Abitur in Corona

Soester Abiturienten wollen es unbedingt durchziehen

Abi Klausur Sporthalle
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Abstand aus doppeltem Grund: Um nicht spicken zu können und um sich nicht anzustecken, werden Abi-Klausuren schon mal in der großen Sporthallegeschrieben.

Von wegen Osterferien. Die angehenden Abiturienten in Soest pauken, und die meisten wollen unbedingt die Prüfungen, Zensuren und ein richtiges Abi-Zeugnis und nicht so eine Art Teilnahmebescheinigung. Schulleiter und Kollegien sind damit beschäftigt, die letzten Schulwochen coronakonform zu gestalten

 Soest – Wir haben uns in den Gymnasien, den Berufskollegs und der Gesamtschule umgehört.

„Wir sind alle genervt“, sagt Lea Dröge. Die 18-jährige Schülersprecherin am Aldegrever-Gymnasium fügt sofort hinzu: „Genervt aber nicht von der Schule, sondern von der gesamten Situation.“ Die Abiturienten hätten sich vieles selber beibringen müssen. Und nun zum „krönenden“ Abschluss: Kein Abiball und auch keine Lust, sofort ins Studium zu gehen und dort wiederum lockdownmäßig und isoliert zu lernen.

Bloß nicht veräppeln lassen

Doch Lea sagt auch „ganz ganz klar“: Das wird jetzt durchgezogen. Vorschläge wie der von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, auf Abi-Klausuren zu verzichten, seien völlig daneben. „Ich möchte diese Prüfungen auf jeden Fall haben, denn dafür bin ich zur Schule gegangen.“ Die Gymnasiastin würde sich „veräppelt“ vorkommen, wenn man ihr jetzt dieses Finale nimmt.

Leas Schulleiter Martin Fischer sitzt heute mit seinen Kollegen aus der Schulleitung zusammen, um alles zu arrangieren. „Wir bereiten uns ganz normal vor.“ Ganz normal heißt freilich: Man wisse nie, was der Tag noch so bringt, ob womöglich am Freitagnachmittag eine Mail aus dem Schulministerium kommt, das sich womöglich einen Kurswechsel überlegt hat (siehe Infokasten).

„Wir warten auf das, was kommt“, sagt auch Thomas Busch, der Leiter des Hubertus-Schwartz-Berufskollegs. Er hat mit vielen der 47 jungen Leute gesprochen, die hier ihr das Wirtschafts-Abitur anpeilen. „Die wollen das unbedingt.“ Die nächsten zwei Wochen kommen die Kollegschüler noch einmal in Präsenzunterricht und in kleinen Gruppen zusammen. Volle Konzentration auf die Prüfungsfächer. Dann die Klausuren und in sechs Wochen das Mündliche.

„Wir sind gut vorbereitet“

„Wir ziehen das jetzt durch“, so Busch. Wiederum mit Corona-Tests. In der Woche vor den Ferien waren bereits 1200 Schüler getestet worden, bei nur zweien gab es positive Befunde.

„Wir sind gut vorbereitet!“, lautet die Einschätzung von Klassensprecherin Jasmin Romberg. Auch sie sagt über sich und ihre Mitschüler: Jetzt noch auszuscheren, die Prüfungen abzublasen und gleichsam mit einer Teilnahmebescheinigung statt eines Abiturzeugnisses ins Leben zu gehen, finde am Hubertus Schwartz „keine Befürworter“. Und dennoch sei man ein wenig traurig: „Die schönen Sachen fallen weg – das gemeinsame Lernen, die letzte Klassenfahrt.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, das gesamte Abitur zu kippen“, lautet die Einschätzung von Kerstin Haferkemper, der Leiterin der Hannah-Arendt-Gesamtschule. Auch wenn „diese Schulministerin uns auf Trab hält“, zeichne sich jetzt doch ein Abi mit regulären Prüfungen und Abläufen ab. Man habe Erfahrungen damit, schon im vergangenen Jahr lief das so. Freilich mit einem gravierenden Unterschied: Die 2020er-Abiturienten erwischte Corona erst auf der letzten Meile, die 21er-Abiturienten haben über Wochen und Monate zu Hause gehockt. Haferkemper: „Die hatten es besonders schwer.“

Nützt nichts, lautet die Devise im Börde-Berufskolleg. Präsenz nur in kleinen Gruppen und auch nach den Osterferien noch viel Lernen auf Distanz. „Die Stimmung ist entsprechend gut“, sagt Hansjörg Bruland von der Schulleitung, „die Schüler haben sich sehr gut arrangiert.“

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