Mutige Idee

Soester Architekt möchte 60 Meter hohen Turm aus Stahl und Glas mitten in die Altstadt setzen

Turm auf dem Soester Petrikirchplatz
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Neuzugang: So sähe die Soester Skyline mit dem Grüttner-Turm inmitten der Kirchürme aus.

Die Soester Skyline hat sich seit Jahrzehnten, ja Jahrhunderten nicht gewandelt: Die Türme von Patrokli, Petri, Wiese und Pauli bestimmen das Bild, allenfalls zur Kirmes mischt für ein paar Tage ein Power-Tower oder dergleichen die Szenerie auf. Jetzt aber kommt Bewegung in die Sache, mindestens aber in die Diskussion. 

Soest - Der Soester Architekt Bernd Grüttner, schon immer ein Verfechter moderner Architektur, legt eine Konzeptstudie für einen 18-geschossigen Rathausturm vor. Nicht irgendwo am Rand, sondern mittendrin – auf dem Petrikirchhof und somit direkt vor dem Rathaus.

„Soester Freiheit – ein neuer Turm“, hat Grüttner seine Idee überschrieben. Der 71-Jährige ist überzeugt: „Moderne Architektur kann das Stadtbild enorm bereichern.“ Denn letztlich sei auch das heutige Stadtbild historisch gesehen nicht mehr als eine Momentaufnahme, ein „Zwischenergebnis einer jahrhundertelangen Baugeschichte mit vielen Baustilen“. Soest sei ein lebendiges Gebilde, das immer wieder durch moderne Architektur ergänzt wurde und wird.

60-Meter-Turm in Soest: Betonkisten aus den 70er-Jahren

In den letzten 75 Jahren seit Kriegsende ist allerdings wenig Markantes hinzugekommen. Am Augenfälligsten sind vielleicht noch die beiden Betonkisten Sparkasse und Kaufhof aus den 70er-Jahren. Womöglich haben deren umstrittene Fassaden vielen Soestern den Mut genommen, über was Zeitgenössisches nachzudenken und Neues zu wagen.

Der neue Turm wäre so ein Zeichen der Zeit, ein Hingucker, ein Riese, der seinesgleichen sucht. 15,5 mal 15,5 Meter Grundfläche, mehr als 60 Meter hoch, als Stahl und Glas, von seiner Anmutung her erinnert er ein wenig an den noch recht jungen Turm der Europäischen Zentralbank im Frankfurter Osten.

60-Meter-Turm in Soest: unten das Bürgerbüro

Der Turm könnte / sollte, sagt Grüttner, nicht in erster Linie bewohnt werden, sondern Platz zum Arbeiten und zur Begegnung schaffen. Ganz unten käme das Bürgerbüro rein, die tägliche Anlaufstelle für die Bürger, wenn sie einen neuen Personalausweis bestellen oder sich nach ihrem verlorenen Portemonnaie erkundigen wollen.

Nach oben geht es mit 14 Büroetagen weiter, sie böten Platz für 220 Arbeitsplätze. In der Spitze im 17. Obergeschoss könnte der Stadtrat tagen, und gleichsam von oben herab könnten die Soester ihrem Stadtrat zuhören und zusehen – von der Empore und Besuchertribüne im 18. Geschoss aus. Welch eine Symbolik.

Der Turm auf dem Petrikirchplatz könnte so aussehen.

Im Gegensatz zu den historischen, massiven und geschlossenen Grünsandsteintürmen der Kirchen soll Soests neuer Turm als offener Glaskörper geformt werden. Grüttner beschreibt es so: „Seine Fassade soll als eine durchgehende, ohne erkennbare Unterteilung wirkende, große Glasfläche gedacht sein.“

Der gläserne Monolith würde einerseits den Blick in das Gebäude erlauben. Andererseits lösen Transparenz und Spiegelungen den Baukörper auf und vermeiden so trotz der 60-Meter-Höhe jegliche Dominanz.

60-Meter-Turm in Soest: Blick nach vorn

„Seit 30 Jahren treibt mich das um“, sagt Grüttner zu Motivation und Antritt für seinen Entwurf. „Die ganze Diskussion zuletzt zum Wall und seinem Umbau stört mich, wir gehen hier in Soest immer nur rückwärts durchs Leben.“ Mit dem Turm-Projekt sollte und könnte „der Blick nach vorn gerichtet werden“.

Warum nicht endlich mal „was super Gutes neu bauen“?! Der neue Turm könne durchaus bereichernd sein für die Stadtsilhouette, die er schätze. Denn ein bloßes Gedenken und Festhalten an den Bauten früherer Generationen sein „allein noch kein Verdienst“.

60-Meter-Turm in Soest: Bruch zum Stadtbild

„Da muss ich mich erst einmal reinvertiefen“, sagt Stadtbaurat Matthias Abel zu der Turm-Idee. Aber auch ohne detaillierte Auseinandersetzung sieht er einen „erheblichen Bruch“ zum heutigen Stadtbild und vor allem zu der Fortentwicklung. Neue Vorhaben könnten durchaus modern sein, müssten sich aber „behutsam einfügen“. Beispiele dafür gebe es durchaus: Etwa mit dem Erweiterungsbau der Stadtbücherei oder mit der neuen Patrokli-Kita in der Schonekindstraße.

Das Turm-Konzept, so Abel, sei eine „klare Provokation“ im besten Sinn und lade gerade dazu ein, sich Gedanken über das Bauen von morgen zu machen.

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