gutes Gefühl.“

Die Umwelt nicht weiter schädigen, das hat sich auch Marion Wagener aus dem Café Paradies auf die Fahne geschrieben. Nicht nur das Eis bezieht ihr Café im Soester Stadtpark aus der Eismanufaktur. 

Gleiche Philosophie in Sachen Nachhaltigkeit

Auch das nachhaltige Konzept verbindet die beiden Unternehmen. „Wir haben zwei gute Gründe: Einmal ist es ein lokales Unternehmen, das gigantisch leckeres Eis produziert; und dann haben wir die gleiche Philosophie was Nachhaltigkeit betrifft“. 

Die Idee beim Außer-Haus-Verkauf auf Plastik zu verzichten findet Wagener gut. „Allerdings würde ich beim Eis immer zu einer Waffel tendieren, die ich aufessen kann“, schränkt sie ein. Nur wer das nicht wolle, solle sich mit Eismanufaktur-Konzept der kompostierbaren Verpackungen anfreunden. 

Vorbild für andere?

Dass man sich vor dem geplanten Start eines Kiosks im Soester Stadtpark noch einmal austauschen werde in Sachen Einwegverpackungen, das steht für Marion Wagener außer Frage, „weil in der Eismanufaktur vieles so geregelt ist wie es auch unserer Philosophie entspricht“. Das klingt wie ein Kompliment. 

Ob der Weg der Eismanufaktur auch für andere ein Vorbild sein könnte? Torsten Ritzki: „Das weiß ich nicht. Auch bei den Bio-Produkten gibt es ja Kritiker, die Zweifel daran haben, dass der biologische Fußabdruck bei der Herstellung vertretbar ist. Und was die Zukunft für Möglichkeiten bringt, das wird sich zeigen.“

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