Onkel getötet

Nach tödlichen Messerstichen im Juli: Junger Soester wieder auf freiem Fuß

19jähriger Soester Messerstecher Onkel tot
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In Handschellen wurde er am ersten Verhandlungstag vorgeführt, als freier Mann konnte er nach dem Urteil den Gerichtssaal verlassen. Der 19-jährige Soester hatte im Sommer seinen Onkel erstochen.

Als freier Mann konnte ein inzwischen 19-jähriger Soester am Dienstag das Arnsberger Landgericht verlassen. Nachdem er im Sommer seinen Onkel mit mehreren Messerstichen tödlich und seinen Großvater schwer verletzt hatte, hielt ihn die Kammer zwar für psychisch krank und schuldunfähig, seine Unterbringung in der Eickelborner Forensik wurde aber unter Auflagen zur Bewährung ausgesetzt.

Soest – Für den tödlichen Angriff auf seinen Onkel im vergangenen Juli muss der junge Mann nicht hinter Gitter – jedenfalls nicht hinter die einer Haftanstalt. Weil er bei der Ausübung der Tat nach Überzeugung des Arnsberger Landgerichts als Folge einer akuten psychischen Erkrankung schuldunfähig war, wurde er zwar zur weiteren Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik verurteilt, die wurde aber zur Bewährung ausgesetzt.

Sehr früh war klar geworden, dass sich der junge Mann Anfang Juli vergangenen Jahres in einer absoluten psychischen Ausnahmesituation befunden hatte, als er seinem Onkel drei Stiche in den Oberkörper zufügte, an denen der 62-Jährige kurz darauf starb, und auch seinen Großvater verletzte. Der überlebte die Tat.

Kurz darauf war der Abiturient festgenommen worden, er verhielt sich aber dermaßen aggressiv und desorientiert, dass eine Vernehmung durch die Polizei unmöglich war und er in die Forensik nach Eickelborng gebracht wurde. Von dort wurde er auch zur Verhandlung vorgeführt.

Vor der Urteilsverkündung hatte die Kammer zwei Psychologen aus der Forensik und einen Psychiater sowie einen Gerichtsmediziner und einen Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe sowie die Plädoyers von Anklage und Verteidigung gehört. Bei allen Aussagen hatten zwei Fragen im Mittelpunkt gestanden: Was löste den tödlichen Messerangriff aus? Und ist und bleibt der Angeklagte eine Gefahr für die Öffentlichkeit?

Gutachter

Inneralb weniger Tage, so die übereinstimmende Meinung der Mediziner, habe sich bei dem Angeklagten eine schwere schizophrene Störung entwickelt, die sich bis dahin nicht angekündigt hatte und die schließlich in den tödlichen Messerstichen eskalierte. Einigkeit bestand auch darin, dass sich der junge Mann damals ohne einen konkreten Anlass in einer Art Wahnvorstellung von seinen Verwandten bedroht gefühlt habe, aus dem Haus seiner Großeltern flüchten wollte und zustach, als Onkel und Großvater ihn daran hindern wollten.

Erst nach mehreren Wochen Behandlung, vor allem der Verabreichung starker Medikamente, habe er sich, so die Psychologen, zunehmend stabilisiert.

Anklage

Diesen Eindruck hatte auch der Staatsanwalt. Er hatte zwar keinen Zweifel an der Schuldunfähigkeit des Angeklagten, forderte aber angesichts der Schwere der Tat und Zweifeln daran, dass in Freiheit die dringend gebotene Fortführung der Medikamenteneinnahme und eine intensive ambulante Therapie gewährleistet werden könne, die weitere Unterbringung im Maßregelvollzug.

Verteidigung

Ganz anders sah das die Verteidigung. Statt des angeklagten Totschlags sah sie die lediglich Merkmale einer gefährlichen Körperverletzung mit Todesfolge erfüllt. Vor diesem Hintergrund, und angesichts unzureichender therapeutischer Angebote in der Forensik, forderte sie die Aufhebung der Unterbringung im Maßregelvollzug.

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