"Beachtliche kriminelle Energie"

Soester Drogenhändler: So lange muss der Familienvater hinter Gitter

Weil er Marihuana an Jugendliche verkauft und sie auch als "Läufer" eingesetzt hatte, muss ein 51-jähriger Soester in Haft.

Soest – Sein gemütliches Wohnzimmer im heimischen Domizil im Soester Südosten wird ein 51-jähriger Familienvater bald gegen eine wohl deutlich weniger gemütliche Gefängniszelle eintauschen müssen: Wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels und Anstiftung von Minderjährigen dazu verurteilte ihn die Große Strafkammer des Arnsberger Landgerichts zu einer dreijährigen Haftstrafe. 

Aufgeflogen war der aus dem Kosovo stammende Mann, der seit einiger Zeit arbeitslos ist, bereits vor mehr als drei Jahren – dass sein Gerichtsverfahren wegen akuter Überlastung der Justiz erst jetzt über die Bühne gehen konnte, war neben der angeschlagenen Gesundheit des Mannes seiner bisherigen strafrechtlichen Unbescholtenheit und der Tatsache, dass er relativ kleine Mengen ausschließlich weicher Drogen verkauft hatte, ein Beweggrund für die Kammer, von einem minderschweren Fall auszugehen. Ansonsten hätte ihm eine Mindeststrafe von fünf Jahren gedroht. 

„Sie haben eine beachtliche kriminelle Energie bewiesen“, warf die Staatsanwältin dem Soester dennoch vor – und hatte dabei vor allem dessen „Geschäftsmodell“ im Fokus, bei dem er Jugendliche nicht nur als Kunden mit Marihuana versorgte, sondern sie auch als „Läufer“ einsetzte, die für ihn jeweils kleine Mengen in deren Freundes- und Bekanntenkreis verkauften. 

Eine dieser Jugendlichen, die selber bereits ein einschlägiges Strafverfahren hinter sich hat und in dem Verfahren gegen ihren Lieferanten als Zeugin ausgesagt hatte, war zur Tatzeit Ende 2013 bis Frühjahr 2014 erst 15 Jahre alt gewesen. „Es kann Ihnen nicht verborgen geblieben sein, dass Sie Ihre Drogen da an Minderjährige verkauft haben“, ließ der Vorsitzende Richter bei der Urteilsbegründung keinen Zweifel daran, dass dem Angeklagten das Alter seiner Kunden und Verteiler klar gewesen war. 

Damit widersprach er dem Verteidiger, der einen Freispruch für seinen Mandanten gefordert hatte. Weder sei bewiesen worden sei, dass der überhaupt mit Drogen gehandelt habe, geschweige denn habe er das Alter vermeintlicher Kunden wissen können. Immerhin durfte sich der Soester freuen, dass nur ein kleiner Teil der ihm ursprünglich zur Last gelegten Fälle, genau 14, im Urteil berücksichtigt wurden, die anderen wurden eingestellt. 

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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