Am Dasselwall markiert „Extinction Rebellion“ Bäume mit Tonfarben:

Rebellen legen Hand an Wall-Linden

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Kunst oder Schmiererei? Spaziergänger auf dem Dasselwall wunderten sich über große Hände auf den Linden. Die hatten zuvor Aktivisten der „Extinction Rebellion“-Ortsgruppe mit Tonfarben angebracht.

Soest – Großflächig, archaisch, an Höhlenmalereien erinnernd: Seit dem späten Donnerstagabend haben einige der Linden am Soester Dasselwall markante Verfärbungen auf der Rinde: große, braune Hände, rot umrandet, an ein blutiges Szenario angelehnt.

Es handelt sich um jene Linden, die der Wallsanierung zum Opfer fallen sollen. Urheber der Malereien ist die Soester „Extinction Rebellion“ (XR)-Ortsgruppe. „Wir haben mit umweltfreundlichen Tonfarben gearbeitet“, sagt Mark Linnenbrügger, der gemeinsam mit 20 weiteren Aktivisten die Aktion verantwortet. „Die Bäume erleiden keinen Schaden dadurch, das ist uns wichtig“, so Linnenbrügger weiter. Gruppen-Initiatorin Leya Paschen fügt hinzu: „Wir wollen nicht nur die globalen Themen im Auge behalten, sondern deutlich machen, dass wir auch lokal genau hinsehen, was passiert.“

In ihrer Erklärung begründet die Gruppe die Aktion so: „Extinction Rebellion, die Rebellen für das Überleben, haben sich nun der Linden auf dem Soester Wall angenommen, denen von der Stadt entgegen einem bemerkenswerten Bürgerbegehren für die Rettung der Bäume der Garaus gemacht werden soll. Im ersten Schritt nur erst einmal symbolisch, indem wir sie mit auf Ton und Gips basierender und völlig unschädlicher Naturfarbe markiert haben.

Extinction Rebellion sagt damit aus, dass auch sie nun „Hand an die Bäume“ legen, und sie quasi unter ihren Schutz stellen, wie auch das Leben vieler anderer Arten. Vor allen Dingen aber soll es eine ständige Erinnerung an alle Soester sein, dass diese Bäume auch Teil ihres Lebensumfeldes seien.

Die Gruppe arbeitete in Abstimmung mit anderen Kritikern der Wallsanierung, insbesondere der Walllinden-Initiative, die gerade eine erfolgreiche Unterschriften-Aktion durchgeführt hatte.

Doch die XR-Aktivisten wünschen sich noch mehr Bürger-Engagement, noch mehr Protest. Mark Linnenbrügger: „Extinction Rebellion ruft alle Soester Bürger, die sich für den Erhalt der Bäume einsetzen wollen, auf, ebenfalls ein sichtbares Zeichen zu setzen.“

Der Phantasie seien hier keine Grenzen gesetzt, sofern insbesondere an den Bäumen aber auch sonst kein bleibender Schaden angerichtet werde. Klar: Bei Susanne Lüftner-Haude, einer der Haupt-Initiatoren der Walllinden-Initiative, stieß die Aktion auf Begeisterung. „Für mich heißt die Botschaft: Diese Bäume sollen eine Zukunft haben, sollen bleiben“, so die engagierte heimische Künstlerin. Bei einer Betrachtung im richtigen Licht seien die Malereien wie eine Erscheinung, die aus der Rinde wachse. Das habe neben der klaren Botschaft sogar eine künstlerische Qualität.

Der Wall soll glühen

Die drei Initiativen „Kunstpraxis Soest“, „Kreis engagierter Bürger“ und „Wallinden-Initiative“ laden am kommenden Sonntag ab 16 Uhr zum „Wallglühen“ ein, das am Aufgang des Dasselwalls über dem Durchgang Rosengarten stattfindet. Es soll diskutiert und gefeiert werden, zudem gibt es Gedichtetes und die Gäste werden gebeten, Gebackenes und Leckeres zum Adventspicknick mitzubringen.

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