Bei Grabung in der Thomästraße

Archäologen finden Teil der alten Stadtbefestigung

Frederik Heinze, Olaf Steinbicker, Julia Ricken (v.l.) zeigen stolz Funde aus dem Graben.
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Frederik Heinze, Olaf Steinbicker, Julia Ricken (v.l.) zeigen stolz Funde aus dem Graben.

„Mit so etwas hatten wir gar nicht gerechnet“, erzählt Frederik Heinze, Grabungsleiter der Soester Stadtarchäologie. Er und sein Team hatten auf dem ehemaligen Parkplatz auf der Thomästraße, direkt neben dem alten Anno, eine Grabung durchgeführt, weil hier ein neues Gebäude errichtet werden soll.

Soest – Dabei stießen die Forscher völlig überraschend auf einen bisher noch unbekannten Spitzgraben.

Doch der war nicht einfach nur irgendein Loch, das mal jemand gebuddelt hatte, sondern stellte sich als Teil der Soester Stadtbefestigung in ottonischen Zeiten heraus. „Das ist das fehlende Puzzlestück, das Funde in benachbarten Gebieten zusammenfügt“, freut sich Julia Ricken, die künftige Leiterin der Stadtarchäologie.

Graben musste für die Wälle weichen

Solche Spitzgräben waren im Mittelalter vor der eigentlichen Stadtmauer angelegt worden, um Angreifern den Vormarsch auf die Stadt zu erschweren. Das nun gefundene Soester Exemplar schätzt Grabungsleiter Heinze auf eine Länge von etwa 14 Metern.

Wie alt der Graben an der Thomästraße genau ist, können die Forscher aktuell noch nicht sagen. Was aber für sie feststeht ist, dass dieser vor 900 bis 1 000 Jahren verfüllt wurde. Das geschah im Rahmen der Neuanlage der heute immer noch vorhandenen Wälle im Jahr 1180. Diese hatten den Graben an der Thomästraße überflüssig gemacht. „Damals haben die Menschen alles mögliche verwendet, um solche Gräben zu verfüllen“, erklärt Heinze. „Sie haben dafür Schutt, Keramikteile, Tierknochen und auch Schlachtabfälle hineingeschüttet.“

Für Archäologen eine echte Goldgrube

Dementsprechend entpuppte sich der mittelalterliche Graben für die Archäologen nun als echte Goldgrube, immerhin fanden sie darin allerhand unterschiedliche Überbleibsel aus der Soester Stadtgeschichte. Wetz- und Mühlensteine, aber auch Kämme aus Tierknochen hatten die lange Zeit darin gut überstanden. Dazu lagen im Graben unzählige einzelne Keramikstücke. „Wir haben eine Mitarbeiterin, die immer mal wieder versucht, diese Teile zusammenzusetzen“, sagt Heinze. So hätten schon ein paar Gefäße rekonstruiert werden können.

Aktuell katalogisieren die Forscher all ihre Funde, zu denen auch Bodenproben gehören. „Naturwissenschaftlich kann man damit eine Menge anfangen“, erhofft sich Heinze, so das Alter des Grabens besser eingrenzen zu können.

Weiterführende Ausgrabungen sind aufgrund des überraschenden Fundes allerdings nicht geplant. „Wir machen so etwas immer nur anlassbezogen“, erklärt Olaf Steinbicker, Abteilungsleiter der Stadtentwicklung und Bauordnung. Weitere Baumaßnahmen in der Altstadt seien derzeit nicht geplant.

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