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Soester Ärzte büffeln Deutsch für ihre Zulassung

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Von: Achim Kienbaum

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Niky Rosini (links) und Nana Kufuor sehen ihre berufliche Zukunft am Klinikum Stadt Soest. Die dafür nötigen Sprachkenntnisse müssen sie in einer Prüfung vor der Ärztekammer in Münster nachweisen. © Beilenhoff

Soest – Für den Hausgebrauch mag es erst mal reichen, der fachliche Austausch mit Kollegen oder Kunden ist aber ein ganz anderes Kaliber. Und deshalb unterstützen einige Soester Unternehmen ihre ausländischen Mitarbeiter dabei, auf ihre jeweiligen Branchen zugeschnittene Sprachförderungen in Anspruch zu nehmen. Für Ärzte ist das sogar Pflicht.

Die Nachfrage ist da, Anbieter auch – und damit ein Markt, den unter anderem das Kolping-Bildungswerk und die Soester Volkshochschule schon länger entdeckt haben. Sprachkurse für Zuwanderer gehören bei ihnen sowieso zum Standardprogramm, branchenspezifische Angebote sind in den vergangenen Jahren zusätzlich entwickelt worden.

„Wir gehen sowohl in die Betriebe, einige schicken ihre Mitarbeiter aber auch zu uns“, erklärt Anja Plesser, zuständige Bereichsleiterin bei der VHS. Wichtig sei, Inhalte und Zeitrahmen der Angebote wirklich passgenau auf die Bedürfnisse der Unternehmen und ihrer Mitarbeiter zuzuschneiden. Das erfordert auch ein erhöhtes Maß an Vorbereitung bei den Dozenten. Kunden der VHS für diese Kurse kommen sowohl aus dem produzierenden Gewerbe, als auch aus dem Dienstleistungssektor und dem medizinischen Bereich. 

Besonders in Letzterem ist auch das Kolping-Bildungswerk aktiv. Oksana Kojuschna koordiniert dort die Sprachkurse, sie berichtet von mehreren Ärzten aus der Region, die im Einzelunterricht auf die anspruchsvolle Fachsprachenprüfung bei der Ärztekammer in Münster vorbereitet wurden und werden. Ohne die dürfen die Mediziner in Deutschland zwar hospitieren, aber nicht selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten. 

Niky Rosini (34) ist Neurologin, hat in ihrer italienischen Heimat in Udine Medizin studiert und kam Anfang 2018 mit ihren in der Schule erlernten Deutschkenntnissen nach Soest. Während ihrer Hospitanz im Klinikum Stadt Soest büffelte sie so intensiv, wie es die anstrengende Arbeit im Krankenhaus zuließ, für die Prüfung. 

„Diese Zeit war sehr anstrengend, aber das Lernen hat sich gelohnt, weil ich so auf die wirklich anspruchsvolle Prüfung vorbereitet war“, erinnert sie sich. Groß war dann die Erleichterung, als sie bestand und damit der Weg frei für ihre Approbation und eine Anstellung als Assistenzärztin im Klinikum war. 

Nana Kufour (31) steht das noch bevor. Er stammt aus dem englischsprachigen Ghana, hat Medizin aber in Ungarn studiert. Deutsch war für ihn völliges Neuland, als er vor knapp einem Jahr in Gütersloh landete. Seitdem hat er sehr intensiv gelernt, die Grundlagen schon gelegt und bereitet sich jetzt neben seiner Hospitanz am Klinikum auf die Prüfung in Münster vor. 

Bücherwissen ist dabei wichtig, aber fast noch wichtiger, das bestätigt auch Niky Rosini, ist der tägliche Austausch mit Patienten und Kollegen. „Da können wir anwenden, was wir gelernt haben und es vertiefen“, erklärt Kufour. Und: Beiden liegt die Nähe zu den Menschen, denen sie mit ihrem medizinischen Wissen helfen wollen, ohnehin besonders am Herzen. 

Obwohl noch ausgesprochen jung an Berufsjahren, ist schließlich auch den beiden Nachwuchsärzten nicht entgangen, dass Sprache (neben Lachen) eine richtig gute Medizin sein kann.

Schon 5000 Fachsprachenprüfungen in Münster

Seit fünf Jahren sind die beiden Ärztekammern in NRW dafür zuständig, für ausländische Mediziner eine standardisierte Fachsprachenprüfung durchzuführen. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe hat in diesem Zeitraum bereits 5000 dieser Prüfungen abgenommen. Die Nichtbestehens-Quote betrug dabei knapp 51 Prozent. Insgesamt traten bis Ende 2018 fast 3000 ausländische Ärzte aus 99 verschiedenen Ländern an, die große Mehrheit (81 Prozent) aus Ländern außerhalb der EU. Sie können die Prüfung wiederholen. Die besteht aus drei jeweils 20-minütigen Teilen: ein simuliertes Anamnese-Gespräch zwischen Arzt und Patient, der schriftlichen Dokumentation dieses Gespräches und einem anschließenden Arzt-Arzt-Gespräch. Die Fachsprachenprüfung ist keine medizinische Kenntnisprüfung.

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